Die Sonne brennt durch die Fenster, und wer auf seinem Bürostuhl oder Sofa sitzen bleibt, gerät ins Schwitzen. Die Menschen als Landlebewesen fühlen sich erst nach einem Sprung ins Aachbad oder den Steißlinger See wieder munter wie ein Fisch im Wasser.

Der Aach-Forelle dagegen wird das Wasser allmählich zu warm. Zwar sei die Situation noch nicht kritisch: "Im grünen Bereich sind wir aber auch nicht, es ist schon Vorsicht geboten", sagt Florian Sauter, Sachbearbeiter für Gewässerunterhaltung der Stadt Singen. Noch liege man einige Grad unter der Temperatur, ab der es für die ersten Fischarten gefährlich werden könne. "Die Faustzahl sind 25 Grad, da wird es für die Salmoniden kritisch". Dabei handelt es sich um die Lachsfische, zu denen auch die in der Aach lebenden Forellen und Äschen gehören.

Derzeit 22 Grad Wassertemperatur

Normalerweise bewegt sich die Temperatur der Aach zwischen 10 Grad im Winter und bis 20 Grad im Sommer. Zurzeit beträgt die Temperatur 22 Grad. "Das ist keine große Abweichung, das kann man zum Beispiel mit dem Rhein nicht vergleichen", weiß Sauter. Trotzdem hat die Hegegemeinschaft Hegauer Aach die Angelfischerei eingestellt, um die hitzegeplagten Fische nicht weiter zu stören. Sauter: "Das ist eine gute Maßnahme."

Tatsächlich erschöpft sich der Handlungsspielraum der Behörden und Verbände damit. Selbst im Falle einer weiteren Erwärmung könne man nicht viel tun. "Es gibt keine Sofortmaßnahmen, die wir ergreifen können". Florian Sauter hofft nun auf sinkende Temperaturen und Niederschläge: "Die entschärfen die Situation ebenfalls."

Wasser kommt aus tiefem Gestein

Die vergleichsweise niedrige Temperatur, mit der das Gewässer den Hegau durchfließt, resultiere aus einer Besonderheit der Aach, erklärt er. "Das Wasser kommt aus dem tiefen Gestein, am Aachtopf haben wir weiterhin unter 20 Grad Celsius". Erst im weiteren Verlauf heizt sich das Wasser auf. Das habe dem Hegau bisher sichtbare Auswirkungen erspart. Die geologische Situation wirke sich auch positiv auf den Wasserstand aus. "Die Pegel zeigen zwar ein Niedrigwasser, aber der Stand von 2003 ist noch nicht erreicht", erläutert Florian Sauter. Nur kleine Gewässer und landwirtschaftliche Gräben seien trockengefallen – was für die betreffenden Ökosysteme aber kein größeres Problem darstelle. "Da sind die Tier- und Pflanzenarten darauf eingestellt, das ist normal", berichtet Sauter.

Für Rekorde bei den Wasserbewohnern sorgt die Hitzewelle dagegen am Steißlinger See. "Wir bekommen die Leute spät abends kaum hier heraus", lacht Stefan Kronenbitter, Wirt des Strandbads am Steißlinger See. "Dieser Sommer war von Anfang an nicht schlecht", erzählt er, "aber seit dem 24. Juli sind die Besucherzahlen explodiert". Ungefähr 2000 Besucher suchten täglich bei ihm Abkühlung, das sind doppelt so viele wie gewöhnlich.

Sehr beliebt, um sich abzukühlen: der Steißlinger See. <em>Bild: Stephan Freißmann</em>
Sehr beliebt, um sich abzukühlen: der Steißlinger See. | Bild: Freißmann, Stephan

"Die Wassertemperatur ist auch schon 26 Grad", sagt er. Trotzdem könne man bei ihm unbehelligt von Schlamm und Algen baden. "Unser Wasserstand ist stabil. Die Quellen gleichen das irgendwie aus". Aber trotz des guten Geschäftes wünscht auch er sich mittlerweile eine Abkühlung.