Der fraktionslose Landtagsabgeordnete für den Hegau-Wahlkreis, AfD-Mitglied Wolfgang Gedeon, legt sich mit der Singener Stadtverwaltung an. In einem Schreiben an Oberbürgermeister Bernd Häusler fordert er diesen dazu auf, die Rathaus-Abteilung Singener Kriminalprävention "zu schließen und durch eine weltanschaulich und politisch neutrale Abteilung zu ersetzen". Das Schreiben liegt unserer Redaktion vor. Darin erklärt der Abgeordnete seinen Unmut über eine Fachtagung am kommenden Donnerstag im Rathaus, bei dem unter anderem ein Workshop mit dem Thema "Sammelbecken Pegida, AfD und andere" vorgesehen sein soll.

Wolfgang Gedeon fordert den OB dazu auf, diese Veranstaltung nicht im Rahmen der Stadtverwaltung zuzulassen sowie "keinerlei weitere Steuergelder in die Abteilung des Herrn Da Rin zu investieren." Marcel Da Rin leitet die Singener Kriminalprävention, gehört direkt zum Stab des Oberbürgermeisters und kümmert sich um vorbeugende Maßnahmen für die innere Sicherheit in Singen. Die Kriminalprävention organisiert Infoveranstaltungen für Bürger, betreut Aktionen beispielsweise zur Zivilcourage und die Nachtwanderer und Busbegleiter. Sie genießt allgemein hohes Ansehen für ihre Arbeit und wurde bisher noch nicht öffentlich in dieser Weise angegriffen.

Der Abgeordnete sieht es als Affront an, seine Partei unter dem Thema "Kriminalprävention" zu behandeln. Die AfD sei eine demokratische Partei und durch Abgeordnete in zahlreichen Landtagen und im Europaparlament "fester Bestandteil des demokratischen Systems der Bundesrepublik", schreibt Gedeon.

Die Stadt Singen reagiert auf SÜDKURIER-Nachfrage. Sie sei nicht Veranstalter der besagten Fachtagung zum Rechtspopulismus in der Gesellschaft. "Daher können wir auch zur inhaltlichen Ausrichtung der Veranstaltung nichts sagen. Die Veranstalter sind unter anderem das Bündnis unterm Hohentwiel sowie das Bodensee Hochrheinbündnis, im Auftrag des Landesministeriums für Soziales und Integration. Darüber hinaus wird die Veranstaltung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie vom Demokratiezentrum Baden-Württemberg und der Landeskoordinierungsstelle Jugendstiftung Baden-Württemberg gefördert", erklärt Stadt-Pressesprecher Achim Eickhoff. "Wir stellen lediglich den Raum für die Veranstaltung zur Verfügung. Marcel Da Rin nimmt die Anmeldungen für die Veranstaltung entgegen. Ansonsten ist er nicht in die Organisation oder Durchführung involviert." Die Stadt trage keinerlei Kosten.