Nach dem „Barbier von Sevilla“ und dem „Zigeunerbaron“ in den vergangenen Jahren präsentierte das Theater Pforzheim nun zusammen mit 30 Musikern der Badischen Philharmonie, dem Chor und dem Extrachor des Theaters in der Singener Stadthalle Bedich Smetanas tschechische Nationaloper „Die verkaufte Braut“ in einer Inszenierung von Gregor Horres. Der Regisseur verlegte dabei das Stück, das in einem böhmischen Dorf spielt, vom 19. ins 21. Jahrhundert.

Hans „verkauft“ seine Braut Marie

Die Bauerstochter Marie verliebt sich in den armen Hans, der neu im Dorf angekommen ist. Jedoch soll sie mit Wenzel, dem stotternden Sohn des reichen Bauern Micha, verheiratet werden, um die Schulden ihrer Eltern zu begleichen. Marie trifft incognito auf Wenzel und nutzt die Chance, ihm Schauergeschichten über seine Zukünftige zu erzählen, so dass er diese nicht mehr heiraten will.

Happy-End auf Umwegen: Zum Schluss kann Hans (Dirk Konnerth) doch seine „verkaufte“ Braut Marie (Stamatia Gerothanasi) in seinen Armen halten.
Happy-End auf Umwegen: Zum Schluss kann Hans (Dirk Konnerth) doch seine „verkaufte“ Braut Marie (Stamatia Gerothanasi) in seinen Armen halten.

Gleichzeitig „verkauft“ Hans seine Braut Marie, indem er mit dem Heiratsvermittler Kecal vereinbart, auf Marie zu verzichten, wenn diese dafür einen Sohn des Bauern Micha heiratet. Marie und das gesamte Dorf sind entsetzt über diesen Handel. Ein Happy-End ist für Hans und Marie schließlich doch möglich, als sich herausstellt, dass Hans der Sohn des Bauern Micha aus erster Ehe ist.

Stamatia Gerothanasi überzeugt als Marie

Smetanas Oper stellt durch die Kombination von folkloristischen Melodien mit lyrischen Arien und lebendigen Chorpassagen eine Herausforderung dar, die die Badische Philharmonie unter der Leitung von Florian Erdl sowie die Solisten und der Chor überzeugend meisterten.

Der größte Applaus des Abends galt zu Recht Stamatia Gerothanasi für ihre Darstellung der Hauptfigur Marie. Sie überzeugte sowohl gesanglich als durch ihr Schauspiel. Von himmelhoch jauchzend als glücklich Verliebte bis zu Tode betrübt, als sie erfährt, dass ihr Geliebter sie verkauft hat, lässt sie das Publikum an Maries intensivem Gefühlsleben teilhaben.

Ensemble war schlecht zu verstehen

Souverän absolvierte Dirk Konnerth seine Rolle als Hans. Mit Lukas Schmid-Wedekind war der perfekte Heiratsvermittler gefunden. Benjamin Werth gelang es mit seiner Darstellung des stotternden Außenseiters Wenzel, der Rolle sympathisch-melancholische Züge zu verleihen.

Leider war das Ensemble in der Stadthalle teils schlecht zu verstehen, was zum einen an der Präsentation als auch an der Akustik der Spielstätte gelegen haben durfte. Für manchen Zuschauer wurde die Szenerie zum sprichwörtlichen Böhmischen Dorf, da sich der Handlungsverlauf aus dem Schauspiel allein nicht erschloss. So kam in der Pause aus den Reihen des Publikums der Wunsch auf, dass auch bei einer deutschsprachigen Oper wie dieser die Texte eingeblendet werden.

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Glücklich schätzen konnten sich alle, die bereits mit Smetanas Stück vertraut waren oder die sich vor der Vorstellung von Inken Meents, Dramaturgin am Theater Pforzheim, in das Stück einführen ließen. Frieda Kewitsch besuchte „Die Verkaufte Braut“ zusammen mit der Klasse 10a des Hegau-Gymnasiums. Ihr gefiel die Aufführung gut. „Oper mag ich eigentlich immer“, sagte sie. Brigitte Reck aus Singen überzeugte die Vielseitigkeit von Stamatia Geronthanasi in der Rolle der Marie.