"Feelin alright" – ja, das war es: Man fühlte sich richtig gut auf dem Rathausplatz am Samstagabend. Perfektes Wetter, perfekte Musik. Was will man mehr! Mehr als 1000 Zuhörer genossen das Konzert Pop & Poesie und viele schwelgten in Erinnerungen an ihre Jugend.

"Hallo, wie geht's?", fragt Moderator Matthias Holtmann sein Publikum in Singen. Mit seinem Anzug im Camouflage-Design findet er gleich den Schwenk zu Donald Trump. Wie sich das eigentlich anhöre? "Präsident Donald Trump. Ungefähr so wie Dr. Lukas Podolsky", meint der 68-Jährige ganz trocken. Seine Witze und Moderationen haben Kult-Charakter. Er findet auch Witze über Behinderte nicht schlimm, wenn es nicht zu weit geht. Auch über seine eigene Erkrankung (seit 2009 weiß er, dass er Parkinson hat), macht er schon mal seine Witzchen.

Die Zuhörer freuen sich über das Konzert Pop & Poesie auf dem Singener Rathausplatz und schwelgen in Erinnerungen.
Die Zuhörer freuen sich über das Konzert Pop & Poesie auf dem Singener Rathausplatz und schwelgen in Erinnerungen. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Seit zehn Jahren tourt Matthias Holtmann mit dem Ensemble Pop & Poesie durch die Lande. Er gratuliert den Zuhörern, dass sie an diesem Abend angeblich die beste Band hören können, die in Deutschland derzeit zu hören ist. Den neuen deutschen Sängern wirft er ganz nebenbei eine neue Weinerlichkeit vor.

"Doch wir werden nun was spielen, was nicht aus Europa stammt, sondern aus England", kalauert er. Vielleicht hört Freddie Mercury es ja da oben, meint er, bevor der Hit "Don't stop me now" von Queen ertönt. Übrigens mit der Powerstimme von Britta Medeiros, die aus Mexiko stammt. Doch zuerst rezitiert Schauspielerin Simone von Racknitz-Luick, ebenfalls mit kraftvoller Intonation, den Text auf Deutsch. Im Wechsel mit Jochen Stöckle hat sie diesen Part der Übersetzung inne – wenn sie nicht singt, beispielsweise als Agnetha Fältskog von Abba.

Rein optisch ist "Dancing Queen" wohl die beste Nummer des Abends. Abgesehen von dem Aretha-Franklin-Hit "Respect". Bei "Dancing Queen" hat sogar Produktionsleiter Ingo Mundt einen Gast-Auftritt mit einem Umhänge-Keyboard als "keytar". Doch es sollten noch weitere Welthits der Pop- und Rockmusik folgen.

Abba können sie auch: das Ensemble Pop & Poesie begeistert auf dem Rathausplatz. Im Bild (von links) Alex Kraus, Patrick Schwefel (im Hintergrund), Simone von Racknitz-Luick, Michael Endersby (Bass, im Hintergrund) und Ingo Mundt.
Abba können sie auch: das Ensemble Pop & Poesie begeistert auf dem Rathausplatz. Im Bild (von links) Alex Kraus, Patrick Schwefel (im Hintergrund), Simone von Racknitz-Luick, Michael Endersby (Bass, im Hintergrund) und Ingo Mundt. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Sicherlich 1000 Mal hat man manche Songs gehört, die an diesem Abend gespielt werden. "Aber auf den Text hat man oft nicht geachtet", sagt Matthias Holtmann. Wie zum Beispiel bei dem Hit von Bob Geldof/Boomtown Rats "I don't like Mondays". Dass der Song aufgrund eines Amoklaufs in San Diego im Jahre 1979 geschrieben wurde, wussten vermutlich nicht sonderlich viele Zuhörer. Doch für Bob Geldof lag es damals nahe, den Titel genau so zu wählen. Die 16-jährige Schülerin hatte als Motiv für ihren Amoklauf gesagt: "Weil ich keine Montage mag."

Das Ensemble von Pop & Poesie war übrigens auf Einladung des Kulturzentrums Gems gekommen und war das letzte Open-Air-Konzert im Rahmen des Kulturschwerpunktes "Singen in Takt". Ein würdiger Abschluss. Oder um es mit den Worten von Abba zu sagen: "Thank you for the music". Die Leiterin des städtischen Kulturbüros, Catharina Scheufele, ist übrigens hochzufrieden mit der Resonanz auf die Open-Air-Konzerte auf dem Rathausplatz. "Der Platz war so belebt wie nie", sagt sie. Ebenso wichtig wie die Resonanz war das Feeling: Sie habe ein echtes Wir-Gefühl bei den Konzerten gespürt.