Schülern und Lehrern der Bruderhofschule bot sich nach den Pfingstferien ein erschreckendes Bild: Die Steinschnecke im Schulhof, eine Spiel- und Sitzgelegenheit, war komplett zerstört, Betonbänke mit roher Gewalt aus der Verankerung gerissen und durch die Gegend geschmissen worden. Zuvor haben unbekannte Täter einem Anwohner, der sich über Lärm beschwert hatte, die Fensterscheibe mit einem großen Stein eingeschlagen. Kurz darauf wurde das Materialhäuschen im anderen Schulhof mit einem dicken Ast oben aufgehebelt. "Die Schüler waren geschockt, manche haben geweint. Die Lehrer haben im Unterricht mit den Kindern darüber gesprochen, um das Geschehene zu verarbeiten", berichtete Schulleiterin Karin Leutert. Da die Zerstörung in den Ferien passiert war, konnte die Schule die rund 300 Grundschüler, die auf die Schule gehen, und ihre Eltern nicht informieren. "Die Kinder hatten Angst und fragten: Wer macht unser Spielzeug kaputt?", so die Schulleiterin. Für die Lehrer sei es schwierig gewesen, mit dem Thema umzugehen.

Schulleiterin Karin Leutert steht auf dem Platz und zeigt ein Foto der Zerstörung, wie es nach den Pfingstferien aussah und auf unserem kleinen Bild zu sehen ist. Sie hofft auf eine Neugestaltung des Platzes. <em>Bild: Jacqueline Weiß</em>
Schulleiterin Karin Leutert steht auf dem Platz und zeigt ein Foto der Zerstörung, wie es nach den Pfingstferien aussah und auf unserem kleinen Bild zu sehen ist. Sie hofft auf eine Neugestaltung des Platzes. Bild: Jacqueline Weiß

Schulleitung und die Stadt Singen sehen einen Zusammenhang mit dem Schulsportplatz der Bruderhofschule, der als Treffpunkt für Jugendliche gilt. Mit Rücksicht auf die Anwohner ist er ab 16 Uhr geschlossen, nachdem es immer wieder Beschwerden gab. Die Schule und der Platz liegen direkt im Wohngebiet. "Es gibt zwei Plätze in der Nachbarschaft auf die die Jugendlichen ausweichen können", erklärt Bürgermeisterin Ute Seifried. Ein Schloss und ein Gitter sollen ungebetene Gäste vom Sportplatz fernhalten. Nachdem mehrfach versucht wurde, das Schloss zu knacken und das Gitter immer wieder überklettert wird, zog die Stadt erste Konsequenzen: Die Basketballkörbe wurden kurz vor den Pfingstferien abmontiert. Ab da begann der Vandalismus rund um die Schule.

Als erste Reaktion auf die Zerstörung, bauten die Mitarbeiter der Stadt die Reste der Steinschnecke ab und richteten darauf ein Beet mit Rindenmulch ein. Die Schulleiterin hofft jetzt auf eine Neugestaltung des Schulhofes, der als Bewegungsraum für die Grundschüler gerade in der Ganztagsbetreuung unabdingbar sei. "Wir bekamen wirklich schnelle Hilfe, wir werden den Schulhof so schnell wie möglich wieder neu gestalten und vergessen machen, was passiert ist", sagte die Schulleiterin. "Wir wollen betonen, dass es inakzeptabel ist, dass mit dem Eigentum aller so umgegangen wird", erklärte die Bürgermeisterin den Schritt, an die Öffentlichkeit zu gehen. Polizei und die mobile Jugendarbeit waren vor Ort und haben Jugendliche auf den Vandalismus angesprochen. Die Polizei will verstärkt Präsenz zeigen und reagiert auf Anrufe aus der Anwohnerschaft.

Diejenigen, die der Zerstörung verdächtigt werden, seien deutlich unter 18 Jahren, einige könnten ehemalige Schüler der Bruderhofschule sein. "Es ist uns unbegreiflich, dass Jugendliche zu solch roher Gewalt fähig sind", sagte Seifried. Ein Anwohner, der die Verdächtigen angesprochen hatte, sei von seiner Frau ins Haus geholt worden, weil sie Angst um ihn hatte. Wenn die Täter erwischt würden, müssten sie oder, wenn sie noch nicht strafmündig seien, ihre Eltern für den Schaden aufkommen, so die Bürgermeisterin. Auch die Eltern seien in der Verantwortung, ihren Kindern den sorgsamen Umgang mit dem Eigentum anderer zu vermitteln. Als letzte Konsequenz müssten die Schulhöfe für die Öffentlichkeit geschlossen werden. "Das wäre schade, weil dann einfach Plätze für die Allgemeinheit wegfallen", erklärte Seifried. Durchgehen lassen könne man ein solches Verhalten aber nicht. Seit die Stadt reagiert habe, sei es zu keinen Zerstörungen mehr gekommen.