Die Gemeinde Rielasingen-Worblingen hat derzeit keinen Sozialarbeiter im Kinder- und Jugendbereich. Im vergangenen Jahr hat der Gemeinderat entschieden, die krankheitsbedingt unbesetzte Vollzeitstelle vorerst einzusparen. Der Grünen-Fraktion war dies ein Dorn im Auge, das Thema war seither auf ihr Betreiben hin immer wieder Gegenstand von Ratssitzungen. Ob die Stelle – nunmehr auf 80 Prozent Umfang reduziert – wieder besetzt werden soll, sollte bei den diesjährigen Haushaltsberatungen entschieden werden. Eine Vorberatung gab es jetzt im Sozial- und Finanzausschuss.

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Mittlerweile fordern auch der Schul-Gesamtelternbeirat und die Amtsleiterin des Kinder- und Jugendförderteams der Gemeinde, Jenny Frankenhauser, sowie ihre Stellvertreterin Tanja Harder, ihre Abteilung wieder besser mit Personal auszustatten. Die Corona-Pandemie habe bei den Kindern und Jugendlichen schwere Schäden hinterlassen, sie bräuchten Unterstützung, Begleitung und Angebote sowie einen verlässlichen Ansprechpartner im Bereich der offenen und mobilen Kinder- und Jugendarbeit. Zu den Aufgaben des Stelleninhabers gehörten zudem unter anderem die Einzelfallhilfe, der offene Treff Juca 60 oder die Kinder- und Jugendbeteiligung.

Könnte man einen Sozialarbeiter teilweise durch personelle Kürzungen bei der Flüchtlingsbetreuung gegenfinanzieren? Diese Idee brachte Jenny Frankenhauser, Leiterin des Kinder- und Jugendförderteams der Gemeinde, ins Spiel.
Könnte man einen Sozialarbeiter teilweise durch personelle Kürzungen bei der Flüchtlingsbetreuung gegenfinanzieren? Diese Idee brachte Jenny Frankenhauser, Leiterin des Kinder- und Jugendförderteams der Gemeinde, ins Spiel. | Bild: Sandra Bossenmaier

Die Meinungen im Sozial- und Finanzausschuss bleiben kontrovers

Bürgermeister Ralf Baumert hatte sich von der Diskussion ein Stimmungsbild erhofft – vergebens, denn die Meinungen bleiben kontrovers. Reinhard Zedler (SPD) wies eindringlich auf die Bedeutung der offenen Jugendarbeit hin und stellte fest, dass eine Nichtwiederbesetzung der Stelle mehr oder minder dem Verzicht darauf gleichkäme. Auch die Vertreter der Grünen plädierten erwartungsgemäß für eine Wiederbesetzung der Stelle, während ihre Kollegen von der CDU und den Freien Wählern dafür nicht unbedingt Dringlichkeit sahen. Volkmar Brielmann (CDU) wollte besser getrennt haben, welche Angebote aktuell mangels Personal und welche wegen Corona nicht mehr stattfinden können. Den CDU- und FW- Ausschussmitgliedern bereiteten angesichts des Defizits von 1,6 Millionen Euro im Ergebnishaushalt der Gemeinde die Kosten für die Stelle Sorgen. Bürgermeister Ralf Baumert wies daher darauf hin, dass der Ausschuss die Notwendigkeit zu beurteilen habe und nicht die finanzielle Lage.

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Eine kleine Annäherung zeichnete sich ab, als Jenny Frankenhauser vorschlug, die Kosten für die Sozialarbeiterstelle durch Kürzungen in der Flüchtlingsbetreuung aufzufangen. Da könne man mitgehen, meinten Hermann Wieland (Freie Wähler) und Volkmar Brielmann (CDU) sinngemäß. Diese Art der Gegenfinanzierung – ein Kuhhandel, wie Jana Akyildiz (Grüne) empört konstatierte – stieß jedoch der Grünen-Fraktion sauer auf. Eines war am Ende klar: Die Besetzung der Stelle wird den Gemeinderat sicher auch in den Haushaltsberatungen umtreiben.