Von großen Rockstars erwartet man, dass sie bei ihren Auftritten die bekanntesten Hits zum Besten geben. Aber gilt das auch für Comedians? Funktioniert ein guter Witz tatsächlich zweimal? Obwohl man die Pointe bereits kennt? Eure Mütter lassen es in Singen darauf ankommen. In der Stadthalle präsentieren Andreas Kraus, Donato Svezia und Matthias Weinmann "Ich find ja die Alten geil" – ein Best-of ihrer beliebtesten Sketche und Lieder aus den Jahren 1999 bis 2010. Funktioniert das?

Schon zu Beginn der eineinhalbstündigen Show sieht es ganz danach aus. Das Publikum soll sich per Applaus-Abstimmung zwischen zwei Mütter-Oldies entscheiden. Zur Auswahl stehen "Auweia, Shania" und die Schlagerparodie "Die Sonne von Sorrent". Singen entscheidet sich enthusiastisch für die Hommage an Shania Twains Startpanne beim RTL-Domino-Day. "Auweia, auweia. So ne Scheiße hier, Shania. So blöd kann man doch eigentlich nicht sein. Auweia, auweia. Fuck, Shit, Shania. So wirft man ihn auch nicht, den ersten Stein."

Wie ein guter Apfelkuchen

Zugegeben, das auf diese Weise besungene Ereignis – ein gescheiterter Weltrekordversuch, bei dem statt vier Millionen nur ein paar hundert Dominosteine umfielen – liegt schon 15 Jahre zurück. Der eingängige Refrain und der unübertrefflich minimalistische Tanzstil, mit dem die Schwaben ihren Domino-Hit umsetzen, kommt trotzdem an. Tatsächlich hat der Abend etwas von einer Familienfeier. Auch da weiß man, was auf einen wartet. Aber solange das eben Mamas feiner Apfelkuchen ist: warum nicht?

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Das humoristische Sahnestück eines jeden Mütter-Auftritts ist das auf Abifeiern und Fasnachtssitzungen dauerkopierte Synchron-Haarewaschen. Wie Don, Matze und Andi als "Team Duftig" zu den Klängen der Flashdance-Hymne "What a Feeling" grazil die Shampoo-Tuben schwenken, um sich dann mit Wucht in die Wassereimer zu stürzen: ein Augenschmaus.

Kein Eure-Mütter-Auftritt ohne Synchron-Haarewaschen: Auch nach zwei Jahrzehnten hat die Nummer noch nicht an Spritzigkeit verloren.
Kein Eure-Mütter-Auftritt ohne Synchron-Haarewaschen: Auch nach zwei Jahrzehnten hat die Nummer noch nicht an Spritzigkeit verloren. | Bild: Schottmüller, Daniel

Überhaupt zeigen die Mit-Vierziger Einsatz. Don beweist sich als begnadeter Tierstimmen-Imitator, Matze nimmt mit seiner Laute die Fans von Mittelaltermärkten ins Visier und Andi gibt nützliche Tipps für die Intimrasur. Alles geht nahtlos ineinander über. Das amüsierte Publikum spürt, hier sind Profis am Werk.

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Besonders beeindruckend: Wie zielsicher das Trio die Absurditäten im Zwischenmenschlichen herausarbeitet. Zum Beispiel den Duktus auf Vereinsversammlungen. "Wir freuen uns, dass ihr alle so zahlreich erschienen seid", versichert ein krude schwäbelnder Don als Vorsitzender des Kegelvereins "Die fidelen Abräumer". Für das leibliche Wohl sei bestens gesorgt. Und als Feuerwehr-Kommandant Matze betont, dass es doch selbstverständlich sei, dass seine Jungs die Kegler unterstützen, schiebt Schatzmeister Matze ein ergreifendes "Nein, das ist eben nicht selbstverständlich" hinterher.

Dass sich die Mütter gut ergänzen, ist kein Zufall: Sie kennen sich schon seit Schulzeiten. Den muskulösen Teil des gleichschenkligen Komiker-Dreiecks nimmt Don ein. Ob als Kowedo-Kämpfer, Gesichtsmodel oder Bassist der Poprock-Band "Goldregen": Stets wirft sich der Mann mit der Kurzhaarfrisur mit vollem Körpereinsatz in seine Rollen. Matze ist eher der Geschichtenerzähler – ein eloquenter Feingeist, der Kinski zitiert und auch im Spontanplausch mit dem Publikum Pointen setzt. Andi schließlich kann man als Musikgenie beschreiben. Der Mann ist nicht nur witzig, er überzeugt auch als Sänger, Pianist und Ukulele-Zupfer.

Viel Routine, wenig Rock N Roll

Das Zusammenspiel der Drei wirkt harmonisch, zugegebenermaßen aber auch ziemlich abgeklärt. "Ich find ja die Alten geil" lässt keinen Platz für Experimente zu. Eingefleischte Fans, die die alten Mütter-Programme bereits kennen, könnten mühelos jede Zwischenansage Wort für Wort mitsprechen. Die Zuschauer in der Stadthalle stören sich daran nicht wirklich. So richtig gerockt gehen sie aber auch nicht nach Hause. Dafür wäre an diesem Abend mehr Risikobereitschaft und weniger Routine von Nöten gewesen.