Zwei Sportplätze auf der Rielasinger Talwiese: Kleine und aktive Kicker beschäftigen sich in mehreren Gruppen mit ihrem Lieblingsspielgerät, dem Ball. Auf der Tartanbahn ziehen junge Leichtathleten ihre Runden. Dann ertönt eine flotte Musik aus der Lautsprecher-Anlage. Eine Damen-Formation bewegt sich geschmeidig und rhythmisch bei einem Gymnastik-Tanz. Und allen, die sich auf den beiden Plätzen tummeln, steht die Freude ins Gesicht geschrieben. Es herrscht so etwas wie fröhliche Aufbruchstimmung. Der Frust hat ein Ende. Der Amateursport darf nach der Corona-Pause wieder loslegen. Die Verbände haben Ligen und andere Wettkampfformen zwar schon längst beendet, viele Vereine nehmen aber das Training wieder auf, damit Kinder, Jugendliche und Aktive nun durchstarten können.

Endlich wieder Fußball auf der Talwiese: Die Kicker des 1.FC Rielasingen-Arlen, Tobias Bertsch (links) und Christoph Matt, fiebern dem nächsten Spiel entgegen.
Endlich wieder Fußball auf der Talwiese: Die Kicker des 1.FC Rielasingen-Arlen, Tobias Bertsch (links) und Christoph Matt, fiebern dem nächsten Spiel entgegen. | Bild: Tesche, Sabine

Tobias Bertsch und Christoph Matt standen im August 2017 mit ihrem Team im Rampenlicht, als sie mit dem 1. FC Rielasingen-Arlen gegen den Top-Bundesligisten Borussia Dortmund vor 23.000 Zuschauern im Freiburger Schwarzwald-Stadion einen mehr als achtbaren Gegner abgaben. Nach der 0:4-Niederlage feierte das Publikum die Spieler frenetisch. In den vergangenen Monaten gab es keinen Grund, in Euphorie zu verfallen. Corona hatte die Akteure und das Trainerteam um Chef Michael Schilling ausgebremst. Kein Training auf dem Platz, keine Spiele. Und kein Kontakt mit dem Publikum, den die Spieler so gerne suchen.

Endlich wieder mit Spaß am Fußball auf der Talwiese dabei: Die Kicker des 1.FC Rielasingen-Arlen, Tobias Bertsch (links) und Christoph Matt, fiebern schon dem nächsten Spiel entgegen.
Endlich wieder mit Spaß am Fußball auf der Talwiese dabei: Die Kicker des 1.FC Rielasingen-Arlen, Tobias Bertsch (links) und Christoph Matt, fiebern schon dem nächsten Spiel entgegen. | Bild: Tesche, Sabine

„Das war schon sehr bitter. Es ist umso ein schöneres Gefühl, wieder auf dem Spielfeld gemeinsam trainieren zu können. Beim ersten Mal bekam ich fast so eine Gänsehaut, wie beim Spiel in Freiburg, dass ich mir in der trostlosen Zeit mehrfach nochmals in voller Länge angesehen habe“, sagt Christoph Matt. Er habe aber die Zeit genutzt, um sich in seine neue Tätigkeit als Verkäufer eines Sportartikel-Ausstatters einzuarbeiten.

„Nicht nur der Sport hat mir gefehlt, auch die sozialen Kontakte. Eine solche Abstinenz führt auch zur Einsamkeit. Wir konnten das Training seit kurzem wieder aufnehmen, mussten uns aber vor jeder Einheit testen lassen. Dies konnten wir direkt neben dem Clubheim im Testzentrum machen“, erklärt Tobias Bertsch. Kürzlich hat Tobias Bertsch seine Lebensgefährtin Hayley Smith geheiratet. Die frühere Neuseeländerin hatte eine Film- und Bild-Dokumentation rund um den Pokalhit gegen Dortmund unter dem Titel „Das Spiel des Lebens“ initiiert. Sie wurde damals vor etwa 200 begeisterten Vereinsmitgliedern aufgeführt.

Das könnte Sie auch interessieren

Der 1. FC Rielasingen-Arlen hat auch nach der beendeten Oberliga-Saison noch viel vor. Die Mannschaft reist am Freitag, 18. Juni, in den Schwarzwald, um im Friedengrund-Stadion gegen den FC Villingen 08 im Viertelfinale des Südbadischen Pokals anzutreten. Der Sieger des gesamten Wettbewerbs zieht in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals ein. „Wir haben uns durch Joggen fitgehalten. Als gegenseitigen Beweis, dass wir auch tatsächlich zweimal in der Woche gelaufen sind, haben wird das gefilmt“, schildert Christoph Matt.

Sonja Noll freut sich, dass alle Frauen beim Zumba-Tanz weiter mitmachen.
Sonja Noll freut sich, dass alle Frauen beim Zumba-Tanz weiter mitmachen. | Bild: Tesche, Sabine

Auf derselben Sportanlage schlägt eine Tanzformation auf. Leiterin Sonja Noll gibt die Bewegungen des Zumba-Tanzes im lateinamerikanischen Stil vor. Eine Stunde lang ist harte Ausdauer gefragt. Die Teilnehmerinnen gemischten Alters führen die rhythmischen Bewegungen angestrengt, aber mit viel Spaß an der Sache aus. „Es ist der erste Kurs im Freien. Während der Corona-Pause haben wir die Kurse zweimal pro Woche per Online ausgeführt. Auch ein Angebot für die Kindergruppe. Der Turnverein Rielasingen, zu dem wir gehören, hat uns eine Kamera für eine Live-Schalte aufgebaut“, verrät Sonja Noll.

„Es ist erfreulich, dass alle Frauen bis auf einige, die weggezogen sind, uns treu geblieben sind“, betont sie. „Die Gruppe werde bei einer weiteren Lockerung wieder in die Halle tanzen, bei den derzeitigen Einschränkungen könnte aber nur ein Teil der Frauen mitmachen. Es sei prächtig, mitanzusehen, wieviele verschiedene Menschen aller Altersklassen nun auf der Talwiese die unterschiedlichsten Sportarten ausüben, so Sonja Noll.

Vereinsvorsitzender und Junioren-Trainer Christian Schopper freut sich zusammen mit seinen kleinen Schützlingen, dass der SC Gottmadingen-Bietingen wieder wie auf dem Katzental mit allen Mannschaften trainieren darf.
Vereinsvorsitzender und Junioren-Trainer Christian Schopper freut sich zusammen mit seinen kleinen Schützlingen, dass der SC Gottmadingen-Bietingen wieder wie auf dem Katzental mit allen Mannschaften trainieren darf. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Auch der Vorsitzende des Sportclubs (SC) Gottmadingen-Bietingen, Christian Schopper, findet die Welt seit Montag wieder ein großes Stück weit in Ordnung. Auf den beiden Spielfeldern im Katzental tummeln sich vor allem die Nachwuchskicker mit großem Spaß und Eifer. Die altehrwürdige Tribüne bleibt noch unbesetzt. Vorstandsmitglieder des SC Gottmadingen-Bietingen hatten das baufällige Holz-Konstrukt im vergangenen Sommer aufwändig renoviert. „Wir sind alle froh und glücklich, wieder auf dem Fußallplatz gemeinsam trainieren zu können. Das gilt vor allem für die Kinder und Jugendlichen. Aber auch unsere Aktiven treffen sich mit großer Freude, um wieder Fußball spielen zu können“, schildert Christian Schopper. Der SV Gottmadingen-Bietingen hatte eigens ein Vereinsheft herausgebracht, um sich bei den Sponsoren für deren Unterstützung in der harten Corona-Zeit zu bedanken.

Wunschtraum des SC Gottmadingen-Bietingen: Diese Bild mit der imposant besetzten alten Holz-Tribüne bot sich beim Pokalderby gegen den 1.FC Rielasingen-Arlen im Sommer 2019 vor Corona.
Wunschtraum des SC Gottmadingen-Bietingen: Diese Bild mit der imposant besetzten alten Holz-Tribüne bot sich beim Pokalderby gegen den 1.FC Rielasingen-Arlen im Sommer 2019 vor Corona. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Schopper kann auch wieder die D-Junioren anleiten. Und seine Jungs sind mit großem Eifer bei der Sache. Ein wegen der langen Zwangspause ins Kalkül gezogener Mitgliederschwund blieb beim SC Gottmadingen-Bietingen aus. „Alle haben zur Stange gehalten. Das zeigt auch die Wertschätzung gegenüber unserer Führung und den Übungsleitern im Verein. Als unsere Kleinsten im März drei Wochen lang vorübergehend trainieren durften, hat niemand gefehlt“, berichtet Schopper.

Soraya Stemke (links) und Hanna Müllerschön frohgemut am Ball.
Soraya Stemke (links) und Hanna Müllerschön frohgemut am Ball. | Bild: Bittlingmaier, Albert

„Endlich wieder auf dem Fußballplatz miteinander kicken – das macht viel mehr Freude, als alleine im Garten zu spielen“, sagt die 10-jährige Soraya Stemke, die bei den E-Junioren kickt. „Cool, sich wieder mit anderen zu treffen, die man lange nicht gesehen hat“, freut sich die gleichaltrige Hannah Müllerschön.