Eigentlich wäre es ein normaler Ladendiebstahl gewesen, als ein heute 21-jähriger Mann aus Mühlingen Anfang Dezember vorigen Jahres aus einem Elektronikmarkt in Singen eine CD-ROM in seiner Jackentasche mitgehen ließ. Doch weil er sich gegen die Aufforderung der Ladendetektivin, die Ware herauszugeben wehrte, sie verletzte und mit dem Diebesgut das Weite suchte, klagte ihn die Staatsanwaltschaft Konstanz wegen räuberischen Diebstahls an.

Nach einer Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht kam es jetzt zwar zu einer Verurteilung nach dem strengeren Erwachsenenrecht. Das Gericht erkannte aber auf einen minder schweren Fall und verurteilte den 21-Jährigen zu elf Monaten auf Bewährung. Dabei wurde eine noch nicht verbüßte Geldstrafe aus einer früheren Verurteilung einbezogen.

Angeblich panisch die Flucht ergriffen

Vor Gericht behauptete der 21-Jährige, der damals in Begleitung dreier männlicher Verwandter war, die Ladendetektivin habe ihm nach Entdeckung des Diebstahls sofort mit der Polizei gedroht. Da habe er aus Angst vor einer Durchsuchung panisch die Flucht ergriffen. Denn in seiner Jackentasche habe sich auch eine kleine Menge Rauschgift befunden, das die Beamten auf keinen Fall entdecken sollten. Dass er die Detektivin verletzte, als er sich losriss, sei nicht beabsichtigt gewesen. Die geklaute CD-ROM mit einem Computerspiel habe er irgendwo weggeworfen.

Nach den Vernehmungen der 20-jährigen Ladendetektivin und einer 28-jährigen Mitarbeiterin des Markts, die ihr zu Hilfe gekommen war, stand fest, dass er nicht die Wahrheit gesagt hatte. Er war damals zunächst korrekt aufgefordert worden, das Diebesgut herauszugeben, wogegen er sich geweigert hatte. Auch hatten sowohl er als auch seine Begleiter sich lautstark geweigert, ihre Ausweise vorzuzeigen.

Laut und bedrohlich

Stattdessen, so die Zeuginnen, seien sie von den Begleitern des Angeklagten übel beschimpft und bedroht worden. Es sei so laut und bedrohlich geworden, dass auch einige männliche Mitarbeiter hinzugekommen seien, die sich dann aber wohl aus Angst wieder zurückgezogen hätten. Die beiden jungen Frauen standen mit klopfenden Herzen selbst ihren Mann, bis die Polizei eintraf.

Ein Polizeibeamter bestätigte, dass es bei seinem Eintreffen im Büro der jungen Detektivin noch „recht laut“ hergegangen sei. Den 21-Jährigen habe man später auf einer kleinen Straße in Richtung Friedingen erwischt. Die gestohlene CD-ROM fanden die Beamten auf dem Parkplatz des Marktes in der Nähe der Einkaufswagen.

100 Stunden gemeinnützige Arbeit

Warum er sie überhaupt geklaut hatte, konnte der 21-Jährige nicht mehr sagen. Er habe ja genug Geld dabei gehabt, meinte er. Vielleicht sei er ja auch noch ein bisschen unter Drogeneinfluss gestanden. Der bereits vor allem wegen mehrerer Drogendelikte vorbestrafte 21-Jährige soll als Bewährungsauflage 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.