Die Sorge der Bürger um das Klima wächst. „Seit die Feinstaubdiskussion entbrannt ist, bekommen wir immer wieder Anfragen“, sagt Christiane Kaluza-Däschle von der Stabsstelle Umwelt im Rathaus. „Die Menschen machen sich Gedanken über ihre Gesundheit und wollen mehr über das Klima in Singen wissen.“ Feinstaub ist nur ein Aspekt. „Beim Feinstaub liegen die Werte in Singen weit unter dem Grenzwert“, erklärt Kaluza-Däschle. Grund zur Entwarnung sieht sie trotzdem nicht. Mit ihrem Kollegen, dem städtischen Klimaschutzmanager Markus Zipf, sucht sie Wege, um das Treibhausgas CO2 in der Stadt zu reduzieren.

„Wir müssen den Individualverkehr verringern, wenn wir die CO2-Emissionen reduzieren wollen“, sagt Markus Zipf. Er möchte mehr Menschen zum Umstieg vom Auto aufs Fahrrad, auf den Fußweg oder den öffentlichen Nahverkehr bringen. Doch dazu müssen in Singen noch einige Weichen gestellt werden.

Markus Zipf ist seit über einem Jahr bei der Stadt Singen als Klimaschutzmanager tätig. Beruflich wie auch privat nutzt er lieber das Fahrrad statt Auto. Der Verkehr ist der einzige Bereich, in dem in den vergangenen Jahren keine Einsparung im Kohlenstoffdioxid-Ausstoß erzielt wurde.
Markus Zipf ist seit über einem Jahr bei der Stadt Singen als Klimaschutzmanager tätig. Beruflich wie auch privat nutzt er lieber das Fahrrad statt Auto. Der Verkehr ist der einzige Bereich, in dem in den vergangenen Jahren keine Einsparung im Kohlenstoffdioxid-Ausstoß erzielt wurde. | Bild: Karin Zöller

Helfen soll dabei ein Zuschuss in Höhe von 70 000 Euro aus dem Fördertopf der Nationalen Klimaschutzinitiative. Mit diesem Geld, auf 140 000 Euro verdoppelt durch die Stadt, wollen Zipf und Kaluza-Däschle bis zum Frühjahr 2019 ein Mobilitätskonzept erstellen, das alle Verkehrsmittel im Zusammenhang betrachtet. Es gehe also nicht alleine um die Frage, wie man in Singen den Radverkehr verbessern könne, sagt Zipf. „Wesentliche Aufgabe des Konzeptes ist es, die Verkehrsplanung unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes weiterzuentwickeln und Maßnahmen zu ergreifen, die zu einer klimafreundlichen Verkehrsmittelwahl motivieren.“ Um die Wechselwirkung gehe es. Früher sei alles autogerecht ausgebaut worden. Dann kam das Radverkehrskonzept. Jetzt sollen alle Verkehrsträger zusammengebracht werden.

Um besagte Maßnahmen ergreifen zu können, müssen die Verkehrsplaner aber zunächst einmal wissen, wie sich die Singener bisher fortbewegen und wie die Wege gestaltet werden müssten, damit sie bereit wären, das private Auto öfter in der Garage stehen zu lassen. Dazu haben die Klimaschützer aus dem Rathaus einen umfangreichen Fragebogen ersonnen, der nach 0stern an 4000 Haushalte in der Kernstadt und den Ortsteilen verschickt wird und den der SÜDKURIER noch gesondert vorstellen will. Eines weiß der Klimaschutzmanager jetzt schon: „Der Verkehr ist in Singen für rund 20 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.“

Mit Initiativen wie dem Stadtradeln oder dem Aufstellen von Reparaturstationen wurden bereits erste kleine Anreize geschaffen. In dem Mobilitätskonzept soll über Fahrradstraßen, verlässliche Taktungen der Buslinien, andere Tarife im öffentlichen Nahverkehr, sichere Fahrradabstellplätze, Carsharing-Modelle, Elektro-Ladestationen nachgedacht werden. Auch die Frage, wie der Lieferverkehr in der Innenstadt gesteuert werden kann, muss geklärt werden. Dazu sollen Händler und Gewerbetreibende angehört werden. Für den Handel spiele die Erreichbarkeit eine wesentliche Rolle.

Entscheidend für die Weiterentwicklung der Verkehrswege in der Innenstadt wird Herabstufung der Ekkehard- und Freiheitstraße. Bisher hat die Stadt bei der Gestaltung dieser beiden Durchgangsstraßen keinen Einfluss, da es sich um Bundesstraße handelt. Die Umwidmung könne ganz schnell gehen und vielleicht schon 2019 wirksam werden, gibt sich Zipf optimistisch.

Etwa ein Jahr werde es dauern, bis das Konzept erarbeitet und vom Gemeinderat beschlossen ist. Danach könne die Verkehrswende beginnen, sind sich Markus Zipf und Christiane Kaluza-Däschle einig. Dann werde man wissen, welche Angebote die Singener benötigten, um sich klimafreundlicher fortzubewegen.

Die Stadtverwaltung hat das Büro R+T aus Darmstadt mit einer Haushaltsbefragung beauftragt. Entsprechende Fragebögen werden in den nächsten Tagen an 4000 Haushalte verschickt. Die Befragung soll ermitteln, wie die Singener ihre täglichen Wege zurücklegen. Sie soll zeigen, welche Anteile dabei etwa das Auto, der Bus oder die anderen Verkehrsmittel haben. Dazu werden an ausgewählten Tagen Verkehrserhebungen im Stadtgebiet durchgeführt. (Quelle: Stadtverwaltung)