Singen – Die Mitarbeiter von Georg Fischer in Singen gingen gestern Nachmittag angespannt und skeptisch zur Betriebsversammlung, denn die Nachricht kam für viele überraschend: Sie arbeiten jetzt nicht mehr bei Georg Fischer, sondern bei dem neu gegründeten Unternehmen Fondium B.V. & Co. KG. Damit geht in Singen eine über 100-jährige Firmengeschichte zu Ende. Deshalb war die Reaktion auf diese Neuigkeit auch eher verhalten, vonseiten der Betriebsräte verhalten optimistisch. "Ich fühle mich ein bisschen wie vor den Kopf gestoßen und muss das erstmal verdauen", sagte ein Mitarbeiter.

Neuer Eigentümer macht Mut

Achim Schneider, einer der drei neuen Eigentümer und Sprecher von Fondium, machte bei der Versammlung den Mitarbeitern Mut, den Unternehmenswechsel positiv anzugehen und mitzugestalten: "Wir wollen Eisenguss gemeinsam neu denken." Er stellte seine beiden Mitstreiter Arnd Potthoff aus Mettmann und Matthias Blumentrath aus Steißlingen als langjährige Führungskräfte von GF vor, denen die Zukunft der beiden Standorte mit rund 2000 Mitarbeitern am Herzen liegt. Er erklärte auch, dass sie sich für die Mitarbeiter und den Standort verantwortlich fühlten und in Zukunft schneller, schlanker und unabhängig vom GF-Konzern agieren könnten. Die Herausforderung sei es, trotz der Konkurrenz außerhalb Europas, wettbewerbsfähig in einem nicht wachsenden Markt zu sein: "Wir müssen schauen, dass wir unser Geld verdienen."

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Eine Strategie konnte Schneider noch nicht vorstellen. Er sicherte aber auf Nachfrage allen Mitarbeitern zu, dass die Verträge ihre Gültigkeit behalten. Die neuen Geschäftsführer wollen eine Unternehmenskultur der Offenheit, der kurzen Wege und dass die Mitarbeiter in Zukunft "voller Freude und Stolz" zur Arbeit kämen. Carlos Vasto, Chef der GF Casting Solutions, erklärte den Grund für den Verkauf der beiden Eisengiessereien Singen und Mettmann: Die Erwartungen an die Gewinne seien mit diesen Strukturen nicht zu erreichen. Er sicherte die Unterstützung von GF vor allem im Bereich Produktentwicklung zu. Der Konzern werde für die Übergangsphase 20 Prozent des neuen Unternehmens halten und er bleibt auch, auf Nachfrage eines Mitarbeiters, Eigentümer des Geländes und der Hallen. Die Anlage gehören den neuen Eigentümern.

Betriebsräte sehen Entwicklung positiv

Die Betriebsräte nahmen die einschneidende Veränderung positiv auf und sehen sie als Chance. "Das ist auf jeden Fall positiv und ich kann nur sagen: Hut ab, dass die Drei das machen", erklärte Michael Spannbauer, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. Betriebsrat Jürgen Bausch sieht im neuen Unternehmen eine Chance, die Abwärtsspirale, in der sich die Eisengiesserei befand, zu durchbrechen. "Wir hatten Ergebnisprobleme, der Konzern musste zuschießen", erklärte er. Das hätte früher oder später zu einer Veränderung geführt. Auch Betriebsratsvorsitzender Thomas Fischer war klar, dass etwas passiert: "Die Zeichen waren schon seit Mai da." Pasquale Salatino ist seit 42 Jahren im Betrieb und geht in einem Jahr in die passive Altersteilzeit. Er sieht die Entwicklung aufgrund seiner langjährigen Erfahrung kritisch. Er mache sich Sorgen um die Zukunft der jüngeren Mitarbeiter.