Nach 38 Jahren Jugendmusikschule Westlicher Hegau wurde Hermann Gruber offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Mit seinem verlässlichen und ausgeglichenen Wesen hatte der langjährige stellvertretende Musikschulleiter den Takt zur Entwicklung der Musikschule begleitet. Der Mann, der sonst gerne lieber in der zweiten Reihe sitzt, wurde nun aber zum Mittelpunkt einer feierlichen Stunde im Kulturpunkt Arlen, seiner Heimatgemeinde.

Eigentlich hätte er bereits ein Jahr eher in den Ruhestand wechseln können, hatte dies aber auf Bitten des Schulträgers um ein Jahr verschoben. Denn mit dem Abschied von Musikschuldirektorin Ulrike Brachat zum Jahresende 2019, die ebenfalls in den Ruhestand wechselte, wäre der Wegfall ihres Stellvertreters Hermann Gruber ungünstig gewesen.

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Ein zusätzliches Jahr für Hermann Gruber, welches auch für die Jugendmusikschule viele Probleme mit sich gebracht hatte, wie der erste Vorsitzende der Musikschule Franz Moser, berichtete. Bei der Wahl der Nachfolge von Ulrike Brachat hätte man kein glückliches Händchen gehabt. Umso dankbarer äußerte sich Moser darüber, dass inzwischen Arpad Fodor die Musikschule kommissarisch leitet. Corona und damit auch finanzielle Sorgen und in Folge dessen verunsicherte Lehrkräfte, die um ihren Arbeitsplatz gebangt hatten, prägten die zurück liegenden Monate. Gemeinsam hätte man bisher alles gut gelöst und überstanden, dankte Franz Moser dem Neu-Ruheständler. Dieser selbst zeigte sich gerührt von den vielen Loben und Dankesworten, die ihm an seiner offiziellen Verabschiedung, zu der die engsten Freunde, Familie, Förderer, Kollegen und Bürgermeister der Trägergemeinden gekommen waren, entgegengebracht wurden. Er gab zu, ein bescheidener Mensch zu sein, aber an diesem Tag wolle er möglichst unbescheiden sein und alle Lobe und Geschenke annehmen. Dies tat er jedoch nicht ohne selbst reichlich seinen Weggefährten und der Familie, insbesondere der Ehefrau Elke, zu danken.

Blumen von Franz Moser für Elke Gruber, die den Weg des Ehemannes Hermann über 38 Jahre lang begleitete.
Blumen von Franz Moser für Elke Gruber, die den Weg des Ehemannes Hermann über 38 Jahre lang begleitete. | Bild: Sandra Bossenmaier

Der heutige Rentner hatte an der Musikhochschule in Freiburg ein Studium in Klavier und Schulmusik absolviert. Außerdem hat er das erste Staatsexamen für den Schuldienst am Gymnasium abgelegt. Im Jahr 1985 wurde Hermann Gruber auf Vorschlag von Ulrike Brachat zum stellvertretenden Musikschulleiter ernannt, seine Stundenzahl erhöhte sich stetig weiter auf ein Mehrfaches seines zu Beginn festgelegten Umfanges. Wer sein Nachfolger wird, muss die Zukunft weisen, nachdem der gewählte Nachfolger Arpad Fodor bereits zum kommissarischen Chef befördert werden musste.

„Ungelogen: Hermann Gruber ist ein Superheld!“ Arpad Fodor präsentierte sich als launiger Festredner, immerhin war es seine erste offizielle Ansprache in seiner neuen Funktion als kommissarischer Musikschulleiter. Woran er diesen Superhelden erkannt hatte, verriet er den Gästen. Auffällige, hautenge Anzüge würde dieser nur ganz selten tragen, meist trage Gruber diskrete und bescheidene Kleidung und sogar Wanderschuhe. „Er ist mutig, willensstark, herzlich und hartnäckig, kämpferisch und immer auf das Wohl der Mitmenschen bedacht“, verriet Fodor die Merkmale seines Vorgängers. Dieser Superheld hätte gegen Ungerechtigkeit und fiese Feinde, manchmal sogar gegen Drachen und für seine Gesundheit gekämpft. Was Fodor an seinem ersten Arbeitstag, dieser liegt 20 Jahre zurück, teils mysteriös an Gruber vorgekommen sei, würde er heute bewundern.

Musikalische Umrahmung bei der Verabschiedung von Hermann Gruber im Kulturpunkt Arlen: Reinhilde und Werner Klinghoff mit Bora Korkmaz (v.l.), begleitet von Maria Passini am E-Piano.
Musikalische Umrahmung bei der Verabschiedung von Hermann Gruber im Kulturpunkt Arlen: Reinhilde und Werner Klinghoff mit Bora Korkmaz (v.l.), begleitet von Maria Passini am E-Piano. | Bild: Sandra Bossenmaier

„Du hast der Schule mehr als gut getan, wir werden dich vermissen“, dankte Franz Moser dem Ruheständler Gruber für seine langjährige Mitarbeit. Nach seinem Studium hätte Gruber auch einen Weg in den Schuldienst eines Gymnasiums einschlagen können, hätte sich aber für sein Herz entschieden, das ganz zur Musik schlägt. Im Laufe der Jahre war die Musikschule gewachsen und eine Schulverwaltung musste aufgebaut werden, was Hermann Gruber übernommen hatte. Für die Ehrenmusikschuldirektorin Ulrike Brachat sei er immer eine große Stütze gewesen, wie sie ausrichten ließ. Er hätte ihr viele Leitungsarbeiten abgenommen und Unannehmlichkeiten aus dem Weg geräumt. Nur so hätte sie die Möglichkeit gehabt, ihrem eigenen künstlerischen Werken so nachzukommen, wie sie es sich gewünscht hatte.

„Dein Wort war immer ausgewogen und diskussionsfähig“, resümierte Franz Moser in seiner Festrede. Die vielen Jahre der Zusammenarbeit seien immer von gegenseitigem Respekt und Achtung gezeichnet gewesen. Das Gefühl, von ihm ausgetrickst zu werden, hätte er nie gehabt. Gruber sei in all den Jahren Beichtvater und Tröster gewesen, der mit beruflicher und sozialer Kompetenz und auch mal mit ermahnenden Worten, die aufgrund seiner ausgewogenen Formulierung gehört wurden, Konflikte entkräftet hätte.

Seit August ist Hermann Gruber im wohlverdienten Ruhestand. Unter anderem nutzte er die ersten Tage als Rentner, um ein altes Klavier auseinanderzubauen.

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