"Habt ihr heute schon prokrastiniert?" – mit dieser Frage konfrontiert Katie Freudenschuss ihr Publikum in der Gems, gleich nachdem sie die Bühne betreten hat. Haben sie offenbar nicht, wie sich herausstellt. Dann geht’s richtig los mit ihrem Programm "Einfach Compli-Katie!"

Ein Tagebuch aus den 1950-er Jahren gibt Katie Freudenschuss den Stoff für ihr Solo-Programm. Und der Song "Complicated", mit dem die Kanadische Sängerin Avril Lavigne im Jahr 2002 ihren Durchbruch hatte. Doch zurück zur Aufschieberitis (wie man Prokrastination auch nennt): Es gebe drei Dinge, wie man dies ändern könne. Sie habe aber nur den Dritten befolgt und sich einen leeren Schreibtisch gekauft.

Ein Tagebuch aus den 50ern gibt die Inspiration

Immerhin fand sie in diesem alten Möbel dann dieses nostalgische Tagebuch einer Wienerin. Um die Einträge dieser jungen Frau, die Mitte der 1950-er Jahre ihre ganz persönlichen Gefühle über ihre bevorstehende Hochzeit und die danach offenbar ernüchternde Zeit aufgeschrieben hat, strickt Katie Freudenschuss ihr Programm mit vielen Schlenkern in die heutige Zeit.

Die Hamburgerin, die sich als Halbösterreicherin ein bisschen Wiener Schmäh bewahrt hat (wie man beim Lesen aus dem Tagebuch hört), charakterisiert sich selbst als "Irgendwas zwischen Singer/Songwriter Popmusik und Comedy". Sie sei aber auch eine Sachensagerin und diese Sachen bewegen sich immer zwischen Melancholie und Ironie.

Und sie hat die Audrey-Hepburn-Taille – dank guter Gene. Nur sitzt die bei ihr in der Mitte des Oberschenkels. Werbespots kann sie auch, mit ihrer tiefen, klaren Stimme. Schließlich hat sie mal vor Jahren einen Song für eine Wurstwerbung gesungen. Aber auch den Spot für "Frauengold", das Wunderelixir aus den 1950-er Jahren, hat sie drauf.

Online Klamotten bestellen und Näherinnen retten

Moderne Ablassmöglichkeiten über das Internet beschreibt sie beispielsweise in einem politischen Song. Sie teile jede Petition auf Facebook, klicke mal eben gegen das Bienensterben und rette die Näherinnen in der Dritten Welt, nachdem sie zuvor Kleidung über einen bekannte Online-Plattform bestellt habe. So einfach ist das heute. Trotzdem habe ihr ein Freund den Namen "Compli-Katie" gegeben.

Auch wenn alles heute irgendwie so einfach erscheint – "bleibt kompliziert", rät sie den Zuhörern. Ein wenig nachdenklich stimmt der Song über ein fiktives Telefonat, das Melania Trump mit ihrer Schwester führt, untermalt von Klängen des Hits "Stand by your man".

Wie die Geschichte mit der Frau aus dem Tagebuch ausgeht – denn diese verliebt sich, wie man hört, in den Postboten – improvisiert Katie Freudenschuss als Zugabe. Dafür sind Vorschläge aus dem Publikum gefragt. Aus besonderen Singener Gegebenheiten entsteht dann ein cooler, ganz persönlicher Song nach Liedern wie "I just called to say I love you" oder "The rose".