Die Gemeinde Rielasingen-Worblingen plant schon seit einigen Jahren ein großes Neubaugebiet unterhalb des Roseneggs. Im Gewann Aufgehender sollen in mehreren Abschnitten um die hundert Häuser mit insgesamt über 300 Wohnungen gebaut werden. Der Gemeinde fehlen noch zahlreiche private Grundstücke zum Ankauf. „Das gestaltet sich sehr schwierig, zur Umsetzung des Baugebiets kann derzeit keine Aussage gemacht werden“, erklärt Ralf Baumert, Bürgermeister von Rielasingen-Worblingen. „Es gab keine Flurbereinigung in unserer Gemeinde. Deshalb sind viele Grundstück kleinteilig. Und wir müssen mit mehr als 30 Eigentümern verhandeln. Viele wollen ihr Grundstück in Zeiten von Niedrigzinserträgen erst einmal als Wertanlage behalten“, erklärt Baumert.

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Besser sieht es in Worblingen aus. Dort plant die Gemeinde im Langenäcker zwischen 33 und 41 Baufenster, je nach Aufteilung. Der Ratsbeschluss für den Bebauungsplan steht laut Baumert noch aus. „Wir sehen eine eine Mischung von Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser vor, auch einen Anteil an preisgünstigem Wohnen. Die Fertigstellung der Erschließung ist im Laufe des Jahres 2022 geplant“, schildert Baumert.

Im Worblinger Gewann Langenäcker soll es 33 bis 41 Bauplätze für Häuser verschiedener Gattungen geben.
Im Worblinger Gewann Langenäcker soll es 33 bis 41 Bauplätze für Häuser verschiedener Gattungen geben. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Weitere 17 Baufenster für Einfamilienhäuser soll es im Worblinger Unterdorf geben, verrät er. Der Gemeinderat von Rielasingen-Worblingen müsse die Grundstückspreise neu festlegen. Er rechne mit einem Betrag von 250 bis 300 Euro pro Quadratmeter Bauland.

Auch in Volkertshausen herrscht seit Jahren eine große Nachfrage nach privaten Bauplätzen. Momentan gibt es keine Grundstücke. „Die Bauplätze im neuen Wohngebiet Öhmdweg sind alle verkauft oder reserviert“, berichtet Volkertshausens Hauptamtsleiter Martin Gschlecht. „Es ist fast dramatisch, wie viel Interessenten sich für Bauplätze bewerben“, betont er.

Volkertshausen will weiteres Baugebiet ausweisen

Die Gemeinde strebe an, in absehbarer Zeit ein neues Baugebiet im Anschluss an das bestehende auszuweisen. „Die letzten Grundstücksverhandlungen laufen“, verrät Gschlecht. Der Gemeinderat werde den Grundstückspeis neu festsetzen. Derzeit betrage er 211 Euro pro Quadratmeter Baufläche für private Häuser.

„Es herrscht enormer Druck im Kessel“, beschreibt der Steißlinger Bürgermeister Benjamin Mors das riesige Interesse an Baugrundstücken. „Das Thema ist sehr emotional beladen. Wir könnten jeden Bauplatz sechs- bis siebenmal verkaufen“, verrät er. Dazu gehöre auch das idyllische Naherholungsgebiet und der Steißlinger See, aber auch eine gute Infrastruktur. Er begründet die große Nachfrage auch damit, dass Steißlingen in einer attraktiven Region liege.

Steißlingens Bürgermeister Benjamin Mors: „Es ist mächtig Dampf im Kessel.“
Steißlingens Bürgermeister Benjamin Mors: „Es ist mächtig Dampf im Kessel.“

Steißlinger Bauplätze werden jährlich verteilt

Die Gemeinde Steißlingen habe das Neubaugebiet Tal bereits vor zweieinhalb Jahren erschlossen. Die Bauplätze – jeweils etwa zehn – sollen aber nach der Entscheidung des Gemeinderats bewusst jährlich verteilt werden. „Das verhindert massive Baubelastungen für Anwohner, gibt aber auch noch nicht berücksichtigten Bauinteressenten die Möglichkeit, anderweitig ein Grundstück zu suchen oder auf persönliche Veränderungen zu reagieren, um sich dann gegebenenfalls erneut für die Vergabe zu bewerben“, begründet Mors.

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Mit einem Grundstückskaufpreis von 295 Euro pro Quadratmeter rangiert Steißlingen ganz oben auf den Hegauer Preislisten. „Der Betrag gilt schon, seit wir das Baugebiet erschlossen haben, aber auch für die noch zu vergebenden Plätze. Er ist vor allem den drastischen Kostenerhöhungen für den Tiefbau bei den Erschließungsarbeiten geschuldet, die uns schon vor Corona getroffen haben“, betont der Bürgermeister.

Die Gemeinde Steißlingen baut nahe des Ortskerns in Eigenregie ein Mehrfamilienhaus.
Die Gemeinde Steißlingen baut nahe des Ortskerns in Eigenregie ein Mehrfamilienhaus. | Bild: Gemeinde Steißlingen

In Sachen Mehrgeschoss-Wohnbau mit günstigen Mieten bietet Steißlingen eine Besonderheit. Die Gemeinde baut in Eigenregie in der Derststraße in der Nähe des Ortskerns ein Gebäude mit sieben Wohnungen zur Vermietung. „Dies können wir im Zuge eines Landesförderprogramms umsetzen. Die Gemeinde hat sich verpflichtet, 30 Jahre lang die Wohnungen deutlich unter dem Marktpreis zu vermieten. Dafür erhalten wir im Gegenzug eine satte Förderung von 600.000 Euro. Die Kosten des Gebäudes sind mit etwa 1,6 Millionen bis 1,8 Millionen Euro veranschlagt. Nun liegt der Betrag schon gut 90.000 Euro darunter“, schildert Mors. „Auch in Steißlingen gewinnt das bezahlbare Wohnen enorm an Bedeutung. Da wird sich die Gemeinde wohnpolitisch neu aufstellen müssen“, betont er.

Modalitäten für die Bauplatz-Vergabe

  • Das Punktesystem: Die meisten Städte und Gemeinden des Hegaus vergeben die privaten Bauplätze nach einem Punktesystem. Nach EU-Vorgaben und richterlichen Urteilen dürfen die ortsbezogenen Kriterien 50 Prozent der Punkte nicht übersteigen, damit nicht nur einheimische, sondern auch andere Interessenten die Möglichkeiten erhalten, einen Bauplatz zu erwerben. So sollen auch soziale Komponenten einbezogen werden.
  • So funktioniert‘s in Steißlingen: So sieht beispielsweise das Punktesystem der Gemeinde Steißlingen für die Bauplatz-Vergabe aus: Wohnhaft in der Gemeinde (für jedes Jahr 2 Punkte, maximal für 10 Jahre 20 Punkte); Arbeitsplatz in der Gemeinde (mindestens 5 Jahre, 15 Punkte); eigener Betrieb in der Gemeinde (mindestens 5 Jahre, 15 Punkte; früher in Gemeinde wohnhaft (für jedes Jahr 2 Punkte, maximal für 10 Jahre 20 Punkte) Ehrenamt/Engagement in der Gemeinde 8 Punkte. Soziale Aspekte: pro Kind (unter 18 Jahren) 10 Punkte, maximal 30 Punkte) Behinderung eines im Haushalt aufgenommenen Familienmitglieds (mindesten 80 Prozent und Pflegegrad 3) 10 Punkte; Wartezeit pro Jahr 1 Punkt (maximal 5 Punkte). Anmerkung: Bei den ortsbezogenen Punkten kann es bei manchen Kriterien, wie Arbeitsplatz oder Firma im Ort, nur einmal Punkte geben. (bit)