Schon jahrzehntelang kämpfen die Bürger aus dem Singener Stadtteil Beuren darum, dass eine gefährliche Kreuzung entschärft wird. An einer Stelle, wo die Landesstraße in Richtungen Friedingen und Volkertshausen mit der Kreisstraße Beuren/Steißlingen quert, gab es bei Verkehrsunfällen schon mehrere Tote.

Nachdem ein 20-jähriger Motorradfahrer im November 2017 bei einem Unfall ums Leben kam und ein Autofahrer schwerst verletzt wurde, gründete sich eine Initiative, um der Forderungen Nachdruck zu verleihen. Sie sammelte mehr als 2500 Unterschriften von Bürgern aus Beuren und Nachbargemeinden, um den Bau eines Kreisels voranzutreiben. Der scheint aber nun vom Tisch, dennoch atmen die Vertreter der Initiative auf. Sogenannte Lückenampeln sollen für mehr Sicherheit an der Kreuzung sorgen. Außerdem plant die Stadt Singen einen lange geforderten Geh- und Radweg. Die Ampel wird laut Singener Verwaltung aus zwei Lichtsignalen bestehen, die den Verkehr auf der Landesstraße 189 stoppen, sodass die aus Beuren oder Steißlingen kommenden Fahrzeuge die Kreuzung sicher passieren können. Bei einer solchen Lösung schalten die Ampeln an an der Landesstraße automatisch auf Rot, wenn Fahrzeuge aus Richtung Beuren oder Steißlingen die Kontaktschleife an der Kreuzung passieren.

Für Radfahrer und Fußgänger soll es noch einen separaten Weg entlang der Ortsstraße bis zum Fuß- und Radweg geben, der nach Steißlingen führt. Die Ampel soll mit einem Signalknopf ausgerüstet werden, sodass Fußgänger und Radfahrer dann auf Verlangen die Ampel auslösen, um gefahrlos die Kreuzung überqueren zu können. Die Anlage soll möglicherweise im nächsten Jahr installiert werden.

"Nach wie vor hätten wir uns den Bau eines Kreisels gewünscht. Eine Ampel-Lösung ist aber schneller umsetzbar, auch weil sie wesentlich kostengünstiger ist", erklärt Wolfgang Werkmeister, Ortsvorsteher von Beuren. Auch die ungleiche Verteilung der Verkehrsströme sprach gegen den Kreiselbau. Auf der Kreisstraße Richtung Steißlingen/Ortseinfahrt Beuren herrscht weniger Verkehr als auf der Landesstraße Friedingen/Volkertshausen.

  • 85 Prozent fahren zu schnell: Nachdem eine Verkehrsschau mit Vertretern des Landratsamtes Konstanz, der Stadt Singen und der Polizei zur Enttäuschung der Initiative ergeben hatte, dass die Kreuzung kein Unfallschwerpunkt sei, kam es im Mai nochmals vor Ort zu einer Zusammenkunft. Diesmal waren auch Vertreter der Initiative und nicht nur wie beim ersten Termin Ortsvorsteher Werkmeister als Vertreter der Beurener eingeladen. Obwohl es erneut keine neuen Erkenntnisse gab, folgte eine dreitägige intensive Tempo-Messung durch die Stadt Singen. Das Ergebnis: 85 Prozent der Fahrzeuge hatten die an der Kreuzung auf der Landesstraße geltende Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometer überschritten. "Die Messungen haben deutlich gezeigt, dass ein Großteil der Verkehrsteilnehmer zu schnell fährt", betont Gert Urban von der Initiative Kreiselbau. Ein Auto raste sogar mit 155 Stundenkilometer über die Kreuzung, ein Transporter mit 115", berichtet Urban. "Wir sind froh, dass nun endlich eine für uns tragbare Lösung in Sicht ist. So hat sich die ganze Arbeit der Initiative Kreiselbau gelohnt. Es ist auch gut, dass soviele Menschen die Forderung unterstützt haben, damit die Kreuzung sicherer wird", erklärt Heinz Rapp als Sprecher der Initiative Kreiselbau. Erfreulich sei auch, dass endlich ein Rad- und Gehweg gebaut werde. So soll es bald eine Verbindung zwischen Beuren und dem Weg auf der anderen Seite der Kreuzung in Richtung Steißlingen geben. Viele Radfahrer, gerade Kinder und Jugendliche, nutzen den Weg, um an den Steißlinger See oder in die Gemeinschaftsschule des Ortes zu kommen.
  • Auf Lösung verständigt: "Die beste Lösung aus Sicht der Stadt Singen ist nach wie vor der Bau eines Kreisverkehrs. Das Verkehrsministerium hat aber signalisiert, dass diese Lösung derzeit keine Realisierungschancen hat, beziehungsweise – wenn überhaupt – erst in Jahren umgesetzt werden kann, sodass wir uns darauf verständigt haben, dass Ampeln als zweitbeste Lösung zu einer Entschärfung des Kreuzungsbereichs beiträgt", erklärt Singens Oberbürgermeister Bernd Häusler.
  • Planungen für Geh- und Radweg: "Den Geh- und Radweg sehen wir als Stadt Singen für notwendig an. Erste Überlegungen hierzu existieren bereits und sollen im kommenden Jahr planerisch angegangen werden. Gegebenenfalls ist hier auch noch ein Grundstückserwerb erforderlich. Das wird aber die Detailplanung zeigen", so Häusler.
  • Kosten und Beteiligung unklar: Über die Höhe der Kosten kann laut Häusler zum jetzigen Zeitpunkt noch keine genauen Aussagen gemacht werden. Auch zu einer möglichen Beteiligung von anderen Partnern. Neben der Stadt Singen sind auch das Regierungspräsidium Freiburg (Landesstraße 189) und das Landratsamt Konstanz (Kreisstraße 6121) von der Kreuzung betroffen.