Der Zauber ist nach einer Stunde vorbei. Bis dahin haben Lisa Maria Funk und Leander Kämpf als der Wahrsager und der Unwahrsager eine mal heitere, mal sehr düstere Zukunft gezeichnet. Und einen Zauber geschaffen auf nur wenigen Quadratmetern der Remise, die zur Hohentwiel-Domäne gehört. Sie haben das Publikum entführt in den Mai 1618, als der Dreißigjährige Krieg sich ankündigte und doch unbegreifbar schien. Und sie haben in dem von Gerd Zahner geschriebenen Stück Parallelen gezogen zur heutigen Klimakrise – denn auch damals verschlossen Menschen ihre Augen vor dem Unglück.

80 Besucher spenden 1150 Euro

Dabei hatte der Abend zum Ziel, ein anderes Unglück zu lindern: „Es geht um einen kleinen Beitrag in einer sicherlich dramatischen Situation“, erklärte Andreas Kämpf von der Gems im Anschluss an die szenische Lesung. Denn der Schaden nach einem Brand im Juli ist immens. Da helfen die 1150 Euro, die gespendet wurden, sagt Pächter Michael Thonnet – und bedankt sich für die Großzügigkeit.

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Die schöne Zukunft ist an diesem Abend weiß gekleidet. Anny de Silva hat einen Wahrsager und einen Unwahrsager auf dem Hohentwiel angekündigt. Lisa Maria Funk spricht von ihrer neuen Liebe und davon, wie toll die nächsten Jahre werden – in weiß als sei die Zukunft unbefleckt. Leander Kämpf hingegen ist in schwarz gekleidet, er sieht Pestbeulen und den Prager Fenstersturz. Der Herr im Publikum lächelt so nett, sagt sie, denn der Zuschauer fühle wie sie. „Er stirbt bald“, entgegnet der Pessimist trocken und verrenkt seinen Körper zum Pestkreuz, das vor 400 Jahren zeigte: Wanderer flieh!

Bild: Arndt, Isabelle

1618 oder doch aktuell? Parallelen zur Klimakrise

Doch diese beiden bleiben und suchen die Auseinandersetzung – für und gegen eine gute Zukunft, für und gegen ein dunkles Schicksal. Gemeinsam tanzen sie zu Mittelalter-Klängen, zauberhaft gezupft von Reinhard Stehle, oder schreien sich von aufgetürmten Holzblöcken an. Zurück bleibt ein nachdenkliches Publikum angesichts solcher Zeilen: „Genießt jeden Augenblick der Ahnungslosigkeit. Der Mensch ist ein verwundetes Tier, das blind alles angreift, auch die Bienen, die Blumen, das Korn.“

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