Einer weiß es schon vor dem Konzert: "Das wird eine richtig tolle, in sich stimmige Show", prophezeit Christian Rösner, der schon in verschiedenen Hegauer Bands agierte, auch federführend. Er gibt aber nicht in einer neuen Rolle den Wahrsager, sondern hat Anastacia und ihre Band bereits am Vorabend auf dem Tuttlinger Honberg live erlebt. Dort gerieten etwa 1300 Besucher aus dem Häuschen. Und die Nähe des Auftritts gilt auch als Grund dafür, dass die Karlsbastion bei der Hohentwielfestival-Premiere der amerikanischen Pop-Diva mit etwa 3000 Besuchern nicht ausverkauft war.

Die blonde Rockröhre mit ihrer prägnanten, kräftigen Stimme im Stil einer farbigen Soul-Sängerin, geht derzeit fast an jedem Abend mit ihrer neuen Tournee auf die Bühne und schmettert ihre großen Hits und andere Lieder als Energiebündel mal rasant und dazwischen auch mit sanfteren Tönen ins Publikum. Wippende Hände, rhythmisches Klatschen und allein tanzende Personen – ein Bild, das auf dem Singener Hausberg schon Gewohnheit hat. Animation dazu gibt es auf der Bühne genug. Dort ziehen Anastacia, die Hintergrund-Sängerinnen, die sie auch gerne mal in den Mittelpunkt schiebt, genauso wie die Band viele musikalische und tänzerische Register, die in eine eindrucksvolle Show münden.

"Diese Stimme – einfach sensationell", gerät der 32-jährige Gottmadinger Adrian Fahr ins Schwärmen. Aber auch das Drumherum hat es ihm angetan. Er hat sich zum ersten Mal den Weg zum Festival aus den Hohentwiel gemacht. "Der war ziemlich steil. Die beeindruckende Aussicht hat aber dafür entschädigt", schildert Fahr. Auch das besondere Ambiente der Hohentwiel-Festung beim Konzert fasziniert ihn. "Zu einer der Konzert-Veranstaltungen komme ich jedem Jahr, schon wegen der einzigartigen Atmosphäre", betont der Gottmadinger Andreas Bayer. "Die Show passt – die Stimme von Anastacia ist außergewöhnlich", bewertet er das Konzert. "Der liebenswürdige Umgang mit dem Publikum fasziniert mich bei Anastacia. Auch die tiefgründigen Texte über die eigene Biografie, wie das Krebsleiden", betont Christian Rösner.

Bei melancholischen Liedern mit feinem Gesang schmiegen sich Paare dicht aneinander. Das Anastacia-Konzert als Motivation für zärtlichen Austausch. Als die Künstlerin unter leisen Klängen der Band ihre Lebensgeschichte samt Krebsleiden erzählt, quittiert dies das Publikum mit lautem Beifall. Am Schluss heizt sie die Stimmung so auf, dass es folgerichtig blitzt und donnert. Der Regen stellt sich ein, als Anastacia zum Konzert-Ende einige Hits mit geballter Stimmkraft singt. Eine Unwetterwarnung lässt die Besucher so rasant aus dem Festival-Gelände flüchten, wie Anastacia auf der Bühne gewirbelt hatte.

Das Singener Hohentwielfestival hat in diesem Jahr eine besondere Zugkraft. Die bisherigen vier Veranstaltungen verzeichneten bereits etwa 16 000 Besucher, wie Gunnar Bamberg, Pressesprecher der Kultur und Tourismus Singen, berichtet. Zum Burgfest kamen 9500 Menschen, 3700 wollten sich das Konzert von Sarah Connor nicht entgehen lassen, etwa 3000 erlebten den Auftritt von Anastacia. Zudem waren bis gestern über 3000 Tickets für das Konzert am selben Abend von Amy Macdonald und 3700 für Glasperlenspiel und Max Giesinger (heute, Donnerstag, 19 Uhr) verkauft.