Zuerst habe er in der Karibik nur das machen wollen, wozu er Lust hatte, um danach wieder nach Hause zu fliegen. Es kam für Zahnarzt Tobias Bauer dann aber doch ganz anders. Beim Ziehen von ein paar Zähnen auf einer karibischen Insel ist es nicht geblieben.

Vor 13 Jahren hatte es sich ergeben, dass Tobias Bauer zu einem Kongress nach Hispaniola, einer Insel in der Karibik, flog. Dort liegen die Staaten Haiti und die Dominikanische Republik.

Nach dem Kongress flog er wieder nach Deutschland. Doch nur ein paar Monate nach seiner Rückkehr kam es in Haiti zu einem schweren Erdbeben, die Sorge um seine dort geknüpften Kontakte war groß. „Den Bekannten vor Ort war zum Glück nichts passiert, aber Haiti war kaputt“, blickt der Arzt zurück.

So sieht ein Arbeitsplatz von Zahnarzt Tobias Bauer und weiteren freiwilligen Helfern auf Hispaniola aus. Das Bild stammt aus dem Jahr ...
So sieht ein Arbeitsplatz von Zahnarzt Tobias Bauer und weiteren freiwilligen Helfern auf Hispaniola aus. Das Bild stammt aus dem Jahr 2015. Bilder: Diano | Bild: Diano

Seit dieser Zeit baut Tobias Bauer mit freiwilligen Helfern ein medizinisches Netzwerk auf der Insel auf. Bis zu sechsmal pro Jahr fliegt er in die Karibik, um den Menschen dort zu helfen. Zuletzt war er im Januar in der Dominikanischen Republik, auch an der Grenze zu Haiti. Nach Haiti zu reisen, gehe zurzeit nicht, das sei viel zu gefährlich, berichtet Tobias Bauer.

Das Land versinke im Chaos, Entführungen seien an der Tagesordnung und die Sicherheit der Helfer sei dort in Gefahr. Aber man sei an der Grenze gewesen, um haitianischen und verlässlichen Kontaktpersonen medizinisches Bedarfsmaterial, Medikamente und Lebensmittel für ein Waisenhaus zu übergeben.

Helfer ermöglichen Waisenkindern besseres Essen

Die Hilfseinsätze auf der Insel beschränken sich zwischenzeitlich nämlich nicht mehr nur auf eine zahnmedizinische Versorgung der Menschen, sondern weiteten sich auf die Unterstützung von Waisenhäusern, Schulen und lokalen Krankenhäusern aus.

Nur eines von vielen Beispielen: In der Dominikanischen Republik kaufen die Helfer Grundnahrungsmittel, diese werden an der haitianischen Grenze übergeben, um den Kindern im Waisenhaus ein besseres Essen zu ermöglichen. Ohne diese zusätzlichen Lebensmittellieferungen gebe es lediglich Mais, Reisbrei und Bohnen für die Waisen.

Tobias Bauer fliegt mehrmals im Jahr für Hilfseinsätze in die Karibik. Hier 2015.
Tobias Bauer fliegt mehrmals im Jahr für Hilfseinsätze in die Karibik. Hier 2015. | Bild: Diano

„Wenn ich auf Hispaniola bin, sind ganz schnell 100 Patienten da“, erzählt Tobias Bauer. Schnell spreche sich herum, wenn ein deutscher Zahnarzt die Menschen kostenlos behandelt. Wie in so vielen Ländern auf der Welt können sich die meisten Menschen auf Hispaniola keinen Arzt leisten.

„Manche müssen jahrelang Zahnschmerzen erleiden“, berichtet der Arzt. Man müsse viele Zähne ziehen, um den Menschen zu helfen und nicht selten gebe es lebensbedrohliche Erkrankungen.

Corona bringt Projekt erstmals zum Stillstand

Corona brachte die Arbeit der von Tobias Bauer gegründeten Organisation Diano vor Ort erst einmal fast zum Erliegen. Als die Pandemie ausbrach, waren 40 Leute im Hilfseinsatz in der Karibik. Diese mussten bei einer von der deutschen Regierung organisierten Rückholaktion heimgeflogen werden. Dann ging zunächst nichts mehr.

Erst im vergangenen Herbst konnte der deutsche Zahnarzt wieder auf die Insel fliegen, um die Kontakte dort zu reaktivieren und die Hilfsprojekte vor Ort neu zu organisieren. Aktuell sind in der Dominikanischen Republik sechs Freiwillige, und der deutsche Zahnarzt möchte schon an Ostern erneut hinfliegen, um die Arbeit weiter voranzubringen.

Die Arbeit geht wieder weiter

Auch, um die Einfuhr eines Containers mit medizinischen Geräten und Materialien vorzubereiten. Voraussichtlich wird es außerdem einen Termin in der Deutschen Botschaft und mit dem Gesundheitsministerium der Dominikanischen Republik geben. „Solche Kontakte vor Ort sind sehr hilfreich, um etwas zu erreichen“, erklärt der Arzt.

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Finanziert werden die Hilfsprojekte durch Spenden und von den Helfern selbst. Sie behandeln die Menschen vor Ort kostenlos und bezahlen Flug, Unterkunft und die Lebenshaltungskosten ebenfalls selbst.

Freude an der hilfreichen Arbeit

„Es ist ein Privileg für mich, zwischen zwei verschiedenen Welten zu pendeln und die Unterschiede wahrnehmen zu dürfen. Jedes Mal nehme ich neue Eindrücke mit und komme mit einem erfüllten Gefühl zurück“, so Tobias Bauer. Und im Alltag in Deutschland sei er dadurch viel gelassener geworden.

Auf die Frage, ob auch Urlaubsgefühle bei den Reisen in die Karibik aufkommen, muss Tobias Bauer etwas überlegen. Er hat auf der Insel inzwischen Freunde und hält mit diesen fast täglich Kontakt, aber Urlaubsgefühle? Eher nein. Nur wenn die Ehefrau Petra dabei ist, erhole man sich gemeinsam ein oder zwei Tage am Strand und stecke zumindest einmal die Füße ins Wasser.