Zu ihrem 18. Geburtstag darf Naemi Haas sich dann ihren eigenen Gin brauen. Ihre alkoholischen Getränke sind schon preisgekrönt, obwohl sie selbst offiziell noch gar nicht trinken darf: Naemi braut mit ihrem Vater Andreas Haas in Worblingen besondere Brände, die zuletzt bei der internationalen Edelbrand-Meisterschaft mit Silbermedaillen ausgezeichnet wurden. Das Duo hat in den vergangenen Jahren ein besonderes Hobby etabliert und das Angebot deutlich gewandelt: Statt in vierter Generation weiter auf Industriealkohol zu setzen, brennen sie nun Genussmittel. Und das im Nebenerwerb, wenn der Vater nicht gerade als Schlosser arbeitet oder die Tochter zur Schule geht. „Wir sind das kleinste Licht am Brennerhimmel“, sagt Andreas Haas bescheiden. Umso größer sei die Freude über die internationale Auszeichnung.

Nächstes Projekt wächst in Omas Garten: Rote Bete

Die Zutaten für die künftigen Werke des Duos wachsen bereits im Garten ihrer Großeltern und Großtante: Rote Bete sollen neben den üblichen Marillen, Birnen oder Pflaumen für Abwechslung im Obstler-Regal sorgen. 20 Hektar bewirtschaftet die Familie, einiges Obst stammt aber auch von einem befreundeten Landwirt aus der Ortenau. „Wir brauchen 800 Kilogramm Rote Bete“, erklärt Naemi Haas nüchtern, nachdem ihr Vater von den kulinarischen Vorzügen der Knolle schwärmt. Darf man das Gemüse dann überhaupt noch essen? „Ja klar, ein kleiner Prozentsatz darf auf den Teller wandern“, sagt Andreas Haas lächelnd. So streng seien sie da nicht. Auch der Rote-Bete-Brand soll später eher gegessen als getrunken werden: In der Gastronomie gebe das beispielsweise aufgesprüht bei Salaten einen besonderen Geschmack.

Im Garten wächst schon das Material für das nächste Experiment: Rote Bete.
Im Garten wächst schon das Material für das nächste Experiment: Rote Bete. | Bild: Arndt, Isabelle

Brennen in vierter Generation. Aber ganz anders als früher

Alkohol zu brennen, liegt in der Familie. Schon mit seinem Opa stand er damals vor der Destillationsanlage, erinnert sich Andreas Haas. „Im Winter hat man immer gebrannt.“ Allerdings nicht zum Verzehr, denn genutzt wurden minderwertige Früchte und das hochprozentige Ergebnis wurde als Industriealkohol verkauft. Heute werden ausgewählte Früchte zu Bränden für Genießer verarbeitet, die vor Ort oder online eine Flasche bestellt haben. „Wir setzen seit einigen Jahren auf Aroma statt Masse“, erklärt Haas. Als Beispiel nennt er Birnenbrand: Aus 150 Litern der vollreifen Frucht werden rund 14 Liter Brand. Per Hand wird das Obst dafür halbiert, vom Gehäuse befreit und zu einem Mus verarbeitet, das dann für mehrere Wochen destilliert wird.

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Naemi ist auch für die Gestaltung verantwortlich

Vor zehn Jahren haben Haas‘ dafür in eine neue Anlage investiert, seitdem tüfteln sie immer weiter an Geschmack und Sorten. Die Edelbrennerei startete klassisch mit Williamsbirne und Mirabelle, inzwischen sind auch verschiedene Pflaumen und Quitte im Programm und jüngst kam ein Gin dazu. Die Gestaltung der Flaschen ist Tochter Naemi zu verdanken: Statt der anfangs klassischen, hohen Flaschen gibt es den Brand inzwischen in schwarzen Flaschen mit selbst illustriertem Etikett. Es zeigt einen Hasen. Naheliegend, wenn man Haas heißt und der Opa früher Hasen züchtete.

Der ersehnte Gala-Abend wurde abgesagt

Mit der Teilnahme an der Destillata hat Andreas Haas sich einen Traum erfüllt. Menschen schicken dafür aus aller Welt Proben nach Österreich, in diesem Jahr waren es laut Haas rund 1600. Knapp 400 davon wurden prämiert, drei davon wurden in Worblingen produziert. Einmal wollte er mit seinen Bränden so sehr punkten, dass er mit seiner Frau zum Gala-Abend nach Österreich reisen kann, schildert Haas. Das gelang. Doch der Gala-Abend wurde wegen des Coronavirus abgesagt. Und so wurden die Silbermedaillen nicht feierlich überreicht, sondern kamen per Post. Die Freude bleibt: „Wir können uns mit den großen Brennereien messen – das ist eine riesen Bestätigung“, sagt Andreas Haas.

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Rote Bete, Mispel oder Absinth: Die nächsten Projekte warten schon

Bis zur nächsten Meisterschaft will die Familie weiter probieren. Auch Naemi darf mit ihren 17 Jahren von dem Genussmittel kosten – „ganz wenig“, wie sie sagt. Sie kann sich gut vorstellen, nach dem Abitur Weintechnologie-Management zu studieren und hauptberuflich mit Bränden zu arbeiten. Bis dahin testet das Duo neben dem Rote-Bete-Brand auch ein Destillat mit Mispel und einen Absinth. „Das wollte ich immer mal machen“, sagt Andreas Haas zu dem meist giftgrünen Getränk.

Auch ein Gin werde derzeit noch produziert. Dabei würden kleine Mengen mit verschiedenen Aromastoffen immer wieder miteinander kombiniert, bis ein leckeres Ergebnis herauskommt. Und wenn es nicht klappt, könne man es immer noch umbrennen und der Industrie anbieten. Doch das komme glücklicherweise selten vor.

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