Gegenwind droht, falls die Museumsbahnstrecke Singen-Rielasingen-Etzwilen reaktiviert werden sollte. Dies machten Anlieger der Strecke und die Wortmeldung von Diana Simmen in der jüngsten Ratssitzung in Rielasingen-Worblingen deutlich. Simmen machte der Gemeindeverwaltung den Vorwurf, sie beim Kauf ihres Hauses nahe der Gleise nur darüber informiert zu haben, dass dort eine nur selten befahrene Museumsbahn-Strecke verlaufe. Ihr sei aber nicht gesagt worden, dass diese Strecke niemals entwidmet worden sei und so – wie es Bürgermeister Ralf Baumert in seiner Gegenrede erklärte, wieder reaktiviert werden könnte. Zustimmende Zurufe aus der Bürgerschaft machten klar, dass andere Anwohner die Sache genauso sehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Landesregierung betrachtet die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken als einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Fahrgastnachfrage im öffentlichen Personennahverkehr. Sie hat 42 Strecken auf ihr Reaktivierungspotential untersuchen lassen. Das Gutachten bilanziert der Etzwiler Bahn 2670 Einsteiger. Wie diese Zahl zu Stande komme, erschließe sich ihm momentan nicht, so Baumert. Er habe noch keinen Einblick in das Gutachten bekommen und stehe wegen der möglichen Reaktivierung auch mit Singens Oberbürgermeister Bernd Häusler in Kontakt. Die Bahnstrecke mit ihren intakten Gleisen habe bei diesen prognostizierten Einsteiger-Zahlen ein hohes Potential, wieder in Betrieb genommen zu werden, so Baumert. Man stehe jedoch ganz am Anfang eines langwierigen Prozesses mit ungewissem Ausgang – zumal ja auch die Kantone Schaffhausen und Thurgau involviert seien. Es seien viele Fragen offen. „Sie werden noch viele Gelegenheiten haben, sich und Ihre Einwendungen einzubringen,“ so der Bürgermeister. Er gehe davon aus, dass nun in einem nächsten Schritt eine Machbarkeitsstudie erarbeitet werde.

Die Betreiber der Museumsbahn Singen-Etzwilen erinnern an ihr großes Engagement zum Erhalt der Schienenstrecke und mahnen, dass der Dampfzugbetrieb auch in Zukunft möglich sein muss. Bild: Sabine Tesche
Die Betreiber der Museumsbahn Singen-Etzwilen erinnern an ihr großes Engagement zum Erhalt der Schienenstrecke und mahnen, dass der Dampfzugbetrieb auch in Zukunft möglich sein muss. Bild: Sabine Tesche

Die Eigentümer der Bahnstrecke von den gemeinnützigen Stiftungen zum Erhalt von Hemmishofe Brücke und Bahnstrecke signalisieren zwar Unterstützung für die Pläne und plädieren auf der nie elektrifizierten Bahnlinie für den Einsatz von Brennstoffzellen-Triebwagen. Vorstellbar sei, dafür in Ramsen oder Rielasingen eine Wasserstoff-Tankstelle zu errichten. Platz bestünde gar für Container-Lösungen, mit denen ein großer Teil des Wasserstoffs dank Photovoltaik klimaneutral abgetrennt werden kann. „Wir werden dazu Hand bieten“, heißt es in einer Stellungnahme der Stiftung. Doch es gibt auch Kritik. „In der angelaufenen Diskussion werden leider die langjährige ehrenamtliche Arbeit der Initianten und Stiftungsräte sowie die eigentumsrechtlichen Verhältnisse an Bahnlinie Rheinbrücke ausgeblendet oder ignoriert“, schreibt Stiftungsvizepräsident Christoph Brändli. Einzig die Stiftungen hätten den Erhalt von Bahnlinie und Rheinbrücke, die einst nach den Ideen des Ingenieurs Eiffel konstruiert wurde, gewährleistet. „Wir stehen dem Projekt S-Bahn Singen-Rielasingen-Ramsen-Hemishofen-Etzwilen sehr positiv gegenüber. Doch kann dies nur zugelassen werden, wenn der Museumsbahnbetrieb auch weiterhin möglich bleibt“, betont Brändli. 2007 sei die Bahnlinie Dank erheblicher Spenden des Präsidenten Giorgio Behr erworben worden. Auch ein erheblicher Anteil der Kosten für die Wiederherstellung der vom Volksbank-Kreisel unterbrochenen Verbindung zum Hauptbahnhof Singen sei so finanziert worden. Überdies seien jahrelange Verhandlungen notwendig gewesen, bevor im August der durchgehende Museumsbahnbetrieb von Stein am Rhein über Etzwilen bis nach Singen endlich aufgenommen werden konnte.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Verein zur Erhaltung der Bahnlinie Etzwilen Singen (VES) organisiert die öffentlichen Fahrtage und bietet auch die beliebten Fahrten mit den Velo-Draisinen von Ramsen zur Rheinbrücke an. Die Stiftung SEHR & RS als Inhaberin von Infrastruktur, Konzessionen und alleinige Betreiberin der Linie stehe der Nutzung ihrer Bahnstrecke für den öffentlichen Schienenverkehr positiv gegenüber und habe in seinen Statuten gar das Ziel, auf die Wiedereinführung des Personenverkehrs hinzuwirken. Die nötigen Investitionen könnten von der Stiftung aber nicht getragen werden. „Hier ist die öffentliche Hand gefordert“, so Brändli. Auch dürfe der Museumsbahncharakter nicht beeinträchtigt werden. Zudem müssen der öffentliche Museumsbahnbetrieb an den Fahrtagen sowie Sonderfahrten mit Extrazügen weiterhin möglich sein. Zahlreiche Beispiele im Ausland zeigen, dass dies möglich wäre.

Vier Aspekte rund um die Museumsbahn

  1. Die Verhältnisse: In den rund 14 Jahren seit Gründung der beiden Stiftungen (bzw. 19 Jahre seit Gründung des VES) und somit dem Beginn der Arbeiten für den Erhalt der Bahnstrecke sowie der Aufnahme des Museumsbahnbetriebes wurden viele, auch historisch wertvolle Arbeiten durch engagierte Freiwillige geleistet. In Hemishofen wurde das Empfangsgebäude sorgfältig restauriert. Im Erdgeschoss wurde ein kleines Bahnmuseum errichtet. In Ramsen, wo das abgebrannte Empfangsgebäude durch den ehemaligen Güterschuppen mit Doppelgiebel aus Henggart ersetzt worden ist, ist ein kleines Heimatmuseum eingerichtet.
  2. Die Zukunft: In Etzwilen plant die Stiftung eine neue Remise auf ihrer Gleisanlage mit der historischen Drehscheibe. Dies würde es ermöglichen, in Etzwilen ein oder gar zwei Dampflokomotiven zu stationieren, wie die initiatoren mitteilen, und so den Museumsbahnbetrieb auf einen Fahrtag je Monat von Frühling bis Herbst auszubauen. Dies sollte bei der Reaktivierung berücksichtigt werden. Auch in Zukunft soll das historische, sehr schöne und original erhaltene Empfangsgebäude des Bahnhofs Rielasingen/Arlen genutzt werden, unter anderem als Arztpraxis. So soll der Bestand finanziell gesichert bleiben.
  3. Die Unterstützer: In Rielasingen wurde dieses Jahr ein gemeinnütziger Museumsbahnverein gegründet. Dieser Verein und die gemeinnützige Stiftung zum Erhalt der Schienenstrecke Stein, etzwilen, Hemishofen und Ramsen ind der schweiz so wie Eielasingen und Singen (SEHR & RS) sind auf die finanzielle Unterstützung durch Private, Unternehmen, Stiftungen und die öffentliche Hand angewiesen. Sie erfüllen dank der Arbeit von Freiwilligen – wie es in der stellungnahme der Stiftung heißt – wichtige Aufgaben zur Erhaltung eines Kulturgutes, eines Zeugen der industriellen und verkehrstechnischen Entwicklung in der Region.
  4. Die Literatur: Werner Wocher, der bereits eine Veröffentlichung zur einstigen Randenbahn zwischen Singen und Beuren am Ried herausgegeben hatte, hat nun ein Buch mit Geschichte und Geschichten, Bildern, Zeichnungen rund um die Bahnlinie mit ihren Gleisanlagen und Einrichtungen geschrieben. Unterstützt von der Kulturförderung des Kantons Schaffhausen entstanden 235 Seiten im Hochglanzdruck. Erhältlich beim Autor und Verleger Werner Wocher, Bahnstrasse 47, im schweizerischen Langwiesen.

Mehr Info im Internet unter:
http://www.buchshop-etzwilen-singen.http://ch