Der Wohnungsmarkt im Hegau und am Bodensee ist weiter stark unter Druck. "Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem", berichtet Axel Nieburg, der Geschäftsführer der Baugenossenschaft Hegau als größter Genossenschaft im Landkreis Konstanz. 1900 eigene Wohnungen hat sie vermietet und die gleiche Zahl betreut sie nochmals für Dritte. Für das laufende Jahr ist Nieburg mit seinem Team weitgehend mit Planung für die Zukunft beschäftigt, denn die Baugenossenschaft hat vor, ihren Wohnungsbestand kräftig zu erhöhen. "Wir wollen in den nächsten Jahren mehr als 200 neue Wohnungen bauen", kündigt Nieburg an. Bauvolumen: Rund 50 Millionen Euro.

Die vergangenen Jahre waren bei den Baugenossen vor allem geprägt durch Modernisierungen des Wohnungsbestandes. 200 Wohnungen in den fünf großen Hochhäusern in der Überlinger Straße wurden komplett aufgemöbelt und modernisiert. 16 Millionen Euro wurden in das Projekt gesteckt, für das es auch bundesweite Auszeichnungen gab. Jetzt leuchten die weißen Riesen markant – nachts sogar farblich in verschiedenen Tönen, wenn die Aufzüge in Betrieb sind.

Aktuell baut die Baugenossenschaft ein kleines Projekt in der Burgstraße. Neun Wohnungen entstehen (siehe Übersicht unten). Größere Vorhaben stecken derzeit in der Planungsphase. "Insgesamt wollen wir aus eigener Kraft unseren Wohnungsbestand um zehn Prozent auf dann 2100 Wohneinheiten erhöhen", erklärt Hegau-Geschäftsführer Nieburg.

Die Mietpreise in Singen kennen seit Jahren nur eine Richtung: steil nach oben. Für Neubauten sind mittlerweile zehn Euro pro Quadratmeter eher Normalität denn die Ausnahme, berichten Branchenbeobachter. Da liegt die Baugenossenschaft Hegau deutlich drunter. Natürlich hat sie auch teurere Wohnungen im Bestand, etwa schicke Penthouse-Räume. Im Durchschnitt aber kosten ihre 1900 Wohnungen aktuell 5,57 Euro pro Quadratmeter. Und das, obwohl viele Wohnungen in der Vergangenheit modernisiert wurden und viele auch in der Hochpreiszone Konstanz liegen. Dieser Durchschnittspreis hat sich in einem Jahr um 34 Cent pro Quadratmeter erhöht. Für Axel Nieburg ist klar: "Wir sind praktisch die Mietpreis-Bremse".

Immer mehr Wohnungen der Baugenossenschaft werden mit umweltfreundlicher Energie beheizt. Sieben von zehn Einheiten beziehen die Wäre aus Holzpellets oder -Hackschnitzeln, also regenerativen Energiequellen. Ölheizungen machen nur noch jede zehnte Wohnung warm, mit Gas werden rund 20 Prozent der Wohnungen befeuert.

Das plant die Baugenossenschaft

Verschiedene Vorhaben hat die Baugenossenschaft Hegau in den kommenden Jahren in der Region vor. Alle Gebäude sollen barrierefreie erreichbar sein und energie-effizient im Passivhaus-Standard verwirklicht werden.
 

  • Villa Hohentwiel, Singen: In der Burgstraße entstehen derzeit neun Wohnungen in attraktiver, city-naher Lage und mit Hohentwiel-Blick. Das lange brach liegende Eckgrundstück wird architektonisch hochwertig bebaut.
  • Praxedis-Gärten, Singen: In der Romeiasstraße sollen bis zu 80 neue Wohnungen entstehen, anstelle der bisherigen Fitting-Arbeiterblocks. In diesen sind noch Asylbewerber untergebracht. Die Häuser werden kommendes Jahr abgerissen, Baustart soll dort dann auch 2017 sein. Die Zahl der Wohnungen in diesem Bereich (derzeit 36) wird glatt verdoppelt. Vor allem viele Kleinstwohnungen sollen entstehen.
  • Überlinger Straße, Singen: Weitere 72 Wohneinheiten könnten mittelfristig in der Überlinger Straße entstehen, zwischen den modernisierten Hegau-Hochhäusern. Der Vorteil: Das Grundstück gehört den Baugenossen schon, das senkt die Baukosten erheblich.
  • Königsberger Straße, Stockach: Intern heißt das Vorhaben "K2". Es handelt sich um eine Erweiterung eines alten Wohnblocks. Dieser wird erweitert, aufgestockt und attraktiver gestaltet. Sieben neue Wohnungen könnten entstehen. Stockachs Gemeinderat muss aber noch zustimmen.
  • Weinburg, Radolfzell: Dieses Vorhaben köchelt seit längerem vor sich hin. Im Herbst 2017 soll nun Baustart sein. 48 Wohnungen hat die Baugenossenschaft dort vorgesehen.
  • Neu im Aufsichtsrat: Bertram Greif ist der neue Vorsitzende des Kontroll-Organs der Baugenossenschaft. Er wurde als Vorsitzender zum Nachfolger von Erich Heiß gewählt. Dieser hatte die Altersgrenze erreicht und wurde bei der Vertreterversammlung als Aufsichtsratsvorsitzender verabschiedet.
  • 50 Jahre treu: Rosemarie Mager aus der Peter-Thumb-Straße in Singen ist seit 50 Jahren Mitglied bei der Genossenschaft und wurde jetzt geehrt. (jöb)