Sie kamen aus Singen, Waldshut, Villingen-Schwenningen, aus der näheren und weiteren Umgebung. Alle hatten Eines gemeinsam: Sie parkten scheinbar unbehelligt im deutlich ausgeschilderten absoluten Halteverbot an der Ecke Erzbergerstraße/Bahnhofstraße – und kaum einer hatte ein Knöllchen an der Windschutzscheibe.

Das ging über Wochen so, und jedes Mal, wenn hier ein Stadtbus auf ein anderes größeres Fahrzeug traf, wurde es mehr als eng, da wurde gehupt, vermutlich auch geflucht und auf kleinstem Raum rangiert.

Bauzäune gegen Falschparker

Damit ist nun Schluss: Am Mittwoch stellte die Stadt Bauzäune auf, der letzte Falschparker, der noch da war, wurde abgeschleppt. Hinter den Zäunen lagert Baumaterial für die Bahnhofsbaustelle. Wo bisher Falschparker dem fließenden Verkehr im Weg waren, verengen nun Paletten mit in weiße Folie verpackten Bauteilen die Fahrbahn.

Mittwochmorgen, das Ordnungsamt greift durch: Der letzte Falschparker wird abgeschleppt, hinter Zäunen lagert nun Baumaterial.
Mittwochmorgen, das Ordnungsamt greift durch: Der letzte Falschparker wird abgeschleppt, hinter Zäunen lagert nun Baumaterial. | Bild: Sinikka Kranz

Wie konnte es überhaupt zu einem solchen Parkchaos kommen? Marcus Berger, Leiter des Ordnungsamtes, sagt: „Das ist die pure Bequemlichkeit der Autofahrer, die sehen, da stehen Autos, also stelle ich mich dazu.“ Ein Mitarbeiter habe die Stelle zwar regelmäßig kontrolliert – „wir haben tagelang verwarnt“ – aber ohne Erfolg. In einer Wohnstraße sei das anders: „Das dauert drei bis vier Tage, dann hat sich das herumgesprochen“.

„Nur einen Brief einwerfen“

Nicht jedoch vor der Post, wo jeden Tag andere Fahrer „nur kurz mal einen Brief einwerfen“ wollten, laut Berger die übliche Ausrede. Die Fahrer hätten sich auch nicht davon abschrecken lassen, wenn wenige Meter entfernt der Ordnungsamt-Mitarbeiter bereits seinen Strafzettel-Block zückte. Wenn er am Ende der Falschparker-Reihe angekommen sei, hätte er direkt wieder am Anfang weitermachen können.

236 Verwarnungen in drei Wochen

Seit Anfang Juni hat das Ordnungsamt hier 236 Verwarnungen ausgesprochen, zu jeweils 15 Euro. „Normalerweise verwarnen wir zwei bis dreimal, bevor wir den Abschleppwagen rufen“, erklärt Marcus Berger. Das würde aber selten gemacht, weil in Singen nur ein Abschleppwagen für solche Aktionen zur Verfügung stehe.