Absagen, Umsatzeinbußen, Schließung: Die Corona-Pandemie hat den städtischen Eigenbetrieb Kultur und Tourismus Singen (KTS) im laufenden Jahr arg gebeutelt. Diese Pechsträhne könnten sich auch 2021 fortsetzen. Denn wie Geschäftsführer Roland Frank im Betriebsausschuss der KTS mitteilte, werde der Wirtschaftsplan für 2021 im höheren Millionenbereich negativ ausfallen. Auch der Zuschuss seitens der Stadt Singen wird aller Voraussicht nach mehrere Millionen Euro betragen. Bereits vor der Pandemie war die KTS seit Jahren ein Zuschussbetrieb für die Stadt – Corona hat diese Situation in 2020 und 2021 nun noch einmal verschärft.

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Der Corona-Einfluss auf die KTS

Laut Roland Frank weist das prognostizierte Jahresergebnis für 2021 ein Minus von rund 3,3 Millionen Euro aus. Im Vergleich zur Planung zum Vorjahr hat es sich damit noch einmal verschlechtert: Für 2020 rechnet die KTS mit einem Minus von rund 2,7 Millionen, abschließende Zahlen sollen im Frühjahr präsentiert werden. „Die Hauptursache der erheblichen Abweichung zu 2020 ergibt sich aus einer umfangreichen Umrüstung in der Stadthalle auf LED und durch die schlechteren Prognosen für die Belegung“, erläuterte Frank.

Markus Brodbeck zeigt die Birnen, die bald hundertfach getauscht werden müssen.
Markus Brodbeck zeigt die Birnen, die bald hundertfach getauscht werden müssen. | Bild: Tesche, Sabine

Diese beiden Sonderkosten seien mitunter auch dafür verantwortlich, dass ein Zuschussbetrag seitens der Stadt von rund 2,9 Millionen Euro prognostiziert wird. Diese Summe steige allerdings noch einmal an. Schuld daran: der Wirtschaftsplan 2020. Er habe sich laut Frank – ebenfalls bedingt durch Corona – um 200.000 Euro verschlechtert, als bisher angenommen und werde als Nachzahlung in das veranschlagte Ergebnis von 2021 eingerechnet. Soll heißen: Der städtische Zuschuss erhöht sich auf rund 3,1 Millionen Euro.

Scheffelhalle sorgt für weitere Einbußen

Auch die Brandkatastrophe der Scheffelhalle trägt dazu bei, dass das Ergebnis wohl schlechter ausfallen wird. „Dieser Betriebszweig fällt nun leider komplett aus“, sagte Roland Frank. Zwar seien die finanziellen Einbußen diesbezüglich nicht so hoch – Frank bezifferte sie auf rund 20.000 Euro – aber die emotionale umso höher. „Die Scheffelhallensituation ist ein Trauerspiel, die Halle fehlt in Singen an allen Ecken und Enden“, betonte er. Sie sei das perfekte Pendant zur Stadthalle gewesen, etwa für Vereinsfeste oder die Fasnachtsveranstaltungen. OB Bernd Häusler ergänzte: „Ohne die Stadthalle hätten wir nach der Zerstörung der Scheffelhalle jetzt gar nichts mehr.“

Nach der Feuerkatastrophe: Die Scheffelhalle fällt der KTS als Betriebszweig im Wirtschaftsplan für das Jahr 2021 komplett weg.
Nach der Feuerkatastrophe: Die Scheffelhalle fällt der KTS als Betriebszweig im Wirtschaftsplan für das Jahr 2021 komplett weg. | Bild: Matthias Güntert

Viele LED-Lampen für die Stadthalle

Eine Besonderheit und Ausnahme im Wirtschaftsplan 2021 stellt die Umrüstung der Allgemeinbeleuchtung der Stadthalle auf LED-Lampen dar. Laut Roland Frank greift die KTS für dieses Vorhaben tief in die Tasche: Rund 400.000 Euro wird die Maßnahme kosten. „Die Umrüstung auf LED macht Sinn, auch wenn es die markanteste Größe im Wirtschaftsplan 2021 darstellt“, sagte Frank.

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Der Wunsch von Stadträtin Gabriele Eckert (SPD) angesichts der angespannten Finanzlage die Kosten für die LED-Lampen in die Jahre 2021 und 2022 aufzuteilen, zerschlugen sich schnell. „Wegen der Förderung haben wir nur ein Jahr Spielraum. Wir haben das geprüft, aber eine Verteilung auf zwei Jahre ist nicht möglich“, entgegnete Markus Brodeck als stellvertretender technischer Leiter der KTS. OB Häusler stellte zudem klar, dass dies nicht die einzige Investition in die Stadthalle sein werde: „Wir werden auch weiterhin Geld investieren müssen, damit wir wettbewerbsfähig bleiben.“ Die Halle sei 13 Jahre alt und werde auch weiterhin zu höheren Kosten führen.

Nicht alle Gemeinderäte sind begeistert

Leere Säle, hohe Investitionen und eine schlechte Aussicht für das Jahr 2021 – den Mitgliedern des Betriebsausschusses waren die Bauchschmerzen, die der Wirtschaftsplan hervorruft, förmlich anzusehen. Stadträtin Isabelle Büren-Brauch (Grüne) merkte an, dass es an der Zeit sei, Kosten zu senken. „Ich hatte gehofft, dass der Zuschuss nicht so erheblich ist. 3,1 Millionen Euro sind heftig“, sagte sie. Ihr mache angesichts dieser Zahlen die Zukunft sorgen: „Wir können keine weiteren Investitionen einsparen.“ Sie frage sich, wie hoch die Investitionen in den kommenden Jahren ausfallen könnten. Roland Frank entgegnete ihr, dass er mit Summen zwischen 30.000 und 100.000 Euro pro Jahr rechne. „Gar nichts zu investieren wäre fahrlässig“, sagte er.

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Für Stadtrat Michael Burzinksi (FW) gibt es keine Alternative zu den Investitionen: „Wir müssen Vieles einfach tun, sonst regnet es irgendwann in unsere Stadthalle.“ Andere Kommunen wären über eine vergleichbare Halle froh. Voll hinter den Investitionen steht Stadträtin Angelika Berner-Assfalg (CDU). Es sei derzeit ohnehin nicht einfach zu planen: „Nur eine Top-Halle ist gut vermarktbar, die Konkurrenz schläft nicht.“