Eine weitere wichtige Hürde hat das 165-Millionen-Euro-Projekt der Hamburger Investorengruppe ECE für das Singener Cano-Einkaufszentrum genommen. Mit breiter Mehrheit haben die Mitglieder des Singener Gemeinderates den vorliegenden Plänen zugestimmt und Oberbürgermeister Bernd Häusler beauftragt, das umfangreiche Vertragswerk zu unterzeichnen. Bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung haben sich 23 Ratsmitglieder für das Projekt entschieden. "Das ist städteplanerisch eine Chance für diesen Eingangsbereich der Innenstadt", formulierte Franz Hirschle für die CDU die Fraktionsmeinung. Auch die SPD ist mit dem Ergebnis zufrieden. "Die Interessen von Stadt und Investor waren nicht immer deckungsgleich, aber wir machen jetzt einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung", so Fraktionssprecherin Regina Brütsch. Für die FDP lobte Kirsten Brößke die Planung, die Raum für Ideen und Konzepte schafft, Marion Czajor für die neue Linie das Verhandlungsgeschick von OB und Stadtverwaltung: "Der Preis, den wir für die externe Beratung bezahlen, wird sich auszahlen", ist sie überzeugt.

Nicht überzeugen ließen sich Eberhard Röhm (Grüne), Hubertus Both und Klaus Forster (Freie Wähler). Sie stimmten gegen den Baukörper, der – so Forster – die Innenstadt als gewaltiger Riegel abgrenzt. Alle drei dankten aber auch der Verwaltung für ein transparentes Verfahren, wenngleich sie nicht zustimmen konnten. "Ich sitze hier und kann nicht anders", erklärte sich Both.

Die Hamburger Investoren planen die große Einkaufsvielfalt für das Cano. So soll die Fassade des geplanten ECE-Center in Singen aussehen. Erhalten wird das Hotel Victoria (links). Bild: ECE
Die Hamburger Investoren planen die große Einkaufsvielfalt für das Cano. So soll die Fassade des geplanten ECE-Center in Singen aussehen. Erhalten wird das Hotel Victoria (links). Bild: ECE | Bild: ECE

Die Mehrheit sah es anders. "Das ist, was wir hier in Singen brauchen", betonte Dirk Oehle von der Neuen Linie. Der Bürgerentscheid habe den Weg vorgegeben. Positiv wurde bewertet, dass wichtige Punkte vertraglich gesichert seien: Die Toiletten sollen ohne Bezahlsystem bewirtschaftet werden und ECE wurde verpflichtet Handel für Unterhaltungselektronik und Lebensmittel anzusiedeln. Das seien Branchen mit unzureichendem Angebot in der City.

Wichtig war den Ratsmitgliedern das Thema Fahrradabstellplätze. "Das wird geregelt", so das Versprechen der Stadtverwaltung. Noch stünden aber letzte Verhandlungen mit der Bahn an, um die optimale Lösung zu erreichen. Verbessert werden soll auch der Lieferverkehr in der August-Ruf-Straße. "Wir wollen das mit ausfahrbaren Pollern steuern", so OB Häusler. Einen Schwachpunkt sprach Grünen-Räten Isabelle Büren-Brauch an. "Was passiert bei Vertragsbruch", bemängelte sie fehlende Vertragsstrafen. "Das müssen wir im Ernstfall juristisch klären", erläuterte Rechtsbeistand Till Banasch.

Nun steht bald eine Reise nach Hamburg für OB Bernd Häusler im Terminkalender. Dort muss das Vertragswerk vor einem Notar unterzeichnet werden.

 

Die Kostenfrage

Stumm bleibt Oberbürgermeister Bernd Häusler in der Frage, welche Summe die Stadt Singen mit dem Verkauf der benötigten Grundstücke an ECE erzielt. Öffentlich sollen diese Zahlen auf jeden Fall aber noch werden. "Spätestens bei den Haushaltsplanungen werden die Beträge auf der Einnahmenseite bekannt", erklärte Häusler in der Sitzung. Vor Vertragsunterzeichnung werde er sich dazu aber keinesfalls äußern. (bie)