Nicht zu glauben ist, was bei der Verabschiedung von Stephanie Clauß als Chefin der Singener Polizei zutage kam – aber es ist wirklich wahr: Weil die besonderen Anforderungen an die Revierleiter in Baden-Württemberg künftig ihren Niederschlag in der Bezahlung finden, musste die Frau den Platz räumen. Dabei hat sie alles richtig gemacht und weder Vorgesetzte noch Kollegen oder Personalrat können sich eine bessere Führungsperson vorstellen. Der Fehler der Stephanie Clauß: Sie befindet sich in einer vergleichsweise niedrigen Gehaltsklasse, aber statt sie mit der neuen Entlohnungsstruktur einfach hochzustufen, wurde ein ans Absurde grenzender anderer Weg gewählt. Nach den Gesetzmäßigkeiten der aberwitzigen Verwaltungsbürokratie suchte man intern nach einer Stelle, die zu ihrer bestehenden Gehaltsklasse passt. Nun sitzt sie in Konstanz und muss dort voraussichtlich ein paar Jahre zuwarten, bis sie schließlich durch Alter beziehungsweise Berufszugehörigkeit in die Lage versetzt wird, sich auf eine Revierleitung zu bewerben.

Ironisch

So etwas macht bitter. Oder witzig. Die Singener Kollegen von Stephanie Clauß wählten irgendwas dazwischen: Sie gaben dem Verbindungsgang der beiden Polizeigebäude den Namen ihrer jetzt nach Konstanz versetzten Chefin. Die Bezeichnung als Stephanie-Clauß-Steg hat dabei etwas Ironisches, ja fast schon Subversives. Auf jeden Fall aber ist es eine Sympathiebekundung, an die keine Gehaltsreform je herankommen wird. Und wer weiß, vielleicht kommt Stephanie Clauß ja in ein paar Jahren über just diesen Steg zurück nach Singen.

Gewitzt

Ihr Nachfolger hätte wohl nichts dagegen, denn erstens kam sein Respekt vor der Leistung von Stephanie Clauß in seiner Antrittsrede glaubhaft rüber, zweitens ist auch er Teil des derzeitigen allgemeinen Personalkarussells bei der Polizei, drittens geht er auf die 60 zu (was ja dann doch schon einigermaßen in Sichtweite der Pension ist) und viertens hat er Witz. Mitentscheidend für Thomas Krebs (so heißt der neue Revierleiter) für den Wechsel als Revierleiter von Albstadt nach Singen war neben der hiesigen Lebensqualität auch das Einverständnis seiner Frau. Und die schätzt nach seiner Darstellung die tollen Einkaufsmöglichkeiten unterm Vulkan, was ihm seinerseits die Möglichkeit biete, seiner besseren Hälfte endlich mal das zweite Paar Schuhe zu kaufen, das sie dringend benötige. Ein guter Schwabenwitz – und Frau Krebs kann sicher sein, dass ihre Fußbekleidung fortan im badischen Singen unter besonderer Beobachtung steht.

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