"Für uns ist es eine große Ehre und eine tolle Sache, um die Jubiläumsspielzeit zu beginnen", freut sich Färbe-Dramaturgin Cornelia Hentschel, als sie von dem neuen Projekt erzählt, das am 22. September Premiere in der Basilika feiert. "111 – Übern Berg" heißt das Stück, das Theater und Musik auf eine ganz neue Art miteinander verbinden soll. Im Rahmen des städtischen Kulturschwerpunkts "Singen im Takt" hat sich der aus Singen stammende Dirigent, Pianist und Komponist Fabian Dobler mit Opus 111, der letzten Klaviersonate Beethovens, beschäftigt und diese neu für Klavier und Akkordeon arrangiert. Der renommierte Journalist und Buchautor Detlef Vetten lieferte den Theatertext dazu.

Ebenso ungewöhnlich wie das Stück selbst ist auch die Geschichte, die Detlef Vetten und Fabian Dobler auf die Idee brachte. Die Beiden lernten sich kennen, als Vetten – damals Chefredakteur des Opernmagazins Orpheus – in Berlin ein Interview mit Dobler führen wollte. „Er kam mit einem Flixbus“, erinnert sich der Autor und lächelt. Im Gegensatz zu anderen Vertretern seiner Zunft sei Dobler nicht im maßgeschneiderten Anzug aus einer teuren Edelkarosse gestiegen.

"Das fand ich sympathisch", erklärt Vetten und Dobler bestätigt: "Wir hatten sofort einen Draht zueinander." Eins führte zum anderen und irgendwann beschlossen die Beiden, gemeinsam ein Theaterstück zu schreiben. "Text und Musik sollten auf ganz neue Weise eng ineinandergreifen", schildert Fabian Dobler. Eine inhaltliche Brücke von den Gedanken der Aufklärung in die Gegenwart zu schlagen. lautete der Plan. Musikalisch sollte es etwas mit Klassik zu tun haben.

Sie freuen sich schon auf die Premiere von "111 – Übern Berg": (von links) Fabian Dobler, Detlef Vetten, Peter Simon, Milena Weber, Alexander Klages, Cornelia Hentschel und Elmar F. Kühling.
Sie freuen sich schon auf die Premiere von "111 – Übern Berg": (von links) Fabian Dobler, Detlef Vetten, Peter Simon, Milena Weber, Alexander Klages, Cornelia Hentschel und Elmar F. Kühling. | Bild: Svenja Graf

Wie eine Nachtwanderung über den Brenner die zündende Idee brachte

"Bei dem Wort Klassik dachte ich sofort an Goethes Italienreise und den Brenner", sagt Detlef Vetten, "denn der Brenner erzählt Geschichten." Eines Nachts starteten die Beiden schließlich eine Nachtwanderung über den berühmten Grenzpass. "Als wir morgens um 6 Uhr in Franzensfeste ankamen, war mir klar: Wir machen ein Stück, das heißt 'Übern Berg'", erinnert sich Detlef Vetten. Gesagt, getan. Vetten schrieb eine Erzählung, in der er – mal ernst, mal komisch, mal schräg, mal weise – die Erlebnisse des nächtlichen Extrem-Trekkings mit alten Geschichten aus der Brenner-Region verknüpfte.

Im Anschluss analysierte Fabian Dobler Beethovens Opus 111 den Gedanken des Theaterstücks folgend, nahm es auseinander und setzte es eng mit dem Text verknüpft neu zusammen. "Oft wird Musik im Theater nur als emotionale Soße gebraucht", scherzt Dobler und erklärt: "Hier ist das anders. Der Text wird zur Deutung von Beethovens Musik."

Die Regie übernimmt Färbe-Prinzipal Peter Simon – das hatte sich Fabian Dobler gewünscht. "Ich war von dem Text sofort begeistert und fand ihn wirklich spannend", betont Simon und Dramaturgin Cornelia Hentschel fügt hinzu: "Es ist eine sehr realitätsnahe Geschichte, die das ganze Leben aufs Parkett bringt." Ein Projekt, das auch Milena Weber, Elmar F. Kühling und Alexander Klages fordert. Sie spielen die drei Hauptrollen in "111 – Übern Berg". Für die Musik sorgen Fabian Dobler am Klavier und Antje Steen am Akkordeon.

Die Premiere findet am 22. September um 20 Uhr, alle weiteren Vorstellungen bis einschließlich 20. Oktober jeweils von mittwochs bis samstags um 20.30 Uhr statt. Kartenreservierung unter (0 77 31) 64 64 6 oder diefaerbe@t-online.de. Am 18. Oktober entfällt die Vorstellung – dann feiert die Färbe ihr 40-jähriges Bestehen.