Eine Aussage ist Ute Schmid besonders haften geblieben: „Die Schweizer Zöllnerin meinte, dass sie mich ermahnt und verwarnt“, erinnert sich die Frau aus Rielasingen. Das war am 1. Mai. Zu diesem Zeitpunkt waren Ute Schmid und ihr Partner schon sieben lange Wochen voneinander getrennt. „Er ist Schweizer und lebt im Kanton St. Gallen„, erklärt die pensionierte Lehrerin. Seit 16 Jahren ist das Paar zusammen. „Im Normalfall sehen wir uns spätestens jedes Wochenende“, sagt Ute Schmid.

Nachdem sie im SÜDKURIER erfahren hatte, dass die Schweiz Ausnahmen bei der Einreise für unverheiratete Paare gewähren möchte, entschloss sich Schmid, ihr Glück zu versuchen. Sie sollte es nur wenige Meter ins Nachbarland schaffen.

Barsche Abfuhr auf Schweizer Seite

„Nachdem mich der deutsche Zöllner am Übergang Rielasingen-Ramsen einfach durchgewunken hatte, wurde ich auf Schweizer Seite zunächst gefragt, ob mein Partner und ich verheiratet sind“, berichtet sie. Als sie verneinte, erhielt Ute Schmid von der bereits erwähnten Zollbeamtin eine barsche Abfuhr.

Dass die Rielasingerin eine Kopie des Ausweises ihres Partners und mehrere gemeinsame Fotos vorlegen konnte, interessierte die Beamtin nicht. „Sie hat mich darauf hingewiesen, dass ich versucht hätte, illegal in die Schweiz einzureisen, und mich direkt nach Hause geschickt.“

Auf deutscher Seite des Grenzübergangs Rielasingen-Ramsen hatte Ute Schmid freie Fahrt. Beim Aufeinandertreffen mit der Schweizer Zollbeamtin eskalierte die Situation allerdings.
Auf deutscher Seite des Grenzübergangs Rielasingen-Ramsen hatte Ute Schmid freie Fahrt. Beim Aufeinandertreffen mit der Schweizer Zollbeamtin eskalierte die Situation allerdings. | Bild: Tesche, Sabine

Besonders geärgert hat sich Ute Schmid über den Tonfall der Beamtin. Während sie selbst ruhig geblieben sei, habe die Frau sie regelrecht angeblafft. „Sie hat meinen Ausweis und mein Kennzeichen abfotografiert und mir gesagt, dass ich jetzt im System abgespeichert sei und in gar keinem Fall versuchen soll, an einem anderen Grenzübergang einzureisen. Ansonsten würde ich mit einer sechsmonatigen Einreisesperre belegt.“ Sie habe sich gefühlt wie eine Schwerverbrecherin, blickt Schmid zurück.

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In der Zwischenzeit hat sie Beschwerde eingelegt – und Antwort bekommen: „Die Behörde hat mir mitgeteilt, dass es ihnen leid tut, dass ich schlechte Erfahrungen am Ramsener Zoll gemacht habe, die Beamtin hätte aber korrekt gehandelt.“ Ute Schmid will sich damit nicht abspeisen lassen. Nachvollziehbar: Schließlich hatte die Rielasingerin zuvor bereits schriftlich eine Einreisebewilligung beantragt – ohne Antwort. „Außerdem versuche ich seit Wochen, bei der entsprechenden Hotline durchzukommen. Aber da hänge ich nur in der Warteschleife fest.“

Rührendes Wiedersehen – leider nur per Video

Aufbauender sind die regelmäßigen Telefonate mit ihrem Partner. Auf Initiative seiner Tochter habe auch schon ein Video-Telefonat stattgefunden. „Als ich ihn das erste Mal seit Wochen wieder gesehen habe, war ich doch sehr gerührt.“

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Dann am Mittwochvormittag ein weiterer Lichtblick? Ute Schmid verfolgt live am Fernsehgerät, wie Innenminister Horst Seehofer von Lockerungen der Kontrollen, sogar von einer Grenzöffnung spricht (siehe unten). Heißt das, dass sie endlich ihren Partner treffen kann?

Nach mittlerweile neun Wochen der Trennung bleibt die Rielasingerin erst einmal vorsichtig: „Meine Erfahrung hat mir gezeigt: Was in Deutschland beschlossen wird, ist noch lange nicht in der Schweiz gültig.“

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