Es ist nicht unbedingt der Satz, den man hören möchte, wenn man in der Abenddämmerung im Wald unterwegs ist: "Jetzt zeige ich Ihnen etwas, das richtig Angst macht!" Das klingt nicht gerade beruhigend. Noch beunruhigender ist allerdings der zufriedene Gesichtsausdruck, mit dem Georg Weber diesen Satz vorbringt. Lächelnd dringt der drahtige Mann mit den grünen Trainingshosen ins Waldesinnere vor.

Zehn Sekunden später bleibt er unvermittelt stehen. Wo sich eben noch ein Trampelpfad gemächlich bergab geschlängelt hat, geht es mit einem Schlag zehn Meter in die Tiefe. Zu Fuß ist hier kein Weiterkommen. "Die ersten drei Meter sind fast senkrecht", bestätigt Georg Weber gut gelaunt. "Echt klasse." Zugegeben, für einen leidenschaftlichen Downhill-Mountainbiker wie ihn ist dieser Abhang tatsächlich klasse.

"Eigentlich ist die Stelle harmlos – ich bremse hier gar nicht, damit ich gut über die Schanze dahinter komme", meint Weber und deutet auf eine Erderhöhung in 20 Metern Entfernung. Nur wenige Menschen kennen die Schwarze Strecke am Bike Park Schienerberg so gut wie der Mann mit den blonden Haaren. "Mit meinen 57 Jahren bin ich wahrscheinlich der Älteste, der hier fährt", sagt Weber und schmunzelt. Er war bereits beteiligt, als der Hegau Mountainbike Club Singen (HMC) 2010 bei der Stadt den Antrag einreichte, im Wald nahe Bohlingen einen Bike Park zu errichten.

Nur geübte Biker mit viel Körpergefühl wagen sich auf der Schwarzen Piste an solche Sprungeinlagen heran.
Nur geübte Biker mit viel Körpergefühl wagen sich auf der Schwarzen Piste an solche Sprungeinlagen heran. | Bild: Ferdinand Lohner

Mountainbiker waren schon vorher am Schienerberg unterwegs – allerdings illegal. "Die Idee war damals, den Wildwuchs illegaler Strecken und Schanzen einzudämmen", erklärt Weber. Das ist gelungen. Statt – wie anfangs geplant – eine, gibt es mittlerweile drei unterschiedliche Routen, die sich parallel zur Landesstraße 193 den Hang herabwinden. Befahren werden sie von den HMC-Mitgliedern und den Inhabern sogenannter Track Patches – Gästekarten, die man in den Fahrradgeschäften im Umkreis erwerben kann.

"Ich kenne in ganz Deutschland keinen einzigen Bike Park in dieser Größenordnung", sagt Weber nicht ohne stolz. "Zumindest keinen, der legal von einem Verein in Stand gehalten würde." Ein weiteres Novum: Im Gegensatz zu kommerziellen Bike Parks seien die Pisten am Schienerberg ganzjährig befahrbar. "Zu fahren, macht natürlich nur Sinn, wenn der Boden nicht allzu aufgeweicht ist", erklärt Weber.

Einzigartig ist auch der Einsatz der etwa 20 Helfer, die stetig die Strecken kontrollieren und von Laub befreien, Hindernisse ausbessern und erweitern. "Alles hier ist handgemacht. Hacke, Schaufel und Motorsäge sind die einzigen Hilfsmittel, die wir einsetzen", berichtet der Verantwortliche. Erst in der vergangenen Woche habe man "die Wall" fertiggestellt, eine meterlange schräge Wand aus Lärchenholz, auf der die Biker im wahrsten Sinne des Wortes entlangbrettern können.

Georg Weber in Aktion: Diese Hindernis aus Lärchenholz haben die HMC-Mitglieder in den vergangenen Wochen im Bike Park aufgebaut.
Georg Weber in Aktion: Diese Hindernis aus Lärchenholz haben die HMC-Mitglieder in den vergangenen Wochen im Bike Park aufgebaut. | Bild: Ferdinand Lohner

Darauf freut sich auch Georg Weber. Wenn das Wetter mitspielt, habe er vor, sich schon am Wochenende wieder auf den Sattel zu schwingen, meint der 57-Jährige. Und wenn es regnen sollte? "Dann ziehen wir uns Jacken an und bauen an der Strecke weiter", sagt der Mountainbiker und lächelt zufrieden.