Wenn ein 30-jähriger Mann aus dem Hegau gewusst hätte, dass sein ehemals total netter, alter Schulfreund inzwischen an einer schweren Psychose erkrankt war, hätte er ihn vor neun Monaten sicherlich nicht in seine Wohnung gelassen. Das, was dann geschah, stellte sich vor Gericht so dar: Als die beiden bei einem Glas Wein zusammen auf dem Sofa saßen, griff der auffällig wortkarge Gast sich unvermittelt eine Art „Schweizer Messer“, das auf dem Tisch lag, und stach damit etwa fünf Mal auf seinen Gastgeber ein. Der konnte aus der Wohnung flüchten, obwohl ihn einer der Stiche in die Lunge getroffen hatte. Mit Hilfe eines Nachbarn wurde der unberechenbare Angreifer überwältigt.

Opfer wirkt immer noch traumatisiert

Das 30-jährige Tatopfer lag sechs Tage im Krankenhaus und wirkte vor Gericht immer noch traumatisiert. Der gleichaltrige Täter wurde in U-Haft gebracht und von der Staatsanwaltschaft Konstanz wegen versuchten Totschlags angeklagt. Für das Landgericht stand nach dreitägiger Beweisaufnahme fest, dass der Angeklagte damals im Wahn gehandelt hatte.

Gericht schickt Mann in Psychiatrie

Das Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen legte nahe, dass der an einer schizophrenen Psychose erkrankte Mann nicht zurechnungsfähig war. Somit konnte er für die Gewalttat nicht bestraft werden. Das Gericht ordnete stattdessen die unbefristete Unterbringung in der Psychiatrie an.

Der 30-Jährige fühlt sich nicht krank und deshalb auch nicht behandlungsbedürftig. Vor Gericht wirkte der schmächtige Mann, als sei er im falschen Film gelandet. Geredet hat er so gut wie gar nichts. Im Ermittlungsverfahren soll er von Stimmen berichtet haben, die ihn bedrängen würden und von einem „bösen Geist“ in seinem Kopf.

Messersammlung in der Wohnung

„Diese Tat macht überhaupt keinen Sinn“, meinte der Oberstaatsanwalt. Womöglich habe der Angeklagte in seinem Gastgeber plötzlich einen Alien gesehen, den er bekämpfen musste. Er habe damals auch einen dolchartigen Gegenstand mit sich geführt. Und in seiner Wohnung habe man neben einer ansehnlichen Menge von Marihuana, Haschisch und zwei Gramm Kokain eine ganze Messersammlung gefunden.

„Was hätte da noch alles passieren können!“, gab der Staatsanwalt zu bedenken und erklärte den Angeklagten zu einer Gefahr für die Allgemeinheit.

Mann schlug auf Schaufensterscheibe in Singener Innenstadt ein

Drei weitere Taten wurden verhandelt: Vier Monate vor dem Messerangriff schlug der Angeklagte mit einem Stein mehrmals auf eine Schaufensterscheibe in der Singener Innenstadt ein. Schaden: Mehr als 3700 Euro. Als Polizisten ihn einige Tage später zur Rede stellen und seine Wohnung durchsuchen wollten, leistete er erheblichen Widerstand, ein Beamter wurde leicht verletzt.

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Für die Sachbeschädigung, den Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte mit Körperverletzung und den Drogenbesitz machte das Gericht den psychisch kranken Angeklagten voll verantwortlich. Dafür gab es eine Gesamtfreiheitsstrafe von 14 Monaten.

Was der Verteidiger forderte

Sein Verteidiger hielt die Wohnungsdurchsuchung wegen eines fehlenden richterlichen Beschlusses für unrechtmäßig. Der Widerstand seines Mandanten sei eine pure Angstreaktion gewesen, meinte er. Den Messerangriff wertete er nur als gefährliche Körperverletzung. Zu der sei es auch nur aufgrund eines Gerangels gekommen. Eine Strafe von siebeneinhalb Monaten sei angemessen. Das jetzt gefällte Urteil ist noch nicht rechtskräftig.