Es gibt rund 8400 Minderjährige in Singen, knapp 1400 davon sind Kinder, deren Eltern das Arbeitslosengeld II beziehen. Damit diese trotzdem barrierefrei am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, entwickelte der Verein Kinderchancen e. V. zusammen mit der Stadt Singen die „KiJu-Karte“. Sie ist für Kinder aus Familien mit geringerem Einkommen gedacht. Die Besitzer der Kinderkarte profitieren von zahlreichen Angeboten und Vergünstigungen, von Musik über Bildung bis hin zu Sport, Freizeit und vielem mehr.

Man habe ein „ganz buntes Programm“ aufstellen können, berichtete Bürgermeisterin Ute Seifried. Es sei einfacher als beim Sozialpass gewesen, Anbieter für die Kinderkarte begeistern zu können, denn jedem sei klar: Kinder können nichts für ihre finanzielle Situation. Auch die Volksbank unterstützt das Projekt mit professionellen Schwimmkursen für Kinder und Jugendliche, die zudem die Nichtschwimmerquote verringern sollen.

Die KiJU-Karte soll eine Stärkung des Kindes bewirken. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben mache die Kinder selbstständiger, erklärte Udo Engelhardt vom Verein Kinderchancen, zudem verhelfe es den Kindern, wichtige Ansprechpartner im Leben zu finden. Ein wichtiger Faktor der KiJu-Karte sei es, die Kinder auf den richtigen Weg zu bringen, betonte Ute Seifried.

Jedes fünfte Kind betroffen

Vom bereits bestehenden Sozialpass grenze sich die KiJu-Karte klar ab. Sie beziehe sich ausschließlich auf die Kinder und soll deren Anliegen in den Vordergrund rücken. „Alle Kinder, die Anspruch auf die KiJu-Karte haben, sollen diese zukünftig auch besitzen“, erläuterte Udo Engelhardt. Dies betreffe jedes fünfte Kind der Stadt.

Die Inspiration für die Karte erhielt der Verein Kinderchancen aus Tübingen, dort gibt es eine solche Kinderkarte schon seit mehreren Jahren und erhielt positive Resonanz. Mit Stolz würden die Tübinger Kinder mittlerweile ihre Kinderkarte präsentieren. Denn stigmatisieren soll die Karte auf keinen Fall: Man hoffe auf die Akzeptanz der Bürger, Kinder mit der KiJu-Karte sollen keine Sonderstellung einnehmen, erklärte Alexandra Guldin vom Verein Kinderchancen.

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Die KiJu-Karte ist erhältlich für alle Kinder und Jugendliche aus Singen und den Ortsteilen, die zwischen 0 und 17 Jahre alt sind und die Anforderungen erfüllen. Dafür müsse man einen Antragsschein an einem der Ausgabestellen ausfüllen. Der Antrag soll ohne größeren Aufwand ablaufen, notwendig dafür ist ein Leistungsbescheid und der Ausweis des Kindes. Vor Ort gibt es Ansprechpartner, die bei einer Härtefallregelung entscheiden oder bei sprachlichen Problemen weiterhelfen.

Über die Stadtgrenzen hinaus

Das Ziel ist es, in jeder Schule, Kita oder Verein, einen Ansprechpartner für die KiJu-Karte antreffen zu können. Sie soll dauerhaft implementiert werden und man hoffe bei Erfolg auf weitere Miteinsteiger. Zudem soll die Kinderkarte in Zukunft „nicht an Stadtgrenzen hängenbleiben“, betonte Udo Engelhardt, man wolle sie weiterverbreiten, damit ein Singener Kind auch außerhalb der Stadt Vergünstigungen erhält.

Für die KiJu-Karte hat die Stadt Singen eigene Haushaltsmittel bereitgestellt und bekommt eine Förderung des baden-württembergischen Programms „Aktiv und gemeinsam gegen Kinderarmut und für Kindergesundheit“.

Hier gibt es die KiJu-Karte

In der Singener Innenstadt erhält man sie in der Wohngeldbehörde, Bürgerzentrum, Insi e. V., Jugendreferat, Arbeiterwohlfahrt, ev. Käthe-Luther Kinderhaus und Familienzentrum, Caritasverband Singen-Hegau e.V. In der Südstadt: Bei Kinderchancen e.V., Kita St. Nikolaus mit Familienzentrum, dem ev. Familienzentrum Markus. In der Nordstadt: Im Jugendtreff Nordstadt (JuNo), Familienzentrum im Iben und in den Ortsverwaltungen Beuren an der Aach, Bohlingen, Friedingen, Hausen an der Aach, Schlatt unter Krähen und Überlingen am Ried. Weitere Informationen bezüglich der Anforderungen erhält man unter: www.kiju-karte.de