Tausende von Hegauer Bahn-Nutzern können aufatmen. Seit einigen Tagen fahren alle Nah- und Fernverkehrszüge wieder im Takt. Der war seit dem Frühjahr kräftig aus den Fugen geraten. Umfangreiche Gleisbau-Arbeiten auf dem Schienen-Netz im gesamten Landkreis Konstanz sorgten dafür, dass Zugstrecken teils viele Wochen lang komplett gesperrt wurden. Die nötigen Schienen-Ersatzverkehre über Busse sorgten vor allem auf der Linie Radolfzell – Konstanz für heftige Kritik bei Hegauer Pendlern. Bahn-Kunden verschafften ihrem Unmut auch bei einer SÜDKURIER-Befragung Luft, weil beim kürzlichen Ersatz-Verkehr zwischen Singen, Engen und Tuttlingen vieles schief gelaufen sei. Das will die Deutsche Bahn so nicht stehen lassen. Es habe umfassende Informationen am Bahnhof Singen gegeben und die Anschluss-Züge seien mit Bussen pünktlich zu erreichen gewesen. Dies habe ein Bahn-Manager mit seiner Frau selbst getestet, betont Roland Kortz vom Regionalbüro Kommunikation Stuttgart der Deutschen Bahn.

"Es fuhren viel zuwenige Ersatzbusse"

"Gott sei Dank läuft alles wieder normal. Vor allem die Sperrung Radolfzell – Konstanz war eine Katastrophe. Es fuhren viel zuwenige Ersatzbusse. Und die Anschluss-Züge wurden zu spät erreicht", erklärt der Gottmadinger Jörg Geßler. Er pendelt mit dem Seehas nach Konstanz, wo er berufstätig ist. "Auf dem Gottmadinger Bahnhof sind um 7.20 Uhr teils 100 Schüler gestanden. Es gab aber nur zwei Zugwagen. Das konnte niemand verstehen", so Geßler. "Bei der Sperrung der Strecke Thayngen – Singen sind wir glimpflich davon gekommen. Die Ersatzbusse fuhren mitunter abenteuerlich, alle Fahrgäste kamen aber heil und meist pünktlich an", berichtet Manfred Bischoffberger aus Gottmadingen, der in Radolfzell arbeitet.

Er schildert dann einige besondere Vorfälle: "Als ein Fahrer halsbrecherisch den Bus samt den Fahrgästen in einer Kurve in eine Schräglage legte, gab das Fahrzeug technisch bedingt den Geist auf. Ein Ersatzbus war aber schnell da. Und einmal hat eine besorgte Mitfahrerin die beschlagene Frontscheibe gereinigt, sodass der Busfahrer wieder klarer sah", so Bischoffberger. "Nach Konstanz fahren, war so oder so eine Katastrophe, ob mit dem Bus oder Auto", bemerkt Michael Hanke, der in Singen eine Anwaltskanzlei betreibt und daher öfters ins Gericht nach Konstanz muss. "Der Nahverkehr ist in unserer Region gut. In Großstädten geht es viel länger, um von A nach B zu kommen", weiß er aus Erfahrung.

Nicht genügend Fahrzeuge für Schienenersatzverkehr

"Schienen-Ersatzverkehre sind für unsere Reisenden immer eine deutliche Komfort-Einschränkung", betont Bahn-Sprecher Roland Kortz. "Die betroffenen verschiedenen Eisenbahn-Verkehrsunternehmen haben schon vor zwei Jahren ein Konzept für den Schienen-Ersatzverkehr erarbeitet. Gerade für den schwierigen Bereich zwischen Radolfzell und Konstanz gab es eine Kompromisslösung, weil die hiesigen Unternehmen, wie die eigene Südbaden Bus Gesellschaft, nicht genügend Fahrzeuge zur Verfügung stellen konnten", so Kortz. Dies alles gelte für die Schnellverbindungen Radolfzell – Konstanz. Für den Ersatz des Seehas-Verkehrs sei die Schweizer Bundesbahn zuständig. "Der Busmarkt ist deutschlandweit leer gefegt", betont Kortz. "Nur in Essen gibt es ein Unternehmen, das den Markt bedienen kann. Das kam mit ihren Bussen und eigenen Fahrern für Ersatz-Verkehre zum Zug, wie auch zwischen Bietingen und Singen", so Kortz.

Keine Ausweich-Routen zwischen Konstanz und Radolfzell

"Obwohl diese Busfahrer die Routen im Vorfeld eingehend getestet haben, waren sie weit weniger ortskundig als das Bus-Personal von hiesigen Firmen", erklärt er. "Gerade zwischen Radolfzell und Konstanz gibt keine Ausweich-Routen. Dazu haben Bau-Arbeiten auf der Bundesstraße 33, wie bei Hegne, für große Behinderungen gesorgt", betont Kortz.

"Derartige umfangreiche Arbeiten mit kompletter Erneuerung von Schienen, Schwellen und Schotter finden höchstens alle 25 Jahre statt. Zweimal jährlich wird das Schienen-Netz überprüft. Dazu setzen wir spezielle Züge ein. Die gibt es auch, um die Schienen neu zu schleifen", verrät Kortz. Solche Arbeiten führe die Bahn nachts durch, um den Zugverkehr nicht zu behindern.

Die Gleisbau-Arbeiten

Die Deutsche Bahn führte seit Frühjahr bis am vergangenen Montag umfangreiche Gleisbau-Arbeiten nacheinander in mehreren Strecken-Abschnitten im Landkreis Konstanz aus. Die Strecken wurden auch gesperrt und die ausgefallenen Zug-Linien durch Busse ersetzt. Die Arbeiten begannen zunächst auf dem Abschnitt Thayngen – Singen und wurden dann bis Radolfzell und Konstanz fortgesetzt. Auch die Seehäsle-Strecke Radolfzell – Stockach und der Abschnitt Singen – Engen – Tuttlingen wurden erneuert. Die Kosten für die gesamten Maßnahmen beziffert die Deutsche Bahn auf etwa 45 Millionen Euro. Betroffen von den Ausfällen waren alle Nahverkehrszüge. Die Fernzüge bedienten bei Strecken-Sperrungen Busse als Ersatzverkehr.