Vor drei Jahren hat der Ortsverein einen Brillenfonds eingerichtet, um Menschen mit wenig Geld beim Kauf einer Brille zu unterstützen. Wie kam es dazu?

Vor einigen Jahren wurden Zuschüsse zu optischen Sehhilfen aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen gestrichen. Bei Menschen mit geringem Einkommen führt dies immer wieder zu finanziellen Engpässen. Schlechtes Sehen behindert und schränkt ein – bei der Teilnahme am sozialen Leben wie auch bei der Arbeitssuche. Dies war auch im Rahmen unserer Arbeitslosenprojekte erkennbar. Daraufhin entstand in der Vorstandschaft die Idee des Brillenfonds.

Wer kann einen Zuschuss beantragen?

Jeder, der diese Sozialleistungen bezieht: Arbeitslosengeld II, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, Grundsicherung/Sozialhilfe, Wohngeld, Kinderzuschlag, aber auch alle, die eine Kundenkarte der Singener Tafel oder einen Sozialpass der Stadt Singen besitzen.

Gab es Reaktionen auf den Brillenfonds?

Viele Bedürftige sind dankbar und froh, dass es den Brillenfonds gibt. Sie freuen sich, dass sie endlich wieder gut sehen können. Ohne Zuschuss hätten sich etliche keine neue Brille leisten können.

Wie viele Menschen haben diese Hilfe bislang in Anspruch genommen?

In den vergangenen drei Jahren bekamen 200 Menschen beim Kauf einer Brille einen Zuschuss – dafür wurden rund 12 000 Euro zur Verfügung gestellt. Pro Person wird ein Zuschuss für eine Brille jeweils alle fünf Jahre gewährt.

Wie finanziert sich der Brillenfonds?

Bisher sind hauptsächlich Eigenmittel des Ortsvereins in den Fonds geflossen. Angefangen haben wir mit 3000 Euro, da wir zunächst nicht wussten, wie groß der Bedarf ist. Aufgrund der vielen Anträge haben wir diesen Eigenanteil auf rund 7000 Euro erhöht. Das Geld kam vor allem durch den Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeiter des Ortsvereins zusammen. Jedes Jahr sind wir beim DGB-Fest am 1. Mai mit einem Kuchenstand und beim Martini-Markt mit einem Schokofrüchte-Stand vertreten. Auf diese Weise wurden die Mittel für den Brillenfonds über Jahre hinweg erarbeitet und erspart.

Gibt es auch Unterstützung von außen?

Aus der Sparkassenstiftung erhielten wir 2000 Euro. Auch einige inhabergeführte Optikergeschäfte in Singen sowie Privatpersonen haben den Fonds unterstützt.

Reichen die finanziellen Mittel aus?

Nein, im Moment müssen wir die Leute vertrösten. Aktuell ruht der Brillenfonds, da der Ortsverein keine Eigenmittel mehr zur Verfügung stellen kann. Daher sind wir auf Spenden angewiesen und werden verstärkt auf die Suche nach potentiellen Spendern gehen. Es fehlt vor allem an regelmäßiger Unterstützung.

Wie macht der Ortsverein sonst noch auf dieses Thema aufmerksam?

Wir waren auch verbandspolitisch tätig. Über den Bezirksverband konnte erreicht werden, dass bei der Bundeskonferenz der Awo ein Antrag diskutiert und einstimmig angenommen wurde. Darin wird die Regierung aufgefordert, auf eine Verbesserung der staatlichen Hilfen beim Kauf von gesundheitlich erforderlichen optischen Hilfen hinzuwirken.

Fragen: Karin Zöller

 

Zu Person und Awo

  • Claudia Rehling engagiert sich seit 25 Jahren als Vorsitzende des AWO-Ortsvereins Singen. Beruflich ist die Verwaltungsfachwirtin im Jobcenter Singen in der Sachbearbeitung tätig. Sie hat eine Tochter und ihre Hobbys sind Radfahren, Schwimmen, Lesen und Gartenarbeit.
  • Der Awo-Ortsverein Singen hat derzeit rund 190 Mitglieder. Auf ehrenamtlicher Basis werden regelmäßige Aktionen für Senioren wie auch für Kinder angeboten. Alle 14 Tage gibt es den Seniorentreff. Einmal pro Monat (April bis September) finden Halbtagesfahrten für Senioren statt. Für Kinder werden zweimal im Jahr Wochenend-Freizeiten geboten. Seit drei Jahren gibt es den Brillenfonds, um Menschen mit wenig Geld beim Kauf einer Brille zu unterstützen. Bei bis zu 100 Euro Gesamtkosten werden – nach vorherigem Antrag und Genehmigung – 80 Prozent der Kosten übernommen (je nach Indikation im Einzelfall auch etwas mehr). Da die finanziellen Mittel durch den großen Bedarf an Zuschüssen bereits ausgeschöpft sind, ist der Brillenfonds auf Unterstützung angewiesen. Für Spenden gibt es das Konto des Awo-Ortsvereins bei der Sparkasse Hegau-Bodensee, BIC: SOLADES1SNG, IBAN: DE 4069 2500 3500 0301 2705, Verwendungszweck: Brillenfonds (zöl)
Weitere Informationen auf: www.awo-konstanz.de/ovsingen.html