Hinter dem Turnverein Rielasingen 1900 (TVR) liegt ein Marathon in der Disziplin Mitgliederversammlung. Da im letzten Jahr wegen Corona keine Versammlung hatte stattfinden können, wurden nun gleich zwei Versammlungen in Folge, die des letzten und des aktuellen Jahres, mit rund 50 Teilnehmern online abgehalten.

Das könnte Sie auch interessieren

Es waren zwei bewegte Jahre für den Verein. Weil die ehemalige Vorsitzende Doris Weiler im Jahr 2019 nicht noch einmal zur Wahl angetreten war, stand der Verein zwei lange Jahre ohne ersten Vorstand da. Sie hatte dies rechtzeitig bekannt gegeben, dennoch war es bis vor kurzem nicht gelungen einen geeigneten Nachfolger zu finden. Das änderte sich jetzt: Marianne Heimberg wurde in der Mitgliederversammlung für zwei Jahre zur ersten Vorsitzenden gewählt und erhielt dafür von Barbara Kammerer, die selbst 16 Jahre lang dieses Ehrenamt bekleidete, einen virtuellen Blumenstrauß. Heimberg erklärte sich bereit, das verantwortungsvolle Ehrenamt zu übernehmen. „Ich möchte dem Verein endlich etwas von dem zurückgeben, was ich in all den Jahren Positives erfahren habe“, hofft sie, dem Anspruch gerecht zu werden. „Gerne hätte ich Jüngeren den Vortritt gelassen“, erklärt die 65-jährige Heimberg im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Doch die jahrelange Suche nach jemand Passendem, der gerne dieses Amt übernommen hätte, war erfolglos geblieben. Sie hänge am Turnverein und dessen Zukunft sei ihr wichtig. „Ich möchte für den Verein da sein und helfen, wo es mir möglich ist“, so die neue Vorsitzende, die dabei auf die Unterstützung der restlichen Vorstandschaft setzt. Denn sie selbst sagt von sich, noch in dieses Amt hineinwachsen zu müssen. Doch gemeinsam als Team könne man den Verein weiter voranbringen, unter anderem neue Mitglieder gewinnen, die Menschen zu mehr Bewegung und Sport motivieren und ihnen einen guten Zugang zum Verein bieten. Denn all das komme während der Corona-Pandemie zu kurz.

Die neue Vorsitzende des TVR Marianne Heimberg stellt sich während der virtuellen Mitgliederversammlung vor.
Die neue Vorsitzende des TVR Marianne Heimberg stellt sich während der virtuellen Mitgliederversammlung vor. | Bild: Sandra Bossenmaier

Die schlanke und sportliche Frau leitet vier Gymnastikgruppen. Aufgrund der Einschränkungen durch Corona verlegte die ausgebildete Übungsleiterin ihre Kurse ins Netz. Das sei gut, es sei besser als nichts und mache Spaß, sagt sie. Aber gewöhnungsbedürftig sei es schon, in ein Laptop hineinzurufen, ergänzt sie und schmunzelt dabei. Denn auch Späßchen machen gehöre zum Turnen für sie einfach dazu. „Mindestens einmal muss in meinem Kurs herzhaft gelacht werden“. Marianne Heimberg pflegt den Kontakt zu den Teilnehmern ihrer Kurse. Sie wolle nicht nur die Muskeln und die Kondition trainieren, sondern auch die Psyche. „Barbara Schoch hat mich zum Turnverein gebracht“, blickt Marianne Heimberg ein paar Jahrzehnte zurück. Im Jahr 1988 wurde sie von der damaligen Oberturnwartin Schoch zum Kinderturnen mitgenommen, wo sie sofort mithalf. Mit den dort gesammelten Erfahrungen und der Freude am Sport ließ sie sich dann zur Trainerin ausbilden und übernahm eigene Kurse.

Das könnte Sie auch interessieren

„Die Überschrift für das Jahr 2020 müsste nicht Bericht, sondern Hygienekonzept heißen“, eröffnete Thomas Welte als kommisarrischer TVR-Chef die Versammlung. Corona habe das Vereinsleben beherrscht. Wie aus den Berichten der Abteilungen, die auf der Homepage des TVR nachgelesen werden können, zu entnehmen war, liegt ein eher unsportliches Jahr hinter dem Verein. Nach dem sportlich erfolgreichen Jahr 2019 kam im März 2020 der Stopp. In dieser Zeit entwickelte der Verein immer wieder neue Angebotsformen. Aktuell werden 17 Onlinekurse angeboten, die für jedermann, also auch für Nichtmitglieder, nutzbar sind. Leider war es aber nicht für jede Gruppe gelungen, ein passendes Format zu finden. Und Corona schmerzt den Verein weiter: Trotz aller Bemühungen muss einen Schwund von 239 Mitgliedern innerhalb zwei Jahren verkraftet werden. Diese seien krankheits- und altersbedingt aus dem Verein ausgetreten, größtenteils aber wegen Corona, so Finanzverwalterin Sabine Wieland. Und Corona habe den Verein Geld gekostet. Neben Mindereinnahmen bei den Mitgliedsbeiträgen musste Geld für Desinfektionsmittel, Tücher oder Webcams ausgegeben werden. Trotz allem hat der Verein stabile Finanzen. Die von Sabine Wieland erklärten Zahlen präsentierten solide Ergebnisse mit ordentlichen Einnahmenüberschüssen für beide Jahre.

Eine Ehrung ist aktuell nur aus der Ferne möglich: Ursula Wieland ist 70 Jahre Mitglied des TVR.
Eine Ehrung ist aktuell nur aus der Ferne möglich: Ursula Wieland ist 70 Jahre Mitglied des TVR. | Bild: Sandra Bossenmaier

Erfreuliches gab es am Ende der Onlineveranstaltung. Für 70 Jahre Mitgliedschaft wurde Ursula Wieland geehrt, für 50 Jahre Mitgliedschaft Hildegard Ihrig, Manfred Wehmeyer und Heidrun Walheim.