Die Taxifahrer dürfen am Singener Bahnhof nicht mehr stehen, weil der Bahnhofvorplatz parallel zum Bau des Einkaufszentrum Cano umgestaltet wird und gesperrt ist. Sie standen die ganze Woche über in der Bahnhofstraße vor dem abgesperrten Platz und ärgerten sich. Die fünf Ersatz-Taxiplätze, die schräg gegenüber bei den Postarkaden mit einem Schild ausgewiesen sind, waren von anderen Autos zugeparkt. Gestern ist der Bahnhofvorplatz wieder für die Taxis geöffnet worden.

Die Bahnhofstraße ist im Bereich des Bahnhofs für die Dauer der Bauarbeiten Einbahnstraße. Der Verkehr, der aus westlicher Richtung kommt, wird über die Erzbergerstraße abgeleitet. Uwe Kopf, Chef der städtischen Abteilung Straßenbau, kann die Aufregung der Taxifahrer nur bedingt verstehen. "Wir sehen das Problem und es gibt keine ideale Lösung. Wir haben aber mit den Unternehmen besprochen, wo die Taxis hinkönnen", sagt er. Mehr als fünf Taxiplätze habe die Stadt nicht ausweisen können, dafür fehle schlicht der Platz. Die Taxifahrer müssten sich mit der Situation arrangieren. "Wir wollten, dass die Taxis für die Dauer der ganzen Bauzeit einen festen Platz haben und den gibt nur vor den Postarkaden", erklärt er. Vor der zukünftigen Baustelleneinfahrt könnten sie auf jeden Fall nicht stehen bleiben.

Die Taxis standen am Donnerstag vor dieser Zufahrt, sechs Stück warteten um die Ecke geparkt auf ihre Kunden. Daneben in zweiter und dritter Reihe standen weitere Taxis, die sich in komplizierten Rangiermanövern einreihten. 15 Plätze bräuchten die Taxis, sagen sie. "Dazu kommen Autofahrer, die jemand zum Bahnhof bringen oder abholen, die hier parken und das Chaos ist perfekt", beschreiben die Taxifahrer Alexander Lang und Nikolaus Schmidt die Situation.

Wege sind für ältere Taxikunden zu weit

Gerade steigt eine Kollegin aus dem Auto, rennt mit einem Schild zum Bahnhof, um einen Fahrgast am Bahnsteig abzuholen. "Unsere Kunden sind meist ältere und kranke Menschen, die deshalb mit dem Taxi fahren, weil sie mit der Bahn ankommen, Gepäck zu schleppen haben und keine weiten Strecken zu Fuß zurücklegen können", erklärt Taxifahrerin Oxana Schuwajew. Diese Kunden müssten nun einen langen Weg zum Taxi zurücklegen, wenn sie sie überhaupt fänden. Ein Schild am Bahnhof, das zeige, wo es zu den Taxis geht, gebe es nicht. "So können wir unsere Arbeit nicht machen", erklärt die Taxifahrerin.

Sie beklagt sich auch darüber, dass Taxifahrer nicht in die Fußgängerzone oder direkt ans Krankenhaus fahren können, um die Kunden, die vom Arzt kommen und nicht laufen können, vor der Praxis abzuholen. "Wir fahren ja nicht zum Spaß in die Fußgängerzone oder vors Krankenhaus", sagt sie. Ihre Chefin Nadja Zgorzelski kommt dazu und erklärt: "Die Stadt verteilt zwar Strafzettel an die Autofahrer, die jetzt auf den Taxiplätzen stehen, aber das bringt nichts, die Autos müssten abgeschleppt werden." Schlimmer könne die Situation für die Taxiunternehmen nur werden, wenn die Plätze an die Maggistraße verlegt würden: "Dann kommt keiner mehr zu uns." "Taxis gehören an den Bahnhof", bekräftigt ein Kollege.

Sie sind mit den Ersatzbushaltestellen zufrieden: Urte Wirth und Petra Dilger (von links) fahren regelmäßig mit dem Stadtbus.
Sie sind mit den Ersatzbushaltestellen zufrieden: Urte Wirth und Petra Dilger (von links) fahren regelmäßig mit dem Stadtbus. | Bild: Tesche, Sabine

Es gibt aber auch zufriedene Verkehrsteilnehmer am Bahnhof und sie sind an der Ersatzbushaltestelle vor dem Holzerbau anzutreffen, der gerade für das Einkaufszentrum Cano abgerissen wird. Petra Dilger und Urte Wirth fahren regelmäßig mit dem Stadtbus und warten auf die Linie 6, die sie in die Nordstadt bringt. "Das ist gut gemacht, alles gut ausgeschildert, es gibt einen Gehweg und Bänke an den Bushaltestellen", sagen die beiden Frauen. "Da gibt es gar nichts zu meckern."

Straßenbauamtsleiter Uwe Kopf hört insgesamt wenig Klagen über die Baustelle. Sie sei ausgeschildert, so dass zum Beispiel Lastwagenfahrer aus westlicher Richtung überhaupt erst gar nicht in die Bahnhofstraße fahren. Dass Einige es trotzdem versuchten, sei ein Ärgernis. Eine definierte Umleitungsstrecke gebe es nicht, die Verkehrsteilnehmer, die sich auskennen, würden sich einen anderen Weg durch die Stadt suchen.

 

Darauf müssen sich Verkehrsteilnehmer einstellen

"In Singen brummt's" heißt es auf der Internetseite der Stadt Singen und der Baubär markiert die Baustellen. Sieben sind es derzeit im Stadtgebiet.

  1. Fahren alle Busse weiterhin vom Bahnhofvorplatz ab? Die Stadtbusse sollen während der Bauarbeiten weiterhin vom Bahnhofvorplatz abfahren, drei Linien der Regionalbusse müssen in der Julius-Bührer-Straße beim Hauptportal der Maggi halten und abfahren. Die Südbadenbus hat neue Fahrpläne erstellt, die im Internet unter http://www.vhb-info.de einzusehen sind. Die Regionalbusse erreicht man vom Bahnhof aus durch den Maggitunnel, berichtet die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung. Auf der Südseite des Maggi-Tunnels gibt es keinen Aufzug, die Stadt will einen Treppenlift installieren. Bis der fertig ist, gibt es für Personen mit eingeschränkter Mobilität ein Sammeltaxi, das vor dem Cineplex-Kino startet und direkt im Büro der Sammeltaxis im Bahnhofgebäude oder unter Telefon 69933 zu erreichen ist. Die Stadtbuslinien 4 und 5, die bei der Maggi halten, nehmen beeinträchtigte Fahrgäste mit.
  2. Wie kommt man mit dem Auto an den Bahnhof? Den Bahnhof kann man nicht mehr direkt anfahren. Ab vergangenem Montag ist im Zuge der Bauarbeiten am Bahnhofsplatz die Bahnhofstraße zwischen der Alpen- und Erzbergerstraße eine Einbahnstraße. Fahrzeuge können von der östlichen Seite durchfahren. Die Parkplätze vor dem Bahnhofsgebäude werden durch die beginnenden Bauarbeiten ganz wegfallen, teilt die Abteilung Straßenbau mit. Fünf Taxistände gibt es im Bereich der westlichen Bahnhofstraße bei den Postarkaden. Für Kurzzeitparker sollen acht Plätze zwischen der Alpen- und Thurgauer Straße eingerichtet werden. Dort ist eine maximale Parkdauer von 30 Minuten.
  3. Welches sind die Baustellen, die am längsten dauern? Im Baugebiet Eisvogel im Singener Süden werden seit Oktober 2017 sämtliche Hauptkanäle und Straßen erneuert. Dort werden zwölf Straßen mit etwa 15 000 Quadratmetern Fläche komplett neu gestaltet und 1830 Meter Kanal verlegt. Zusätzlich wird auf 1100 Metern die Wasserleitung erneuert und die Beleuchtung verbessert, schreibt die Stadt Singen. Auch die Baustelle am Herz-Jesu-Platz startete im Januar 2018 und dauert bis Dezember 2019. Das Einkaufszentrum Cano, die größte Baustelle in Singen und der Bahnhofvorplatz sollen 2020 fertig sein. Auf der Internetseite der Stadt Singen gibt es einen Übersichtsplan der Baustellen unter http://www.in-singen.de
  4. .Welche Baustelle bringt die größten Verkehrsbehinderungen? Ein Bahnhof sollte für Mobilität stehen. Die Verkehrssituation rund um den Bahnhof wird in den kommenden zwei Jahren alles andere als komfortabel sein. Reisende und Busfahrgäste müssen längere Fußwege einplanen. Kraftfahrer sollten, von der Rielasinger Straße her kommend, die Bahnhofstraße meiden. Bei allen Baustellen gibt es für die Verkehrsteilnehmer Ausweichmöglichkeiten. Die Leidtragenden sind in erster Linie die Anwohner, Geschäftsinhaber und Gaststätten direkt an den Baustellen. (jac)