Die drei Löwen in der Bahnhofstraße 29 fallen kaum ins Auge. Ihr Profil auf dem Schild der Bewährungs- und Gerichtshilfe zeugt davon, dass hinter diesem schlichten Gemäuer eine Landeseinrichtung sitzt. Wer hier ein und aus geht, ist in irgendeiner Weise mit dem Gesetz in Konflikt geraten und soll jetzt von der schiefen Bahn wieder auf den rechten Weg gebracht werden. Sechs hauptamtliche Sozialarbeiter kümmern sich in der Singener Hilfseinrichtung um ihre Klienten. Dazu kommen fünf ehrenamtliche Betreuer, die insgesamt 13 rechtskräftig verurteilten Straftätern bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft helfen.

Die Singener Bewährungs- und Gerichtshilfe ist – wie ihre Konstanzer Schwester – eine Außenstelle der Einrichtung in Ravensburg. Wie hier gearbeitet wird, was die fünf Frauen und ihr männlicher Kollege bewegen können, wollten der Strafvollzugsbeauftragte und rechtspolitische Sprecher der der Grünen im Landtag, Jürgen Filius, und seine Kollegin im Landtag, Dorothea Wehinger, bei einem Vor-Ort-Besuch erfahren. Zuvor hatte sie sich das Singener Seniorengefängnis zeigen lassen. – Dies jedoch ohne Begleitung durch die Presse, die vor knapp eineinhalb Jahren kritische Fragen zu angeblichen Missständen im Umgang mit den Langzeitgefangenen gestellt hatte. Nach dem Tod eines Gefangenen hatten Mitgefangene der Anstaltsleitung unterlassen Hilfeleistung vorgeworfen. Aussage stand gegen Aussage. Der SÜDKURIER hatte sich damals direkt an Jürgen Filius gewandt, der sich die Anstalt genauer anschauen und der Kritik nachgehen wollte. Dies geschah nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Umso mehr durften die Bewährungshelfer erzählen. "357 Bewährungsfälle haben die sechs Kollegen in Singen zu betreuen", erklärt der stellvertretende Amtsleiter Klaus Schwarz aus Ravensburg. In Konstanz seien es 334 und in Ravensburg 921 Fälle. "170 weitere Fälle werden von unseren ehrenamtlichen Bewährungshelfern betreut", ergänzt die Abteilungsleiterin Sandra Greschat. Um für diese Aufgabe gewappnet zu sein, werden die Ehrenamtlichen an sechs Abenden geschult. "Ehemalige schwere Gewaltverbrecher werden aber von den hauptamtlichen Kräften betreut", erklärt Susanne Egger, die seit 21 Jahren als Bewährungshelferin arbeitet. Sie überwacht die Einhaltung der vom Gericht erteilten Bewährungsauflagen und unterstützt ihre Klienten bei der Rückkehr in die Gesellschaft. "Unsere Aufgabe ist es, die Öffentlichkeit vor neuen Straftaten zu schützen", ergänzt Sandra Greschat.

Ein großes Anliegen ist den Beschäftigten der Singener Einrichtung der Täter-Opfer-Ausgleich. "Das ist ein wichtiges Instrument, um den sozialen Frieden wieder herzustellen und die überlasteten Gerichte zu entlasten", ist Sandra Greschat überzeugt. "Das müssen wir den Staatsanwälten und den Rechtsanwälten noch viel stärker bewusst machen", sagt sie. Diesen Appell nehmen die Abgeordneten in den Stuttgarter Landtag mit. Sie versprachen, den Täter-Opfer-Ausgleich wie die Suche nach ehrenamtlichen Bewährungshelfern zu unterstützen.

Bewährungshilfe: Wann?

Nicht jedes Gerichtsurteil, das einem erwachsenen Verurteilten eine Bewährungsstrafe auferlegt, hat eine Begleitung durch ehrenamtliche oder professionelle Bewährungshelfer zur Folge. Es liegt im Ermessen des Richters, dem Verurteilten bei einer Wiederholung der Straftat einen Helfer zur Seite zu stellen. Jugendliche werden bei Bewährungsstrafen immer von Bewährungshelfern betreut. "Ziel unserer Arbeit ist die Resozialisierung", erklärt Susanne Egger ihren Auftrag.(gtr)