Demenzerkrankungen sind noch immer ein Tabu-Thema. Im Aktionsbündnis Demenz Singen-Hegau fanden sich mit der Stadt, Sozialverbänden, Pflegeeinrichtungen und der Johanniter Unfallhilfe Singen Institutionen zusammen, um betroffenen Menschen und deren Angehörigen Unterstützung zu geben.

Auch in diesem Jahr treten die Mitglieder des Bündnisses in die Öffentlichkeit und nehmen den Welt-Alzheimertag am Freitag, 21. September, zum Anlass, auf die Umstände der Erkrankung aufmerksam zu machen und zu informieren.

Gruppenerlebnis für Betroffene

Gleichzeitig können die Johanniter in diesem Jahr auf zehn Jahre Betreuungsgruppe für ältere Menschen und 20 Jahre Fachpflegedienst zurückblicken. Wie Erich Scheu als Dienststellenleiter berichtet, sollte damit insbesondere alleinlebenden älteren Menschen eine Möglichkeit gegeben werden, ein Mal in der Woche mit Menschen zusammenzukommen, die in einer ähnlichen Situation sind. "In einer Gruppe können Betroffene durch Geselligkeit und Austausch ein wenig Freude in dem ansonsten tristen Alltag finden", erläutert Scheu.

Johanniter erweitern ihr Angebot

Die inhaltliche Ausgestaltung, die sich an den Empfehlungen der Alzheimer Gesellschaft orientiert, übernahmen Anne Koch und Alice Kühn, zusätzlich sind aktuell Ursula Habich, Elisabeth Schuler, Gabriele Wichmann-Brütsch und Maria Wahl im Einsatz. Durch den großen Bedarf erweiterten die Johanniter das Angebot, heute werden Gruppen an zwei Wochentagen angeboten, die von bis zu zwölf Personen besucht werden.

"Die Nachmittage verlaufen nach bestimmten Ritualen", erklärt Pflegefachkraft Anne Koch. Neben aktuellen Themen und jahreszeitlichen Ereignissen stehen jedes Mal Gedächtnistraining, Spiele und Gymnastik auf dem Programm. Vor zwei Jahren wurde ein Garten speziell für dementiell veränderte Menschen neben dem Johanniter-Gebäude in Betrieb genommen, der durch die Bepflanzung Freude bringen und die Sinne anregen soll.

Initiatoren wollen die Angst nehmen

Gabriele Glocker vom Seniorenbüro der Stadt Singen sieht in den Gruppen auch eine Entlastung der Angehörigen. Und sie möchte Mut machen, Demenz nicht nur als Schreckgespenst zu sehen und die Angst nehmen: "Wir müssen offen mit dem Thema umgehen und sie ins tägliche Leben integrieren. Das gibt Dementen Freiraum", so Glocker.

Das möchten auch die Mitglieder des Aktionsbündnisses, die sich am Welt-Alzheimertag auf dem Heinrich-Weber-Platz vorstellen. Reinhard Zedler von der Arbeiterwohlfahrt Singen betont: "Wir möchten die Öffentlichkeit sensibilisieren."

Am Freitag, 21. September, von 14 bis 17 Uhr, werden auch die Johanniter mit einem Stand vertreten sein. Dabei werden nicht zuletzt die Arbeit des Betreuungsteams und Beschäftigungsangebote in den Betreuungsgruppen vorgestellt. Von 15 bis 16 Uhr werden die Mitglieder des Aktionsbündnisses mit Plakaten durch die Innenstadt gehen, um Tabu-Themen rund um die Demenz aufzugreifen.