Die Remise der Hohentwiel-Domäne ist bereits theatererprobt, doch dieses Stück soll ein besonderes sein: Der Theater-schreibende Jurist Gerd Zahner hat mit der Gems und den Domänen-Verantwortlichen eine szenische Lesung organisiert, deren Einnahmen der Domäne zugute kommen sollen. „Wir hatten die Idee, dass die Schäferei ein Kulturgut ist und wir das mit Kultur fördern sollten“, sagt Gerd Zahner. Der Eintritt am Donnerstag, 24. Oktober, ist frei, doch um Spenden wird gebeten. Denn Ende Juli zerstörte ein Feuer eine Halle und Arbeitsmaschinen der Domäne, der Schaden wird auf 500 000 Euro geschätzt.

Eine Premiere mit Wink zum Klimawandel

Erstmals wird für das Benefiztheater das Stück „Der Wahrsager und der Unwahrsager“ aufgeführt. Darin dreht Zahner die Uhr um 400 Jahre zurück zum Beginn des 30-jährigen Krieges. Bei einem Gauklerfest auf dem Hohentwiel sagen ein Wahr- und ein Unwahrsager die nächsten Jahrzehnte voraus. Das Schreckensszenario: Viele Menschen werden leiden und sterben, den Hegau in seiner damaligen Form werde es danach nicht mehr geben. Doch die Zuhörer wissen nicht, was stimmt und was sie glauben sollen – oder wollen. Das sei, wie wenn man den Leuten heute sagen würde, dass der Planet in 30 Jahren kocht – das wolle auch niemand glauben, sagt Zahner. Das Stück habe er noch in der Schublade gehabt und schon vergangenes Jahr aufführen wollen, eine weitere Inszenierung ist aber noch nicht geplant. Von der Umsetzung am nächsten Donnerstag lässt sich der Autor selbst überraschen. Mitwirken werden Anny de Silva, Lisa Maria Funk und Leander Kämpf. Für Musik sorgt Reinhard Stehle. Alle Beteiligten verzichten auf ihre Gage.

Auf der Domäne ist Geduld gefragt

Viel hat sich in den vergangenen Wochen nämlich nicht getan, erklärt Hanne Pföst als Gesellschafterin der Domäne-Hohentwiel-GbR. Zwischenzeitig hätten sie das Heu umgelagert und ein Statiker habe den erhaltenen Teil des Stalls freigegeben, sodass dort Lämmer untergebracht werden können. Doch ein weiterer Termin stehe noch aus, auch von Plänen für den Wiederaufbau des beim Brand beschädigten Stalls weiß sie noch nichts. „Geduld ist angebracht“, fasst sie zusammen. Eigentümer ist das Land. „Wir können uns glücklich schätzen, wenn wir nächstes Jahr um diese Zeit etwas sehen.“ Bis dahin müssen die Schafe auf der Winterweide auskommen. Doch angesichts zunehmender Bebauung sei es schwerer geworden, eine Fläche für die Tiere zu finden. Auch die Schafe über Straßen zu begleiten, sei heute aufwändiger als noch vor einigen Jahren.

Manch Anschaffung konnte nicht warten – und war teuer

Problematisch sei die Lagerung von Heu für die rund 550 Muttertiere und ihre Lämmer, für das seit dem Brand im Juli eine Halle fehlt. Das schützende Vlies werde doch ein wenig feucht, bei Wind müsse man es außerdem extra sichern. Beim Radlader habe man nicht warten können: Nachdem eines der wichtigsten Geräte der Domäne verbrannte, haben sie sich für eine gebrauchte Maschine entschieden. Allein dieses Arbeitsgerät kostet 30 000 Euro, wie Hanne Pföst sagt. Angesichts solcher Ausgaben sei jede Spende willkommen. Bislang sind ihren Angaben zufolge rund 8000 Euro auf dem Spendenkonto eingegangen.

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Besucher sollten nicht zu spät kommen

„Es ist wichtig, dass wir immer wieder auf dieses Problem hinweisen“, sagt Gems-Geschäftsführer Andreas Kämpf zur finanziellen Not der Domäne. Im August habe man erstmals über ein Benefiztheater gesprochen. Nun hoffen die Organisatoren auf viele Besucher in der Remise der Domäne. Da es keine Reservierung und festen Plätze gibt, rät Kämpf, nicht zu spät zu kommen. „Das könnte schön werden“, fasst Theaterautor Gerd Zahner zusammen. „Ich hoffe es“, erwidert Hanne Pföst.

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Nix liest Zahner

Der scheidende Konstanzer Theaterintendant Christoph Nix liest am Freitag, 18. Oktober, um 20 Uhr den neuen Goster-Krimi von Gerd Zahner mit dem Titel „Keiner verliert allein“. Darin geht es um eine Stadt, die sich aufzulösen droht: Drogen aus alten Wehrmachtszeiten zirkulieren, Hausflure brennen, um letzte Mieter zur Flucht zu bewegen, über Facebook wer­den riesige Partys organisiert, auf denen reiche Menschen ihren Abschied aus dem Leben zelebrieren, um dann doch weiterzuleben. Und Goster, der Philosoph unter den Kommissaren, steht erstmal ratlos vor den verstörenden Ereignissen. Der Eintritt zur Lesung in der Gems in Singen kostet zehn Euro, ermäßigt acht Euro.