Es ist eine Farce. Da sitzen erfahrene Bürgermeister wie Bernd Häusler oder Ralf Baumert im Regionalverband Hochrhein-Bodensee, doch vor der Verbandsverwaltung erscheinen sie wie die Schulbuben. Ihre schwergewichtigen Argumente gegen den Kiesabbau im Dellenhau (die man teilen kann, aber nicht muss) zählen rein gar nichts, was zählt ist allein das Reinheitsgebot des Verwaltungsverfahrens. Das bezieht sich auf Festlegungen aus dem Jahr 2005 und für die Verbandsverwaltung sind sie in Stein gemeißelt. Der Hinweis des Singener Oberbürgermeisters, dass er damals mit der Regionalplanung noch nichts zu tun hatte und im Übrigen auch der Diesel vor zwölf Jahren noch als saubere Technik galt, zählt ebensowenig wie die Stellungnahme des übergeordneten Landesministeriums für den Ländlichen Raum, wonach im Fall Dellenhau ein Zielabweichungsverfahren erforderlich sei. Die Regionalplaner halten sich allein an Recht und Gesetz – und da ist nun einmal das Wirtschaftsministerium zuständig, das (voraussichtlich) eine andere Meinung hat als die Kollegen vom Ländlichen Raum.

Auf den ersten Blick kann sich der Bürger glücklich schätzen, dass es solche Verwalter gibt. Denn Pläne verlieren ihren Sinn, wenn sie alle Nase lang über den Haufen geworfen werden oder zum Spielball politischer Emotionalität werden. Das Absurde im Fall Dellenhau ist die vollständige Abkopplung von der Realität der politischen Gemengelage. Das trägt autistische Züge – und auch das wäre hinnehmbar, wenn denn die inhaltlichen Argumente beim Regierungspräsidium berücksichtigt würden. Dort allerdings dominiert erfahrungsgemäß ebenfalls die Strenge zur wortgenauen Einhaltung des festgelegten Prozederes. Aber darf sich ein Planungsverfahren komplett von der Lebenswirklichkeit entfernen? Die Kiesabbau-Gegner werden kaum klein beigeben und am Ende landet das Thema doch wieder bei der Politik.

torsten.lucht@suedkurier.de