Wenn Emmanuel Peterfalvi die Bühne betritt, wird die komplizierte Welt plötzlich ganz einfach. Dann ist er der Franzose Alfons mit dem Puschelmikrofon und der unübersehbaren, orangefarbenen Trainingsjacke. Dann werden Menschen ganz einfach gefragt, was sie von der Sache halten. Zum Beispiel am Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn, an denen fast jeder heimlich hofft, noch möglichst lange Auto fahren zu können. Dann werden die Dinge auf die Spitze getrieben, Pointen gesetzt – und manchmal bleibt das Lachen auch im Halse stecken. Zum Beispiel wenn sich der charmante Franzose über deutsche Gründlichkeit auslässt: Da rennen dann die Werfer von Molotow-Cocktails schnell ihren Sprengsätzen hinterher, um bloß das Flaschenpfand nicht zu verlieren...

Eile, das ist nicht das Wesen des Franzosen. Ohne Hast führt er das Publikum durch sein Programm. „Eigentlich wollte ich mein fünftes einfach Nummer 5 nennen“, gesteht der hintersinnige Franzose. Parfümproduzent Chanel habe das nicht gewollt, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu. Der Duft mit der Nummer fünf und Alfons, das habe für den Konzern nicht zusammen gepasst, erklärte er auf der Bühne der Singener Stadthalle nicht nur der willkürlich ausgesuchten Melanie in der ersten Reihe: „Tja, haben die von Chanel gesagt, weißt Du Alfons, deine Schönheit sieht man nicht. Die ist eher geheim.“ Und schon sei der Titel des aktuellen Bühnenprogramms geboren gewesen: "Das Geheimnis meiner Schönheit".

Und dann enttarnt Alfons die Geheimnisse dieser Welt. Zum Beispiel, warum Frankreichs Präsident Francois Hollande so unbeliebt in seiner Heimat ist. Gerade einmal zwölf Prozent der Franzosen schätzen seine Arbeit: "12 Prozent, o'lala, jede Rotweinflasche hat mehr Prozent als 'ollande."

Dass die Franzosen auch im Hegau heimisch geworden sind, hat der Komödiant schnell entdeckt. Madame Bordeaux durfte ihn ebenso oft unterstützen, wie Madame Nantes, wenn er sich ebenso philosophisch wie tiefschürfend den Fragen des Lebens widmete: Mit kurzen Einspielern ergründet er auf der Videoleinwand nicht nur das das Verhältnis von Mensch, Natur und den Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn, sondern auch die unerwarteten Zusammenhänge von Kulinarik und Erotik. Mit Puschel-Mikro bewaffnet, wollte Alfons unumwunden wissen, was denn das Schärfste gewesen sei, was die Gattin ihrem Manne schon präsentiert habe. "Chili con carne", antwortete der wie aus der Pistole geschossen.

Vor allem aber erzählt Peterfalvi die Geschichte des kleinen Alfons, der von seiner Mutter für zwei ganze Monate auf einen Bauernhof verbannt wird – raus aus Paris, rein in die tiefste Einsamkeit der Provence, der gesunden Luft wegen. Zum Glück findet er dort nicht nur die erwartete Tristesse, sondern auch Landwirt Augustin. Und beim allabendlichen Sternegucken sprechen der Bauer und der Großstadtjunge über die kleinen und großen Fragen der Welt. In diesem Universum dreht es sich dann nicht nur ums Traktorfahren, sondern nebenbei auch um Nietzsche und Kant, Descartes, Pascal – "und wie die anderen Bauern aus der Nachbarschaft eben so heißen."

Bauer Augustin habe immer gesagt‚ erläuterte Alfons als Botschafter der Schönheit zum Schluss: "Werde, wer Du bist, und Du bist schön!" Und für alle Anderen hat Philosoph Alfons auch einen Tipp: "Es gibt ja die Produkte von Chanel."

Zur Person

Alfons wurde am 17. März 1967 als Emmanuel Peterfalvi in Paris geboren. Wie viel Emmanuel in den Geschichten des kleinen Alfons steckt, bleibt daher spannend. Seit vielen Jahren ist der französische Kabarettist in Deutschland tätig. Bekannt wurde er durch die Figur des Reporters mit dem Puschel-Mikro für die NDR-Sendungen Extra 3 und Panorama. Seit 1991 lebt er in Hamburg. Neben seinem Bühnenprogramm arbeitet er derzeit an der dritten Staffel der Fernsehsendung "Puschel-TV". (bie)

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