Der Kalender ist gnadenlos. Erst klaut uns die Zeitumstellung eine Stunde Schlaf. Dann folgt direkt darauf ein Montag – und der ist ausgerechnet der erste April. Das bedeutet in meinem Fall, dass ich gestern früh den Handywecker ausschaltete, um kurz danach die Meldung zu lesen, dass AC/DC ein neues Album veröffentlichen. Auf dem sei sowohl der eigentliche Sänger Brian Johnson zu hören als auch Axl Rose – seines Zeichens Vorzeige-Rüpel von Guns N Roses. Zwar hätten alle AC/DC-Mitglieder gegen eine Beteiligung von Rose gestimmt, aber aus vertraglichen Gründen habe man nicht ablehnen können. Hä? Erst fünf Minuten später, im Bad, dämmerte mir, dass ich mit meinen müden Morgenaugen in die Aprilscherz-Falle getappt war.

Tanz in den April

Zum Glück ist unsere Sekretärin wachsamer. Am Freitag erreichte sie eine Mitteilung, in der ein einmaliger Auftritt im Hotel Lamm angekündigt wurde. Singens Oberbürgermeister Bernd Häusler, Tourismus-Chef Jörg Unger und Stadthallen-Geschäftsführer Roland Frank würden gemeinsam als Travestiekünstler die Bühne betreten. Uh la la. Beziehungsweise: April, April.

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Einen Scherz hat sich gestern auch die Telekommunikationsfirma T-Mobile in den USA erlaubt. "Ist es Ihnen auch zu laut, wenn Sie mit Ihrem Smartphone im Freien telefonieren?" T-Mobile hat die Lösung. Sie ist rechteckig, schallsicher und sieht aus wie – ja, genau – eine Telefonzelle. Kein schlechter Versuch. Dass es diese Art Witz in die USA geschafft hat, haben die Amis uns Europäern zu verdanken. Auswanderer aus Deutschland dürften mitverantwortlich dafür gewesen sein, dass das "in den April schicken" in die neue Welt exportiert wurde.

Ein lüsterner König

Die Redensart selbst hielt man in Bayern schon im 17. Jahrhundert schriftlich fest. Und eines der ältesten Aprilscherz-Opfer war Heinrich der Vierte. Der französische König war für seine Vorliebe für junge Mädchen bekannt. Als er von einer 16-Jährigen eine Einladung zu einem Treffen erhielt, folgte die lüsterne Hoheit schnurstracks. Am verabredeten Treffpunkt fand Heinrich aber anstelle des Mädchens seinen versammelten Hofstaat vor. Tada! Die werte Gemahlin soll den Streich eingefädelt haben. Hätte er die Wahl gehabt, hätte der König es bestimmt vorgezogen, sich in Federboa und Strapsen zu den Herren Häusler, Frank und Unger auf die Bühne zu gelesen.

Eine Frage bleibt: Warum nutzen wir ausgerechnet den ersten April dafür, uns gegenseitig auf die Schippe zu nehmen? Passend zum Thema gibt es verschiedene, allesamt ungesicherte Erklärungen. Judas Iskariot könnte mal wieder Schuld gewesen sein – der Verräter Jesu soll am ersten April Geburtstag gehabt haben. Andere sehen den Ursprung im unsteten Aprilwetter. Wie auch immer: Sicher ist, dass wir jetzt ein Jahr Ruhe haben. Keine Dates mit Minderjährigen, keine Stadtmitarbeiter in Strapsen und vor allem: kein Axl Rose. Das klingt doch idyllisch.