Rielasingen-Worblingen ist in der Kinderbetreuung gut aufgestellt. Vier kommunale Kinderhäuser, zwei Einrichtungen mit kirchlichen Trägern und zwei mit freien Trägern bieten ein breites Spektrum an Betreuungsangeboten für alle Kleinen ab einem Jahr, die Öffnungszeiten lassen eine Berufstätigkeit der Eltern zu. Aktuell kann dem Bedarf voll nachgekommen werden, eine Warteliste gibt es nicht.

Überversorgt ist man trotzdem nicht: Die 442 Kindergartenplätze sind zu praktisch hundert Prozent ausgelastet. Bei den Krippenplätzen stellt sich das etwas anders dar. Hier gibt es einige freie Plätze. Durch die Pandemie sei es eine sensible Situation, so die Kindergartenbeauftragte Jasmin Kroner. Manche Eltern hätten ihre Vormerkung für einen Platz zurückgezogen – aus Sorge vor einer Ansteckung, aber auch weil kurzfristig Elternzeiten verlängert werden konnten, oder ein Elternteil Pandemie-bedingt arbeitslos geworden sei und die Betreuung zu Hause übernahm.

Eine familienfreundliche Gemeinde

Die Aachtalgemeinde hat sich von jeher Familienfreundlichkeit auf seine Fahnen geschrieben. Die Kinderbetreuung ist der Gemeinde viel Geld wert: Die Elternbeiträge , die ab September 2021 entsprechend der Empfehlungen der Kirchen und der kommunalen Landesverbände um 2,9 Prozent angehoben werden, decken aktuell nur 14 Prozent der jährlichen Kosten. Das Defizit für die Gemeinde beläuft sich auf knapp 2,4 Millionen Euro. Die dennoch positive Haltung des Gemeinderats dazu fasste Bürgermeister Ralf Baumert auf der jüngsten Sitzung in folgende Worte: „Das ist schon eine ordentliche Hausnummer. Aber solange wir uns das leisten können, sollten wir es uns auch leisten.

Wie Kroner berichtete, war und ist die Corona-Pandemie eine noch nie da gewesene Herausforderung für alle Beteiligten. Für die Eltern, die auch heute noch manchmal die Türen eines Kindergartens verschlossen finden, weil Ausfälle im Erzieher-Team die Einhaltung der offiziellen Öffnungszeiten unmöglich machen. Für die Kinder, deren Alltag total auf den Kopf gestellt gewesen sei, die auf ihre gewohnten sozialen Kontakte verzichten mussten. Die Auswirkungen der Pandemie auf die Kleinsten der Gesellschaft seien schon deutlich zu spüren, so Kroner. „Wir können bereits Verhaltensveränderungen feststellen.“ Die Frustration sei gewachsen, es gebe mehr Konflikte.

Viele Kinder sind der deutschen Sprache nicht mächtig

Das Erzieherteam, das über die gerade genannten Probleme hinaus auch durch die kurzfristig umzusetzenden Vorgaben der Regierung an seine Grenzen gebracht wurde, bemühte und bemühe sich, so gut wie möglich die Normalität aufrecht zu halten. Erschwert werde die Arbeit noch durch die nicht geringe Anzahl der Kinder, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Im Kinderhaus Raphael liegt ihr Anteil bei 44 Prozent, im Kinderhaus Rosenegg bei einem Drittel.

Die Hauptaufgabe der Erzieher sei in der Pandemie nicht mehr Betreuung plus Förderung gewesen, sondern die Gewährleistung einer Betreuung überhaupt. Alle Erzieher hätten ihr Bestes gegeben, so Kroner. Insbesondere die Vorschrift, dass sich die Kinder in den Gruppen nicht vermischen dürfen, wird nach ihrer Meinung die Personalsituation weiterhin äußerst schwierig machen.

Die Gebühr für einen Regelkindergartenplatz wird – je nach Kinderzahl einer Familie in den Einrichtungen – um einen Euro bis maximal drei Euro teurer

In Rielasingen-Worblingen gibt es acht Kinderbetreuungseinrichtungen. Zwei von ihnen haben kirchliche, zwei weitere freie Träger . Gebührenerhöhungen erfolgen jeweils in Absprache mit diesen Trägern. Gemeinderat- und Verwaltung setzen auf moderate Erhöhungen in nicht allzu langen Abständen. So wird die diesjährige ab September geltende Erhöhung bedeuten, dass die monatliche Gebühr für einen Regelkindergartenplatz – je nach Kinderzahl einer Familie in den Einrichtungen – um einen Euro bis maximal drei Euro teurer wird. Die Gebühren decken aktuell rund 14 Prozent der anfallenden Kosten. Das Defizit von augenblicklich 2,4 Millionen Euro jährlich trägt die Gemeinde.