Schlag auf Schlag soll es in den kommenden Wochen und Monaten gehen. "Singen braucht eine neue Kulturkonzeption", erklärt Catharina Scheufele, die Chefin in Singens Kulturbüro. Dieser Tage erwartet die Fachbereichsleiterin Kultur der Stadtverwaltung Besuch: Gemeinsam mit kulturell engagierten Menschen in der Stadt und der international tätigen Kulturmanagerin Martina Taubenberger sollen neue Konzepte für die kulturelle Vielfalt in Singen erarbeitet werden. Die Unterstützung von Verwaltung und Gemeinderat ist da. Nach der Zustimmung des Gemeinderates wurde der Weg abgesteckt.

n fünf Schritten soll eine neue Kulturkonzeption entwickeln werden. Als Auftakt soll bis zum Ende der Woche eine Bestandsaufnahme gemacht werden und das kulturelle Feld mit städtischen und freien Kulturträgern abgesteckt werden. Danach folgen bis Ende des Monats Expertengespräche, bevor die Bürger gefragt sind. Im Juli soll eine Umfrage gestartet werden – in der Stadt und im Internet. "Derzeit sind wir dabei, die Fragen zu definieren", erklärt Scheufele. Das soll in enger Zusammenarbeit mit den Nachbarn von der Tourismusförderung geschehen. Nach der Sommerpause werden die Ergebnisse erst im Gemeinderat und dann Kulturinteressierten und Bürgern in Diskussionsrunden vorgestellt. Schließlich soll die Konzeption bis zum Jahresende gebündelt und im Gemeinderat präsentiert werden.

Vor einem schnellen Beschluss warnt SPD-Stadtrat Walafried Schrott: "Das braucht Zeit zur Diskussion", ist er von der Bedeutung dieser Konzeption überzeugt. Geplant ist, so Scheufele, im nächsten Frühjahr zum Abschluss zu kommen. Etwa 30 Jahre sei es bereits her, dass letztmals im großen Stil die Kulturarbeit konzipiert wurde. Seither hat sich vieles verändert. Nicht nur, dass neue Angebote in der Stadt Platz gefunden haben, auch die Digitalisierung hat das kulturelle Leben erfasst. "Darauf wollen wir eingehen", erklärt Scheufele. Die Herausforderung sei, einerseits die Jugend für das breite Kulturangebot zu begeistern und andererseits interaktive Angebote zu positionieren, um auch im Internet der Dinge nicht übersehen zu werden. "Singen kann mehr", ist Scheufele überzeugt. Und damit hat sie auch die Ratsmitglieder überzeugt.

Zur Entwicklung der Konzeption "KulturPur2030" setzt Scheufele auf breite Beteiligung. "Wir wollen den Blick bewusst auch über den Horizont der städtischen Einrichtungen hinaus werfen", sagt sie. Vom Kunstverein bis zu den vielen Musikvereinen, von den Bühnen bis zu den Galerien und von den Künstlern der Stadt bis zum kommunalen Kino reicht der Blickwinkel.

In Expertengesprächen will Moderatorin Martina Taubenberger die wichtigsten Protagonisten der Singener Kulturszene zu Zukunftsplänen befragen. "Die Begleitung durch eine unabhängige Moderatorin ist wichtig für den Prozess", betont Scheufele. Um die Erkenntnisse auf ein möglichst breites Fundament zu stellen, ist eine Bürger- und Besucherbefragung noch vor der Sommerpause geplant.

Im September will Scheufele dem Gemeinderat den Zwischenbericht vorlegen, um gemeinsam mit den Ratsmitgliedern die Themen des weiteren Prozesses festzulegen. In mehreren Ideenwerkstätten sollen im Oktober die Ergebnisse von Expertengesprächen und Bürgerbefragung diskutiert werden, bevor der Abschlussbericht im Dezember im Gemeinderat öffentlich vorgestellt werden soll. "Anschließend wird dieser nochmals an alle Experten und Teilnehmer der Workshops versendet. Rückmeldungen können so noch eingearbeitet werden", setzt Singens Kultur-Chefin auf maximale Beteiligung, um einen breiten Konsens zu bekommen. Ziel ist, die vorhandene Vielfalt zu pflegen und besser zu werden. Kulturmarketing sei wichtige Imagepflege für die Stadt, sowohl als Standortfaktor als auch für die Tourismusförderung, ist Catharina Scheufele überzeugt. "Wir wollen uns da stärker positionieren."

Wie die Planer vorgehen wollen

Wie stellen sich Bürger und Besucher das Singener Kulturleben der Zukunft vor? Experten und Bürger sollen gemeinsam planen, Workshops und eine Umfrage inspirieren.

  • Wer: Moderatorin Martina Taubenberger hat sich als selbstständige Kulturmanagerin auf die Begleitung derartiger Projekte in ganz Deutschland und im europäischen Ausland spezialisiert.
  • Was: Das Weingartener Unternehmen „e5.anderswerken“ soll die Bürger- und Besucherbefragung durchführen. Investition: knapp 19 000 Euro.
  • Wann: Die Erfassung der Bürger- und Besuchermeinung soll durch eine Straßen-, Einrichtungs- und Onlinebefragung stattfinden. Um Singener wie auch Besucher der Stadt zu erreichen, wird die Befragung auf Mitte Juli bis Mitte August gelegt. Es gibt drei Befragungstage mit jeweils drei bis vier Befragungsorten und jeweils zwei Interviewern.
  • Wie: Gebündelt wird die Umfrage mit dem parallel laufenden Tourismuskonzept. Hier entwickelt Tatjana Thimm, Professorin an der HTWG Konstanz, die Fragen.
  • Wo: Als geeignete Orte für die Bürgerbefragung werden Hohentwiel, Kunstmuseum, MAC Museum Art & Cars, Fußgängerzone, Bahnhof, Wochenmarkt und Wohnmobil-Stellplätze angesehen. Zudem gibt es unter anderem eine Onlinebefragung.
  • Workshops: Einen offenen Bürgerworkshop gibt es am 12. Oktober von 18 bis 21 Uhr. Die drei Themenworkshops sind auf den 5. Oktober, 17 bis 21 Uhr, den 13. Oktober, 14.30 bis 18.30 Uhr, und den 14. Oktober, 10 bis 14 Uhr, terminiert. (bie)