Wolfgang Schorlau ist ein herausragender Erzähler. Der Schriftsteller aus Stuttgart setzt sich aber auch mit politischen Themen auseinander. Er stellt Fragen und sucht nach der Wahrheit. Schorlau nimmt sich dafür anderthalb Stunden Zeit, liest Textpassagen aus seinem Buch, informiert über Hintergründe und Entstehungsgeschichte und sorgt für einen hochspannenden und zugleich unterhaltsamen Abend. Trotz aller Spannung gibt es bei der Veranstaltung auch viel zu lachen. Dank seines trockenen Humors hat der Krimiautor gleich zu Beginn den Draht zum Publikum gefunden.

Mit 448 Seiten sei der neunte Band der Krimireihe rund um den Privatermittler Georg Dengler sein dickstes Buch, sagt der Autor vor rund 80 Besuchern in der Stadthalle. Den meisten sind die Krimis offenbar wohlbekannt, wie die Reaktionen im Saal zeigen. In seinen Büchern befasst er sich mit ungeklärten Ereignissen der neueren Geschichte und verknüpft die Realität mit einer fiktiven Handlung.

In seinem neuen Werk beschäftigt sich Schorlau mit der Griechenlandkrise und geht der Frage nach, ob die aus Steuergeldern stammende, finanzielle Hilfe von 210 Milliarden Euro auch tatsächlich bei den Griechen ankam. Wenn der Autor von intensiven Recherchen in Griechenland und teils erschütternden Erkenntnissen berichtet, wird es plötzlich ganz still im Saal. Dann ist die Aufmerksamkeit im Publikum fast greifbar. So manches, was der Autor demnach herausgefunden hat, klingt unfassbar: "Uns Bürgern wurde weisgemacht, dass das Geld für Griechenland ist. Dabei ging es in Wahrheit um Bankenrettung", betont er.

Nein, die Entscheidung, mit Ende 40 den sicheren Job in der Computerbranche aufzugeben, um sich seinen Traum vom Schreiben zu erfüllen, habe er nie bereut, erklärt Wolfgang Schorlau gegenüber dem SÜDKURIER. Man glaubt es ihm auf Anhieb: Seine große Leidenschaft für den Schriftstellerberuf ist im Gespräch wie auch im Verlauf der Veranstaltung deutlich spürbar.