Vielleicht schon zum nächsten Kindergartenjahr könnte es in der Gemeinde Rielasingen-Worblingen einen Waldkindergarten geben. Zwei potenzielle Betreiber haben dem Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung ihre Konzepte vorgestellt für die immer populärer werdende Betreuungsform im Wald.

Andere Persönlichkeiten

Kinder würden sich in einem Waldkindergarten zu anderen Persönlichkeiten als jene in einer festen Einrichtung untergebrachten Kinder, sagte Silke Schuh, die beim Regionalverband Oberschwaben/Bodensee der Johanniter Unfall-Hilfe zuständig ist für die Kitaverwaltung. „Kinder aus dem Waldkindergarten sind die typischen späteren Klassensprecher, die Verantwortung übernehmen können“, betonte sie. Die Erziehung in der Natur und in der Erfahrung mit dieser lehre den Kindern ein angemessenes Sozialverhalten und eine andere Denkweise.

An einem solchen Ort kann im Wald der Morgenkreis stattfinden.
An einem solchen Ort kann im Wald der Morgenkreis stattfinden. | Bild: Johanniter

Den ganzen Tag im Wald

Typisch für einen Waldkindergarten ist: Die Kinder halten sich in der Regel im Wald auf. Jede Gruppe hat einen eigenen Rückzugsort, typischerweise einen beheizbaren Bauwagen. Dieser soll den Kindern bei Bedarf Schutz, Wärme und ein Wohlgefühl geben. Ein Morgenkreis kann aber auch mal auf dem Waldboden oder auf abgesägten Holzstämmen erfolgen und robuste Kleidung, den Temperaturen angepasst, benötigen die Kinder immer. Eine an die Kanalisation angeschlossene Toilette ist eher ungewöhnlich.

Großer Kita-Bedarf in der Gemeinde

Jenny Frankenhauser, Leiterin des Kinder- und Jugendförderteams der Gemeinde Rielasingen-Worblingen, hält eine solche Einrichtung grundsätzlich für sinnvoll, auch, um damit kurzfristig auf den Bedarf an Betreuungsplätzen reagieren zu können. Denn aktuell seien die Kapazitäten in den Kinderhäusern voll ausgelastet.

Anbieter: Johanniter und MRK

Während die Johanniter einen Waldkindergarten mit zwei Gruppen für Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt, alternativ eine Kindergartengruppe und eine betreute Spielgruppe für Kinder unter drei Jahren vorstellten, würde der zweite Anbieter einen anderen Weg gehen. Dabei handelt es sich um die MRK Mehr Räume für Kinder gGmbH, die bereits in Worblingen mit der Kita Wirbelwind ansässig ist. Marko Kaldewey vertrat die Einrichtung vor dem Gemeinderat. MRK wolle mit einer Waldkindergartengruppe starten.

Haben ihre Pläne vorgestellt (hinten von links): Erich Scheu und Silke Schuh von den Johannitern, Marko Kaldewey von MRK, zudem die Kindergartenbeauftragte der Gemeinde, Jasmin Kroner (vorne) informieren über die Möglichkeiten eines Waldkindergartens.
Haben ihre Pläne vorgestellt (hinten von links): Erich Scheu und Silke Schuh von den Johannitern, Marko Kaldewey von MRK, zudem die Kindergartenbeauftragte der Gemeinde, Jasmin Kroner (vorne) informieren über die Möglichkeiten eines Waldkindergartens. | Bild: Sandra Bossenmaier

Halbes Jahr Vorlaufzeit

Der Vorteil eines Wald- oder Naturkindergartens ist zum einen die schnelle Umsetzung. Laut den Experten ist eine passende Umgebung inklusive Bauwagen und den nötigen Infrastrukturen in etwa einem halben Jahr geschaffen. Und das zu erheblich geringeren Kosten gegenüber einer fest gebauten Kita.

Gemeinderat ist aufgeschlossen

Der Gemeinderat nahm die Konzepte positiv auf. Ein Waldkindergarten ergänze das vorhandene Angebot, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Volkmar Brielmann. Es sei wichtig für Kinder und Eltern, sich draußen aufzuhalten. Und vor einer Komposttoilette bräuchte man keine Angst haben, begrüßte auch Dagmar Eisenhart von den Grünen dieses Projekt.

Jetzt geht es an die Standortsuche

Das Gremium beauftragte die Gemeindeverwaltung, das Thema weiter zu bearbeiten, um entsprechende Konzepte zu entwickeln und gemeinsam mit den potentiellen Anbietern, Grundstückseigentümern, Fachleuten aus der Forstwirtschaft und Jagdpächtern einen geeigneten Standort zu bestimmen.

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