Das Thema steht schon seit einigen Jahren in der Diskussion – es gewinnt nun an Fahrt. Die mögliche Umsetzung einer Fusion zwischen dem 1. FC Rielasingen-Arlen und dem SV Worblingen hat aber jüngst einen Dämpfer erhalten. Nur zwei von etwa 60 anwesenden Worblinger Mitgliedern stimmten bei einem offenen Votum für einen Zusammenschluss mit dem 1. FC Rielasingen-Arlen. „Auch die Vorstandschaft will mehrheitlich, dass der SV Worblingen eigenständig bleibt“, schildert Charlotte Manko, die Vorsitzende des Vereins. Sie habe nach Gesprächen mit dem 1. FC Rielasingen-Arlen auch die Abstimmung unter den Mitgliedern initiiert.

„Die Mehrheit unserer Vorstandschaft sieht eine Fusion positiv.“Oliver Ley, 1. FC Rielasingen-Arlen
„Die Mehrheit unserer Vorstandschaft sieht eine Fusion positiv.“Oliver Ley, 1. FC Rielasingen-Arlen | Bild: Martina Bischofberger

Bei den Nachbarn herrscht ein konträres Stimmungsbild. „Eine Mehrheit in der Vorstandschaft des 1. FC Rielasingen-Arlen steht einer Fusion positiv gegenüber“, verrät Vorstandssprecher Oliver Ley. Er verweist auch auf positive Erfahrung mit dem Zusammenschluss des früheren FC Rielasingen mit dem FV Arlen. „Wir sind miteinander gewachsen. Das war sehr wichtig für die zunehmende Verbundenheit“, betont Ley.

Verwaltung soll Möglichkeiten prüfen

„Im Zuge der Beratungen für den Haushalt 2021 von Rielasingen-Worblingen hat der Gemeinderat die Verwaltung beauftragt, Möglichkeiten einer Fusion zwischen den beiden Vereinen zu prüfen und mit ihnen das Gespräch zu suchen“, schildert Bürgermeister Ralf Baumert. Hauptsächlich gehe es bei einer neuen Vereinsstruktur nicht darum, Kosten zu sparen. „Bei der Vielzahl der Mannschaften der beiden Vereine, vor allem im Nachwuchsbereich, müssten beide Sportanlagen, im Worblinger Oberwiesen und auf der Rielasinger Talwiese, wohl aufrechterhalten werden. Von daher würde es bei den aus den Pacht- und Platzpflege-Verträgen resultierenden Gemeinde-Ausgaben keine großen Änderungen ergeben“, sagt Baumert. Bei einer einheitlichen Zuständigkeit für beide Anlagen könnten aber wichtige Entscheidungen, wie bei Investitionen, möglicherweise besser und unkomplizierter getroffen werden“, zeigt der Bürgermeister auf.

Auf dem schmucken Kunstrasen auf dem Sportgelände Talwiese bereiten sich die C-Junioren des 1. FC Rielasingen-Arlen auf das Nachbarschaftsderby vor.
Auf dem schmucken Kunstrasen auf dem Sportgelände Talwiese bereiten sich die C-Junioren des 1. FC Rielasingen-Arlen auf das Nachbarschaftsderby vor. | Bild: Bittlingmaier, Albert

„Nach der Abstimmung beim SV Worblingen gestalten sich Annäherung und Verhandlungen eher schwieriger. Dennoch strebe ich gemäß dem Auftrag des Gemeinderats weitere gemeinsame Gespräche an“, betont Baumert. Als Problem gestalte sich etwa, dass die beiden Vereine auf sportlicher Liga-Ebene weit auseinanderklaffen: Der 1. FC Rielasingen-Arlen kickt in der Oberliga Baden-Württemberg, der SV Worblingen drei Klassen tiefer in der Bezirksliga. Es gab Zeiten um das Jahr 2000, als der SV Worblingen zwei Klassen höher als der damals gerade gegründete 1. FC Rielasingen-Arlen antreten durfte. Während der Verein heute in allen Juniorenligen eigene Teams aufbieten kann, muss der SV Worblingen Spielgemeinschaften mit anderen Vereinen, wie dem TSV Überlingen am Ried, dem FC Böhringen und dem SV Bohlingen, eingehen.

Positive Erfahrungen mit Fusion

„Wir haben sehr gute Erfahrungen mit der Fusion mit dem SV Arlen gemacht. Dieser Verein hatte im Gegensatz zu uns kein Spielfeld mehr, dafür aber viele kompetente Funktionäre. Die haben sich nach der Fusion sehr gut in die Vereinsführung des 1. FC Rielasingen-Arlen eingebracht“, berichtet Oliver Ley. „Käme es zu einer Fusion, müsste nach mehrheitlicher Meinung in unserer Vorstandschaft ein völlig neuer Verein gegründet werden, um die Neutralität zu wahren“, so Ley. Er räumt aber auch ein, dass es gerade unter den älteren Mitgliedern Kritik an einer möglichen Fusion gebe.

Der SV Worblingen ist stolz auf das eigene Clubheim. Das Bild zeigt Dieter Manko als Verantwortlicher für Plätze und Gebäude.
Der SV Worblingen ist stolz auf das eigene Clubheim. Das Bild zeigt Dieter Manko als Verantwortlicher für Plätze und Gebäude. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Eine solche tritt beim SV Worblingen nun auch offen zutage. „Viele Vereinsmitglieder, auch zugezogene, haben hier in Worblingen ihre sportliche Heimat und die ihrer Kinder gefunden. Das möchten sie nicht aufgeben, betont Charlotte Manko. „Die Vorstandschaft strebt auch an, das Gemeinschaftsgefühl weiter zu stärken. Wir sind auf einem guten Weg. Die erste Mannschaft besteht nun bewusst aus eigenen jungen Spielern. Das war in der Vergangenheit nicht so“, sagt Charlotte Manko.

„Von 60 Mitgliedern haben nur zwei für eine Fusion gestimmt.“Charlotte Manko, SV Worblingen
„Von 60 Mitgliedern haben nur zwei für eine Fusion gestimmt.“Charlotte Manko, SV Worblingen | Bild: SK

Es gebe auch keine Vergütungen für Akteure mehr. „Dafür nehmen wir den Abstieg aus der Bezirksliga in Kauf“, betont sie. Wichtiger sei, dass Aktive und Junioren auch nach dem Training und den Spielen die Kameradschaft pflegten. Wie im eigenen Clubheim, das vorn Vereinsmitgliedern und einem angestellten Koch betrieben werde. Sie wolle sich trotz dieser Verbundenheit weiteren Gesprächen mit dem 1. FC Rielasingen-Arlen und der Gemeinde nicht verschließen, betont Charlotte Manko.