Dies erklärte er am Mittwoch auf SÜDKURIER-Nachfrage und verweist auf seine Homepage www.wgmeister.de.

Dafür antworteten zahlreiche Politiker auf die Frage unserer Redaktion, wie es aus ihrer Sicht mit dem stark in der Kritik stehenden Abgeordneten weitergehen soll. Immerhin ist – und vermutlich bleibt – Gedeon offizieller Repräsentant des Wahlkreises Singen-Stockach, für den er mit seinen 15,7 Prozent der Stimmen über ein Zweitmandat in den Landtag eingezogen ist.

  • Frank Hämmerle, Landrat: „Es ist richtig, dass die Fraktion den Fall diskutiert und auch entscheidet. Wenn Herr Gedeon als fraktionsloser Abgeordneter im Landtag bleibt, erwarte ich von ihm, dass er sich für die Belange der Bürger im Landkreis Konstanz einsetzt.“
  • Dorothea Wehinger (grüne Landtagsabgeordnete): "Ich habe mir die Bücher von Herrn Gedeon nicht gekauft. Die detaillierten Veröffentlichungen über deren antisemitischen Inhalte haben mich nicht überrascht. Bei Wahlkampfpodien hat er das gleiche Argumentationsmuster auf das Thema Flüchtlinge angewendet: Es gebe eine Verschwörung gegen das deutsche Volk, es solle ausgetauscht werden durch Zuwanderung.
    Wie zu lesen ist, geht er in seinen Büchern noch einen Schritt weiter und sieht in der Migrationspolitik eine zionistische Elite am Werk. Das folgt alles einer Linie, die sich außerhalb unserer Verfassungsordnung bewegt. In ähnlich infamer Weise lässt er sich auch gegen weitere Minderheiten aus. Ihm geht es nicht um demokratischen Wettbewerb, sondern um eine Überwindung unserer parlamentarischen Demokratie und den Werten, auf denen sie steht. Ich habe ihn bisher lediglich auf zwei Podien im Wahlkampf und einer weiteren Veranstaltung getroffen. Persönliche Begegnungen hatte ich mit ihm nicht. Das soll auch so bleiben. Der Fall ist der Lackmus-Test für die AfD. Kann sie sich von offen antisemitischen, demokratiefeindlichen Strömungen glaubhaft distanzieren? Da darf es keine Kompromisse, keine Relativierung, keine Ablenkungsmanöver geben. Alles andere als ein Fraktions-, Parteiausschluss und eine Niederlegung des Mandats wäre ein Armutszeugnis und ein fatales Signal gegenüber den zu recht schockierten israelitischen Religionsgemeinschaften Baden und Württemberg."
  • Bernd Häusler, Oberbürgermeister von Singen: "Von seinen antisemitischen Äußerungen habe ich jetzt erst aus den Medien erfahren. Wolfgang Gedeon ist demokratisch gewählt, hat sich in meinen Augen durch seine Aussagen aber selber disqualifiziert und sollte sich nun Gedanken machen, ob er in einem demokratisch gewählten Parlament am richtigen Ort ist. Es ist bedauerlich, dass die ewig Gestrigen nach wie vor den Holocaust und die grauenhaften Taten der Nazis verharmlosen.
    Ich kenne Herrn Gedeon nicht persönlich. Ich warte ab, was die Fraktion, der er angehört, nun unternimmt. Jedenfalls muss Wolfgang Gedeon selber entscheiden, ob er sein Mandat zurückgibt. Als gewählter Repräsentant schadet er nicht nur dem Wahlkreis Singen-Stockach, sondern auch dem Land."
  • Wolfgang Reuther (CDU, Ex-Landtagsmitglied): "Ich bin verwundert über die jetzige Reaktion, die Haltung und Einstellung des Herrn Gedeon waren schon zu Zeiten des Wahlkampfs bekannt, genau so wie seine literarischen Werke". Die "abstrusen wie absurden Thesen" Gedeons seien auch im Wahlkampf thematisiert worden. "Aber es hat damals keinen interessiert und in den Podiumsdiskussionen waren sie kein Thema", stellt Reuther im Nachgang fest. Das Vorgehen der AfD-Führung stuft er als unglaubwürdig ein: "Mich wundert auch die Reaktion aus den Reihen des AfD-Vorstands, sie wussten genau, welche Thesen Wolfgang Gedeon vertritt."
  • Rainer Stolz, Bürgermeister von Stockach: Er hat mit dem neuen AfD-Landtagsabgeordneten schon Erfahrungen der besonderen Art gemacht. Bis Anfang der Woche habe Stolz dienstlich nie etwas von Gedeon gehört. Dann habe der Landtagsabgeordnete verlauten lassen, er möchte Stockach kennenlernen. Doch Gedeon wollte nicht nach Stockach kommen, Bürgermeister Stolz sollte nach Singen in dessen Büro kommen, "damit er Stockach kennenlernen kann", beschreibt Stolz die Vorgehensweise des AfD-Landtagsabgeordneten. Doch Stolz will nicht zum Rapport nach Singen gehen: "Das ist nicht mein Verständnis von Kennenlernen." Er habe Gedeon mitgeteilt, er könne gern in Stockach vorbeikommen, dann würde er ihm die Stadt zeigen. Ungeachtet der jetzt aufgeflammten Diskussion um Gedeon, werde die Stadt weiterhin beide Landtagsabgeordneten – Dorothea Wehinger (Grüne) und Wolfgang Gedeon (AfD) – zu offiziellen Terminen wie Bürgerversammlungen, Ehrungen, Empfänge einladen. "Das gehört sich so." Doch Gedeon hätte bisher nie Interesse gezeigt. Stolz nennt als Beispiel die Stockacher Tischmesse im April: "Frau Wehinger war da, Herr Gedeon nicht."
  • Ralf Baumert (SPD), Bürgermeister in Gedeons Wohnort Rielasingen-Worblingen: "Das ist zunächst eine Diskussion, die in der AfD-Fraktion geführt werden muss", so Baumert. Als schwierig erachtet er aber durchaus die Frage nach dem Umgang mit dem Abgeordneten, sollte er aus der Fraktion ausgeschlossen werden. Dann werde wohl im Kreis der Bürgermeister im Hegau ein gemeinsames Vorgehen besprochen werden müssen.
  • Friedhelm Möhrle (Ex-OB Singen und bisher Gedeon-Unterstützer): "Ich bin ein Freund Israels und habe nahe jüdische Verwandte. Seit Jahren bin ich im Förderverein Jüdisches Museum in Berlin. Ausserdem bin ich ein begeisterter Anhänger von Frau Baschkirova und ihrem Gatten Barenboim. Wie viele Juden fühle ich allerdings keine Sympathie für die radikalen Siedler und ihren Beschützer Netanjahu. In der Angelegenheit Gedeon enthalte ich mich jeder öffentlichen Stellungnahme. Die zuständigen Parteigremien werden sorgfältig prüfen und dann entscheiden. Wir sind keine Faschisten. Die etablierten Parteien versuchen natürlich, ihre Sitze mit allen Mitteln zu verteidigen. Dazu eignet sich vorzüglich die Nazikeule. Mich trifft sie nicht."
  • Marian Schreier, Bürgermeister von Tengen: „Wolfgang Gedeon äußert sich in seinen Schriften offen antisemitisch. Wir dürfen nicht zulassen, dass antisemitisches Gedankengut schleichend wieder salonfähig wird. Deshalb müssen wir diesen Einstellungen entschieden entgegentreten – im persönlichen wie politischen Umfeld. Ich werde Herrn Gedeon deshalb auch nicht zu städtischen Veranstaltungen einladen. Mich wundert, dass der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen jetzt so tut, als ob dies neue Erkenntnisse seien. Die Bücher und Einlassungen von Herrn Gedeon sind öffentlich und auch in der AfD schon länger bekannt. Der Fall Gedeon zeigt, wie nachlässig die AfD mit verfassungsfeindlichen Positionen umgeht.“
  • Michael Klinger, Bürgermeister von Gottmadingen: "Ich hoffe nur, dass nun alle AfD-Wähler bemerken, für welch' Geistes Kind sie votiert haben. Bleibt nur zu hoffen, dass bei der nächsten Landtagswahl jemand zum Zug kommt, der auch unsere Region nachhaltig und demokratisch vertreten kann."
  • Hans-Peter Storz (SPD, Ex-Landtagsmitglied): "Wolfgang Gedeons Weltverschwörungstheorie war mir bekannt, nicht aber sein Antisemitismus. Jemand, der den Holocaust verharmlost, hat in einem Parlament bei uns nichts verloren. Seine Unterstützer hätten mehr auf die Geschichte Gedeons schauen sollen. Für mich ist das Parteiausschlussverfahren das Eine; Gedeon sollte aber von sich aus sein Mandat niederlegen, weil er isoliert und als Einzelner im Parlament für unsere Region überhaupt nichts erreichen kann. Als Parteien drumherum haben wir alle verschlafen, den AfD-Kandidaten genauer unter die Lupe zu nehmen. Es schmerzt mich, dass er in einer Stadt wie Singen fast ein Viertel der Stimmen bekommen hat."
  • Kirsten Brößke (FDP-Landtagskandidatin): Es ist davon auszugehen, daß dem Orts- bzw. Kreisverband der AfD das von Wolfgang Gedeon verfasste Buch und die darin gemachten Aussagen bekannt sind und waren. Dennoch wurde er als Kandidat für den Wahlkreis bei den Landtagswahlen im März nominiert. Damit haben Orts- und Kreisverband seine Haltung zumindest gebilligt, wenn nicht sogar geteilt. Umso erstaunlicher, dass aus der AfD heraus nun sein Ausschluss aus der Landtagsfraktion und der Partei gefordert wird. Da dies nur auf öffentlichen Druck geschieht, sieht das sehr nach Heuchelei aus. Ich bin davon überzeugt, dass die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger dieses Wahlkreises die antisemitische Haltung von Wolfgang Gedeon ablehnt, an der er ja festhält. Damit ist er als gewählter Vertreter im Landtag des Landes Baden-Württemberg nicht tragbar."
  • Franz Hirschle (CDU): "Der Fall Gedeon ist eine Schande für unseren Rechtsstaat und für unseren Wahlkreis, er beschädigt eindeutig unser positives Image hier am Bodensee. Sein Buch habe ich nicht gelesen, zwischen den Zeilen kam jedoch der Verdacht auf antisemitische Äußerungen durch. Wir stehen zu unserer Geschichte ohne Wenn und Aber und werden dies immer wieder vortragen. Ich kenne Herrn Gedeon nicht persönlich, werde aber evtuell versuchen, mit ihm in nächster Zeit in Kontakt zu treten. Man muss mit diesen Leuten reden, um deren Motive zu kennen. Öffentliche Auftritte sind meines Erachtens derzeit nicht gewünscht, bevor die Sache in Stuttgart entschieden ist. Der Vorfall schadet unserem Wahlkreis enorm, zumal wir in Stuttgart von den großen, etablierten Parteien niemand mehr im Landtag haben, der hier Position beziehen könnte. Hier leben größtenteils friedliebende Menschen mit hohem sozialem Engagement. Dies erleben wir hier jeden Tag bei der Bewältigung der Flüchtlingsproblematik. Herr Gedeon sollte sein Mandat zurückgeben, solche Funktionäre sind nicht tragbar in einem friedliebenden Deutschland.
  • Peter Hänssler (FDP): "Ich habe das Buch von Wolfgang Gedeon nicht gelesen und deshalb auch nichts von seiner antisemitischen Haltung gewusst. Dass er einen Schlag nach rechts hat, war allerdings bekannt. Persönlich hatte ich bisher keine Beziehung zur AfD, und ich suche auch nicht danach. Es wäre wünschenswert, wenn Herr Gedeon sein Mandat zurückgeben würde. Ich hoffe sehr, dass er unseren Wahlkreis nicht repräsentieren wird. Ich glaube aber auch nicht, dass er unserem Wahlkreis schaden wird."
  • Eberhard Röhm (Bündnis 90/Die Grünen): "Die Vorwürfe, die jetzt laut werden, sind nicht neu. Die gab's auch schon vor der Wahl. Wenn Gedeon den Wählern einen Gefallen tun will, dann gibt er sein Mandat zurück. Mit seiner Haltung fügt Gedeon dem Wahlkreis aus meiner Sicht auf jeden Fall großen Schaden zu, weil dadurch ein negatives Schlaglicht auf Singen fällt."
  • Hubertus Both (Freie Wähler): "Mich erfüllt eine Mischung aus Zorn und Traurigkeit. Ein Mensch, der versucht, den Holocaust zu relativieren, ist nicht akzeptabel. Ich habe Gedeons Buch und die daraus erwachsenden Vorwürfe vor der Wahl nicht gekannt, aber für seine Gesinnungsgenossen der AfD dürfte Gedeons Haltung keine Überraschung gewesen sein. Ich glaube, dass Gedeon unserem Wahlkreis schadet, weil die breite Öffentlichkeit vom Gewählten auf die Wähler schließt. Ich glaube aber nicht, dass die Gesinnung im Wahlkreis so ist. Es wäre die logische Konsequenz, wenn Herr Gedeon sein Mandat zurückgeben würde, denn er hat eine Grenze überschritten."
  • Regina Brütsch (SPD): "Ich finde den Fall Gedeon bestürzend. Das Buch habe ich nicht gekannt. Aber wer im Wahlkampf zugehört hat, der konnte seine Fremdenfeindlichkeit und Überheblichkeit gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen deutlich heraushören. Als Repräsentanten für unseren Wahlkreis kann ich ihn nicht akzeptieren. In dem Bereich, in dem ich Einfluss habe, werde ich Herrn Gedeon nicht als Abgeordneten für den Wahlkreis Singen-Stockach begrüßen. Für unsere Region ist Wolfgang Gedeon ein Totalausfall, weil uns ein Abgeordneter schadet, den man für unsere Belange nicht ansprechen kann. Außerdem beschädigt er bundesweit unseren Ruf."
  • Jürgen Geiger (Linke): "Ich habe im Wahlkampf bei Veranstaltungen Gedeon konsequent den Handschlag verweigert und das damit begründet, dass ich Rassisten nicht die Hand reiche. Die jetzt bekanntgewordenen widerlichen antisemitischen Verlautbarungen kannte ich damals nicht, dafür andere, nicht minder rassistische Äußerungen. Für mich war und ist klar: Gegen solche Hetzer muss klare Kante gezeigt werden, mit ihnen kann es keinen Dialog geben. Die jetzt von Politikern von der CDU bis zu den Grünen an den Tag gelegte Empörung finde ich deshalb – vorsichtig formuliert – überraschend, denn die menschenfeindlichen Positionen des Herrn Gedeon waren und sind ja kein Geheimnis. Für mich greifen die jetzt überall lautwerdenden Rücktritts- und Ausschlussforderungen auch zu kurz. Das Hauptproblem liegt weniger in solch abstoßenden Figuren (von denen es in dieser Partei wahrlich genug gibt), sondern im Gesellschaftsbild, für das die AfD mobilisiert: Es greift durch die neoliberale Politik des Sozialabbaus entstandene Unsicherheiten auf und will die Zukunftsängste vieler in völkisch-nationalistische Bahnen lenken: Die deutsche Volksgemeinschaft als Rezept gegen die gesellschaftlichen Verwerfungen der kapitalistischen Produktionsweise. Motto: Wenn wir gegen die da draußen zusammenhalten, schaffen wir das schon. Dieses Denkmuster wird nicht mit der Person Gedeon verschwinden – mit ihm gilt es sich auseinanderzusetzen. Denn das beschworene deutsche Wir gibt es natürlich nicht, die Widersprüche verlaufen nicht zwischen Drinnen und Draussen, sondern zwischen Oben und Unten. Nicht die Flüchtlinge sind für Niedriglöhne und Elendsrenten verantwortlich, sondern eine Politik, die systematisch zugunsten der Reichen umverteilt. Die AfD-interne Kritik an Gedeon scheint mir übrigens rein taktisch motiviert: Noch überwiegen dort offenbar Kräfte, die den Marsch in die offen nationalistische und autoritäre Gesellschaft häppchenweise schmackhaft machen wollen."
  • Walter Benkler (Zweitkandidat der FDP, Hohenfels): "Antisemitismus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz, Personen mit antisemitischen Gedanken und Äußerungen haben in deutschen Parlamenten nichts zu suchen." Der Fall Gedeon zeige, mit welcher Bandbreite man es innerhalb der AfD zu tun habe. Ob die AfD wirklich frei von Antisemitismus sei, diese Nagelprobe stehe noch aus: "Jetzt wird sich zeigen, in welche Richtung die AfD mehrheitlich tendiert." Nach Benklers Beobachtungen sei über die zweifelhaften Ansichten Wolfgang Gedeons schon in Wahlkampfzeiten ausreichend in der Presse berichtet worden. "Meine Lektüre sind sie aber nicht." Auch die SÜDKURIER-Podiumsdiskussion in Steißlingen habe die Einstellung des jetzigen AfD-Landtagsabgeordneten ausreichend verdeutlicht.

 

Abgeordnetenbüro von Gedeon in Singen noch dicht

Bislang blieb es um den AfD-Abgeordneten im Wahlkreis auffallend ruhig. Gedeon gab im Gespräch vor kurzem an, in Singen ein Abgeordnetenbüro einrichten und dann seine Basisarbeit im Hegau beginnen zu wollen. Dieses Büro in Singens Hadwigstraße hat die Rolläden aber noch unten, nichts weist auf das Gedeon-Büro hin. Während die im Hegau-Wahlkreis direkt gewählte grüne Abgeordnete Dorothea Wehinger Vor-Ort-Termine absolviert, hörten Bürger, Wähler und Presse so gut wie nichts von Gedeon. Die Fraktion müsse sich erst finden, er und andere neue Landespolitiker hätten ja wenig Erfahrung im politischen Alltag, räumte er jüngst gegenüber dem SÜDKURIER unumwunden ein.