In Zukunft müssen die Autofahrer voraussichtlich bereits an den Ortsschildern Rielasingen-Worblingens ganztägig auf die Bremse treten. Die Chancen stehen nach Meinung von Alexander Colloseus gut, dass Tempo 30 auf die ganze Nordsüdachse der Ortsdurchfahrt Rielasingens ausgeweitet werden kann. Der Projektleiter der Ingenieurgesellschaft Fichtner Water & Transportationist ist sich sicher, dass die Schallwerte und die hohe Lärmbetroffenheit für eine Genehmigung vorliegen.

20 Anwohner im Rat

Das Unternehmen hatte bereits den ersten Lärmaktionsplan aufgestellt und hat diesen nun fortgeschrieben und im Gemeinderat vorgestellt. Bei den in der Sitzung anwesenden knapp 20 Anwohnern der Ramsener Straße, die am stärksten unter der verkehrsbedingten Lärmbelastung leiden, stieß Colloseus' Prognose auf verhaltene Freude. „Tempo 30, so schnell wie möglich – mehr wollen wir nicht“, erklärte Herbert Schätzle dem SÜDKURIER. Allerdings brachte der Sprecher der Anwohner-Initiative nach den jahrelangen und bislang vergeblichen Bemühungen um eine Verkehrs- und Geschwindigkeitsreduzierung auch seine Zweifel zum Ausdruck, ob und wann das Landratsamt in Konstanz diese Maßnahme tatsächlich genehmigt und umsetzt.

Ein Bild aus dem Jahr 2017, als auf der zentralen Ortsdurchfahrt in Rielasingen aus Lärmschutzgründen Tempo 30 eingeführt wurde. Ihren Frust darüber, dass in der Ramsener Straße weiterhin 50 km/h gefahren werden durfte, brachten Anwohner Vertretern des Landratsamts und der Gemeinde zum Ausdruck.
Ein Bild aus dem Jahr 2017, als auf der zentralen Ortsdurchfahrt in Rielasingen aus Lärmschutzgründen Tempo 30 eingeführt wurde. Ihren Frust darüber, dass in der Ramsener Straße weiterhin 50 km/h gefahren werden durfte, brachten Anwohner Vertretern des Landratsamts und der Gemeinde zum Ausdruck. | Bild: Ingeborg Meier

Planänderung an einer Straße

Bisher endet die Tempo-30-Beschränkung auf der Rielasinger Ortsdurchfahrt nördlich an der Hauptstraße 28 und südlich an der Ramsener Straße 4. In der Gottmadinger Straße gilt seit kurzem das Tempo-Limit bis zum Ortsende – provisorisch. Für diese Begrenzung sieht Alexander Colloseus keinen Grund, von hoher Lärmbelastung sei die gesamte Durchgangsstraße betroffen.

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2,4 Dezibel weniger

Tempo 50 statt 30 – das bedeutet eine Reduzierung des Schallpegels um 2,4 Dezibel. Das klinge nach wenig, bewirke aber viel, so der Planer. Denn Dezibel potenzierten sich. Die Durchfahrtszeit für die Autofahrer verlängere sich durch die Einführung von Tempo 30 um 30 Sekunden. Und ein Ausweichen der Autofahrer auf andere Ortstraßen sei mangels derer Attraktivität für den Durchgangsverkehr nicht zu befürchten.

15.000 Fahrzeuge jeden Tag

Bereits im Jahr 2017 lag das Verkehrsaufkommen im Rielasinger Zentrum bei 15.000 Fahrzeuge täglich, darunter mehr als 600 Lastwagen. Der Lastwagen-Verkehr werde sich nach der nun erteilten Genehmigung für das Kiesabbaugebiet Dellenhau um einiges verstärken, ebenso der Auto-Verkehr aus und in Richtung der Schweiz nach der Eröffnung des Singener Einkaufszentrums Cano, befürchtet Bürgermeister Ralf Baumert. Man müsse jetzt so schnell wie möglich den Lärmaktionsplan voranbringen, drängten Gemeinderäte. Das Planwerk geht in die Offenlage und in die Anhörung der Träger öffentlicher Belange. In wenigen Wochen könnte dann der Antrag zur Erweiterung des Tempo-30-Bereichs an die Verkehrsbehörde gehen.