Vier Männer aus dem Kreis Sigmaringen und dem Thurgau, die Ende 2017 in Singen einen missglückten Raubüberfall begangen haben, sind vor dem Landgericht Konstanz jetzt mit Bewährungsstrafen zwischen 14 und 24 Monaten davongekommen.

Täter bieten Audi für 21 000 Euro an

Wie berichtet, lotsten die Männer, ein Brüderpaar aus Biberach, zu einem fingierten Autoverkauf nach Singen, um ihnen mit Gewalt den Kaufpreis von 21 000 Euro für einen Audi A 5 abzunehmen, den es gar nicht gab. Ein 24-jähriger Angeklagter, der mit den Brüdern befreundet war, begleitete die Kaufinteressenten in ihrem Wagen nach Singen. Er hatte ihnen weisgemacht, er könne sie beim Kauf beraten. Nachdem die drei auf einem Parkplatz im Industriegebiet eine Weile gewartet hatten, rissen plötzlich ein 28-jähriger und ein 25-jähriger Komplize, mit Nikolausmützen und Schals vermummt, die Autotür auf und sprühten Pfefferspray in den Wagen der Brüder.

Bedrohte Männer reagieren nicht wie erwartet

Der 25-Jährige aus dem Thurgau bedrohte sie mit einem Elektroschockgerät und einer Soft-Air-Waffe, und forderte „Kohle her!“. Während die Brüder vom Reizgas nur leicht verletzt wurden, traf es den 24-jährigen Mittäter voll in die frisch operierten Augen. Und die bedrohten Männer reagierten auf die Drohungen nicht wie erwartet. Sie behaupteten, das Geld würde erst von Freunden gebracht werden, die in Kürze auftauchen würden. Der 25-Jährige verlor das Magazin für die Druckluftpistole und beim Zuziehen der Autotür zerbarst eine Scheibe. Die völlig verunsicherten Täter gaben ihren Plan auf und suchten das Weite.

Ein 29-Jähriger, der den Haupttätern in seinem Wagen gefolgt war, um die Beute entgegenzunehmen, machte sich ebenfalls aus dem Staub, nachdem er nach Aufforderung der Brüder die Polizei gerufen hatte. Er wurde jetzt nur wegen Beihilfe zum Raubversuch verurteilt und soll als Bewährungsauflage 200 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Seine Kollegen müssen neben der Strafe je 5000 Euro Geldbuße an verschiedene gemeinnützige Einrichtungen bezahlen.

Täter legen Geständnisse ab

Das Gericht wertete die Tat als minder schweren Fall. Zudem hatten alle Geständnisse abgelegt und die Tat bereut. Nicht unerheblich dürfte dabei gewesen sein, dass sie nach ihrer Festnahme im März vorigen Jahres mehrere Wochen Untersuchungshaft absitzen mussten. Der 28-Jährige, damals in Kreuzlingen wohnhaft, wurde noch in der Tatnacht geschnappt und für drei Monate in Untersuchungshaft genommen. Bei allen Angeklagten handelt es sich laut Gericht um Ersttäter, denen man eine gute Sozialprognose stellen konnte.

Brüder geben das Geld nicht raus

Glück hätten sie gehabt, so das Gericht, dass die Brüder so unerschrocken reagierten, und das Geld nicht herausgegeben hatten. Auch dass die Tat bei ihnen keine Folgeschäden hinterlassen hat, habe für das milde Urteil eine Rolle gespielt, hieß es in der Urteilsbegründung.

Insgesamt hätten die Angeklagten beim Gericht den Eindruck hinterlassen, dass sie „nicht zwingend ins Gefängnis gehören“, so der Vorsitzende Richter. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte für die drei Haupttäter Haftstrafen von drei Jahren aufwärts gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.