Es war still am zehnten Geburtstag der Bürgerstiftung Rielasingen-Worblingen. Wie in vielen anderen Bereichen zwang die Pandemie die Bürgerstiftung zur Pause bei Veranstaltungen. Trotzdem blickt die Vorstandsvorsitzende Silke Graf optimistisch in die Zukunft, denn die Stiftung steht auf soliden Beinen und ist gewappnet für die Zeit nach Corona.

Die Pandemie bescherte dem zehnjährigen Geburtstag einen stillen Tag. „Es tut weh, dass wir bisher nicht feiern konnten“, erklärt Silke Graf. Aber das soll nicht so bleiben. „Wir planen, das Fest im Sommer nachzuholen“, sagt sie.

Ein Fest im Freien?

Denkbar sei beispielsweise ein Konzert im Freien. Konkrete Planungen für ein Fest könne man wegen der schwer vorauszusehenden Entwicklung der Pandemie noch nicht angehen, das müsse man kurzfristig entscheiden. Orchester und Bands seien aktuell sehr vorsichtig mit Buchungen.

Nur eines ist für Silke Graf sicher: Es muss ein Fest für alle werden, eine Feier im kleinen Rahmen möchte sie nicht. „Die Bürgerstiftung ist von den Bürgern und für die Bürger. Alle sollen die Möglichkeit haben, das zehnjährige Bestehen mitzufeiern.“

Vor 10 Jahren gegründet

Vor zehn Jahren, im September 2011, wurde auf Initiative von Egon Graf die Bürgerstiftung gegründet. Es war ihm eine Herzensangelegenheit, eine Stiftung für die Bürger und mit den Bürgern zu gründen und stets fungierte er wie ein Motor, der die Stiftung am Leben hielt und sich für diese gute Sache einbrachte. Er selbst ist im Jahr 2018 einer schweren Krankheit erlegen und seine Tochter Silke Graf übernahm seine Position im Vorstand.

„Wir wollen die Bürgerstiftung nach den Vorstellungen meines Vaters weiterführen“, sagt Silke Graf. Egon Graf habe den Rahmen für das Wirken der Stiftung gesetzt und dieses Engagement wolle man weiterführen. In den zehn Jahren seit Bestehen wurden viele soziale Projekte umgesetzt. Insgesamt wurden in diesen Jahren über 50.000 Euro in Soziales investiert.

Veranstaltungen und Benefizkonzerte

Die Bürgerstiftung lud regelmäßig zu Veranstaltungen ein, Benefizkonzerte fanden statt oder eine Benefizauktion im Jahr 2014, durch die fast 6000 Euro Reinerlös erzielt werden konnten, die in das Stiftungskapital flossen. Eine solche Auktion würde sie gerne wieder veranstalten, sagt Silke Graf. Eine Onlineauktion kann sie sich jedoch nicht vorstellen. Denn der Bürgerstiftung gehe es auch immer um einen persönlichen Austausch und das Zusammensein der Bürger.

Im Januar 2020 gab es das bisher letzte Benefizkonzert zugunsten der Bürgerstiftung Rielasingen-Worblingen mit dem Lake Side Jazz ...
Im Januar 2020 gab es das bisher letzte Benefizkonzert zugunsten der Bürgerstiftung Rielasingen-Worblingen mit dem Lake Side Jazz Orchestra und Enrico Orlandi.

Wenn es darum geht, wie die Bürgerstiftung in der noch immer andauernden Niedrigzinsphase Erträge erzielen kann, hält sich Silke Graf bedeckt. „Momentan können wir gute Erträge erzielen, wir sind gut aufgestellt“, so die Vorsitzende. Dabei gehe Sicherheit vor, etwas anderes könne und wolle sie nicht verantworten.

Aus dem zwischenzeitlich auf über 361.000 Euro (Stand 31. Dezember 2021) angewachsenen Stiftungskapital konnten im vergangenen Jahr immerhin über 9.500 Euro Erträge erzielt werden. „Lieber legen wir das Geld der Bürger konservativ an und erhalten weniger Erträge. Spekulative Anlagen sind undenkbar für uns.“ Zehn Jahre lang wirkte Finanzexperte Bernhard Hall im Stiftungsvorstand mit. Nach Ausscheiden aus dem Vorstand übernahm Roland Striebel seine Aufgaben.

Fokus auf Senioren, Kinder, Jugendliche

Mit den Erträgen aus dem Stiftungskapital werden soziale Projekte in der Gemeinde realisiert. Dabei steht immer die Förderung des Gemeinwohls der Bürger im Vordergrund.

In den letzten Jahren wurden Senioren ebenso wie Kinder und Jugendliche bedacht, auch an die Natur und die Umwelt gedacht. Die Fördermöglichkeiten sind vielseitig und vielschichtig. Zuletzt förderte die Bürgerstiftung Kurse zur Gewaltprävention an der Hebelschule und an der Hardbergschule.

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Die Bürgerstiftung musste in den Monaten der Pandemie zurückstecken. Die Nähe zu den Bürgern ist während dieser Zeit zu kurz gekommen. Dennoch blickt Graf optimistisch in die Zukunft. Sobald Corona es wieder zulasse, wolle man wieder große Dinge planen.

Die Bürgerstiftung wird sich zudem an der Erweiterung der Skateranlage beim Juca 60, dem Jugendzentrum in Rielasingen-Worblingen beteiligen. „Die Jugendlichen sollen spüren, dass wir auch für sie da sind“, betont Silke Graf.

Ein zentraler Treffpunkt für Jugendliche

Im Austausch mit den Jugendlichen wolle die Bürgerstiftung nicht nur Geld für die Anlage geben, sondern sich auch einbringen.

Tanja Harder vom Kinder- und Jugendförderteam der Gemeinde rechnet mit Kosten in Höhe von etwa 100.000 Euro für den neuen Skatepark, der zum zentralen Treffpunkt für alle Jugendlichen aus dem Dorf werden soll. 60.000 Euro wurden bereits in den Haushalt der Gemeinde eingestellt, der Rest soll über Spenden und Stiftungen finanziert werden.

Vorsitzende wünscht mehr Projekte für Jugend

Zuletzt hat Silke Graf noch ein Anliegen an die jungen Bürger. „Es ist ein persönlicher Wunsch von mir, die Jugendbürgerstiftung weiter voranzubringen“. Wer sich an der im Jahr 2017 gegründeten Jugendbürgerstiftung beteiligen wolle, dürfe sich jederzeit sinnvoll einbringen und sich bei der Bürgerstiftung melden. Denn auch für junge Menschen sei es wichtig, sich sozial zu engagieren. Die Bürgerstiftung sei offen für die Ideen und Wünsche der Jugendlichen, ermutigt sie.

Silke Graf wünscht sich eine möglichst bald wieder eine in der Öffentlichkeit präsente Bürgerstiftung. Sobald möglich wolle man wieder anknüpfen an die Zeit vor der Pandemie. Sie rechnet mit vorher nicht gekannten Problemen.

Noch stecke man mitten in der Krise, aber was danach komme, könne man im Moment noch nicht abschätzen. Vielleicht werden öffentliche Gelder nicht mehr wie gewohnt zur Verfügung stehen. Dann gebe es die Chance, dass die Bürgerstiftung einspringe und helfe.