Lautstark und herausgeputzt bereichern Guggenmusiken die Fasnacht. Guggen gehören dazu wie die Figuren der Zünfte, die in der Zeit nach der fünften Jahreszeit aber von der Bildfläche verschwunden sind. Für die Guggenmusiken trifft das nicht ganz zu: "Wir machen nach Fasnacht keinen Urlaub", sagt Corinna Stammler als Vorsitzende der Guggenmusik Engemer Schätterä Dätscher. Nach Fasnacht spielt die Truppe beim Erlebnissonntag im Altdorf in Engen, dann geht es weiter mit Auftritten bei verschiedenen Guggentreffen.

Nächstes Ziel: Euro-Carneval in Triest

Im kommenden Jahr haben die Schätterä ein starkes Programm vor sich, 2019 feiern die 28 Musiker ihr 25. Guggenmusik-Jubiläum. Zudem steht vor Fasnacht ein besonderer Termin an: "Wir spielen beim Euro-Carneval in Triest, an dem 35 bis 40 Guggengruppen teilnehmen", erklärt Tambourmajorin Sylvia Rank, dass dort alle vertreten sein werden, die spielen können. Von den 28 Schätterä könnten nur drei Mitglieder Noten lesen, aber das sei kein Problem: "Wir machen Musik, ohne uns mit Noten abzuquälen. Der Spaß an der Musik steht im Vordergrund", sagt Sylvia Rank aus 15 Jahren Erfahrung als Guggenmusikerin.

Zunächst muss der Rhythmus ins Ohr

Samantha Rank und Sabina Maier sorgen mit Schlägen auf Granitblocks für Rhythmus, wenn der mal im Ohr wär, gehe das nach Gehör. Ein bisschen Gefühl brauche es schon, denn es sei immer ein Zusammenspiel mit den Bläsern. Wie bei anderen Orchestern finden in der Regel wöchentlich Proben statt, auch mal mehrere, wenn neue Stücke einstudiert werden. "Auch, wenn neue Musiker dazukommen", freut sich Corinna Stammler über jeden, der mitspielen will. Jedes Jahr wird das Repertoire um ein bis zwei Stücke erweitert, das derzeitige Musikmotto ist Steampunk.

Die Mitglieder investieren viel Geld in Kostüm und Instrument

Für ihr musikalisches Hobby müssen die Mitglieder auch finanziell Einsatz bringen. Jeder kauft sein Instrument selbst, dazu wird alle paar Jahre das Kostüm ausgetauscht. "Das kann locker 600 Euro und mehr kosten, aber die Optik spielt bei Guggen eine große Rolle", weiß Corinna Stammler, die seit der Gründung der Engemer Schätterä Dätscher dabei ist.

Auch die Bittelbrunner Glockästupfer haben viele Auftritte

Für die Guggen der Bittelbrunner Glockästupfer sieht es nicht anders aus: "Ab September beginnt die Saison mit wöchentlichen Proben, der erste Auftritt ist im November beim Guggentreffen in Eigeltingen, eine Woche später spielen wir in Sigmaringen", zählt Vorstand Marc Bezikofer weitere Auftritte bei Guggentreffen auf. Von Januar bis Aschermittwoch sei die Gruppe jedes Wochenende unterwegs. Ihr musikalisches Repertoire ist bunt gemischt: "Wir spielen alles, was Spaß und Stimmung macht", sagt Stephan Eisenhard. Das nicht nur nach Gehör, zwei Drittel der 45 Glockästupfer können Noten. "Wir anderen wissen nicht, was Noten bedeuten, aber wir können spielen", ist das auch für Fabian Meßmer kein Problem.

Alle fünf Jahre ein neues Kostüm

Alle fünf Jahre wird ein neues Kostüm kreiert. Christoph de Monte erklärt: "Man muss etwas machen, was andere nicht haben, aber das kostet richtig Geld." Das Material des aktuellen Kostüms lag schon bei 600 Euro, das Nähen übernahm jeder selbst.